Pressemitteilung vom 06.05.2005
Verfreundete Nachbarn: Deutschland – Österreich. Neue Wechselausstellung im Haus der Geschichte
"Bleibt der Österreicher lieber im Unklaren" und gilt vom deutschen Piefke immer noch, dass er "sich selbst rechtfertigt und behauptet"? Hugo von Hofmannsthal setzte 1917 die Eigenarten von Preußen und Österreichern kontrastreich in Beziehung – mit verblüffender Aktualität – bis heute.
Die Ausstellung "Verfreundete Nachbarn: Deutschland – Österreich" zeigt vom 19. Mai bis 23. Oktober 2005 Berührungs- und Konfliktpunkte dieses engen, aber mitunter spannungsgeladenen nachbarschaftlichen Verhältnisses. Sie fragt nach der Entwicklung deutscher und österreichischer Identitätsmuster sowie wechselseitiger Wahrnehmungen. Ein zentraler Aspekt ist die Frage nach dem Verhältnis der beiden Länder zu ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.
Die Ausstellung spannt einen Bogen vom Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 bis in die unmittelbare Gegenwart. Zu sehen sind mehr als 800 Exponate, darunter die wilhelminische Replik der Reichskrone aus Aachen, das Manuskript "Preußen und Österreicher" von Hugo von Hofmannsthal, Oskar Kokoschkas "Anschluß – Alice im Wunderland", das Modell des Volkswagens oder Teile der abhörsicheren Kabine aus der DDR-Botschaft in Wien.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer und Professor Dr. Horst Köhler.
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Mit keinem Nachbarland verbinden Deutschland so enge kulturelle und politische Gemeinsamkeiten wie mit Österreich. Ein historischer Rückblick erinnert an die Jahrhunderte lange gemeinsame Geschichte vor der Bildung der Nationalstaaten. Die immer wiederkehrenden Debatten um die groß- und kleindeutsche Lösung im 19. Jahrhundert sind ebenso Thema wie die Vorgeschichte des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich 1938. Ein Exkurs befasst sich mit dem politischen Werdegang Adolf Hitlers und den maßgeblichen ideologischen Einflussfaktoren auf sein Denken. Ein wichtiges Thema ist der "Anschluss" an das Deutsche Reich, der sich unter Androhung militärischer Gewalt, aber auch unter dem Jubel eines großen Teils der österreichischen Bevölkerung vollzog. Das Verhältnis der beiden Länder ist vom Trauma der NS-Zeit und der radikalen Trennung nach 1945 mit bestimmt.
"Der Österreicher ist so deutsch, wie seine Donau blau ist" (Alfred Polgar)
Nach 1945 gingen Deutschland als "besiegtes" und Österreich als "befreites" Land getrennte Wege. Dabei spielte die Deutsche Frage bei der Klärung der politischen Zukunft Österreichs in der Nachkriegsgeschichte bis 1955 eine bedeutende Rolle. Der unterschiedliche Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, die Fragen nach Schuld und Verantwortung belasteten zeitweise die bilateralen Beziehungen. Die Auschwitz-Prozesse und die Waldheim-Affäre lösten breite Diskussionen aus.
Neben den politischen Beziehungen sind auch wirtschaftliche und kulturelle Faktoren im Verhältnis beider Nachbarn von großer Bedeutung. Sie sind von starker Konkurrenz und der österreichischen Angst vor einer deutschen Dominanz geprägt. Die wechselseitige Wahrnehmung von Österreichern und Deutschen ist bis heute ambivalent und von zahlreichen Klischees bestimmt. Sie schwankt zwischen Verwandtschaftsgefühlen und Abgrenzungsbedürfnissen.
Die besondere Rolle Österreichs im Ost-West-Konflikt gewann in den 1970er Jahren im Entspannungsprozess zwischen den beiden deutschen Staaten ein spezielles Gewicht. Die Ausstellung widmet der Ära Brandt/Kreisky besondere Aufmerksamkeit und beleuchtet die Geschichte ihrer persönlichen Freundschaft und politischen Zusammenarbeit. Der Grenzabbau an der österreichisch-ungarischen Grenze 1989 und der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union markieren die jüngsten Entwicklungen in den wechselseitigen Beziehungen.
Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung. Im Kerber-Verlag erscheint der reich illustrierte Begleitband, der im Museumsshop 19,90 Euro, im Buchhandel 27,95 Euro kostet .
Verfreundete Nachbarn: Deutschland - Österreich
19. Mai – 23. Oktober 2005
Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Willy-Brandt-Allee 14, Museumsmeile, 53113 Bonn
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag, 9 - 19 Uhr, Eintritt frei
Weitere Informationen erhalten Sie in der Pressestelle:
Peter Hoffmann
Tel. (02 28) 91 65-109