LeMO - Lebendiges Museum Online

    "Unterm Strich – Karikatur und Zensur in der DDR"

    18. November 2005  –  5. März  2006
    im Haus der Geschichte in Bonn
    Dienstag – Sonntag
    9.00 - 19.00 Uhr
    Eintritt frei

    Pressefotos zum Download

    Karikaturen sind "optisches Juckpulver": Sie reizen, stacheln auf, bringen zum Lachen. Stets spiegeln sie die Zeit ihres Entstehens. Die Ausstellung zeigt die Spielräume und Grenzen der Karikatur in der DDR. Mit mehr als 100 Werken – viele davon erstmals im Original zu sehen – entsteht eine Bilanz, die zugleich tiefe Einblicke in Wesen und Wirklichkeit der SED-Diktatur ermöglicht.
    Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ist in Deutschland das Bedürfnis nach kritischen Karikaturen groß. Satirezeitschriften nehmen Traditionen der 1920er Jahre auf.

     

    Karikatur von Kurt Poltiniak, 1953.

    Auch in der DDR sind Karikaturen beliebt. Die Machthaber nutzen sie für ihre Propaganda. Seit den 1950er Jahren entstehen ungezählte Feindbilder, gerichtet gegen Gegner im In- und Ausland. "Zerrbilder" malen das westliche Leben in düsteren Farben, "Wunschbilder" verherrlichen den "Sozialismus". Die Funktionäre beanstanden kritische Karikaturen, verbieten die Veröffentlichung und bestrafen die Verantwortlichen.




    Karikatur von Karl Schrader, 1962

    Doch die Menschen wollen die Wahrheit sehen. Seit den 1970er Jahren zeichnen Karikaturisten immer häufiger Werke, die den Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Land aufdecken. In Ausstellungen sind Blätter zu sehen, die zeigen, was die Medien verschweigen: Mängel der Planwirtschaft, Willkür der Behörden, soziale Probleme, Rüstungswahn und Umweltzerstörung.

     

    Karikatur von Uwe Kraeusel, 1988

    Diese Themen greifen auch Oppositionsgruppen in der DDR auf. In ihren Untergrundzeitschriften erscheinen Zeichnungen mit offener Kritik. Im Herbst 1989 bricht sich der Unmut Bahn. Nach dem Ende des SED-Regimes zeichnen viele Künstler aktuelle Karikaturen. Kritisch kommentieren sie den Ruf nach der deutschen Einheit, skeptisch begleiten sie den Prozess der Vereinigung im Jahr 1990.

     

    BLA-BLA-Schreibmaschine von Willy Moese, 1976

    Die Ausstellung präsentiert Originalkarikaturen und satirische Kleinplastiken – "Plastikaturen" – aus Privatbesitz, Museen und Archiven, eingebettet in den historischen Kontext. Zahlreiche Objekte, Fotos, Dokumente und audio-visuelle Medien machen die Rahmenbedingungen der Entstehung gezeichneter Satire anschaulich. Der Rückblick auf die Karikaturen bietet einen unterhaltsamen Gang durch die Geschichte der DDR.

     



    Plakat zur Ausstellung in Bonn

    Karikatur von Barbara Henniger, 1989