08 - KSZE und deutsch-deutsche Beziehungen

    Öffnung wider Willen

    Ihr Streben nach internationaler Anerkennung zwingt die SED-Führung immer wieder zu Zugeständnissen, die ihre diktatorische Herrschaftsausübung im Innern letztlich untergraben. So sichert die DDR-Regierung mit ihrer Unterschrift unter die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) im August 1975 die Achtung der Menschenrechte zu. Immer mehr Ostdeutsche berufen sich darauf und fordern Reisefreiheit und die Einhaltung der Menschenrechte, doch der Staat antwortet mit Repressionen.

    Gleichzeitig versucht die SED, die Abgrenzung gegenüber der Bundesrepublik zu verstärken. Ihre wirtschaftliche Abhängigkeit vom Westen zwingt sie jedoch zu politischen Kompromissen: In den späten achtziger Jahren bieten immer mehr deutsch-deutsche Begegnungen nun auch Ostdeutschen die Chance, sich selbst ein Bild vom anderen System zu machen.

    Beide deutsche Staaten unterzeichnen im Mai 1986 ein Kulturabkommen, über das schon zwölf Jahre verhandelt wird: Für die nächsten fünf Jahre soll es den Austausch in den Bereichen Kunst, Theater, Wissenschaft, Sport und Denkmalpflege fördern und regeln. Im September 1987 besucht Erich Honecker die Bundesrepublik, nach den Begegnungen von Willy Brandt und Willi Stoph 1970 in Erfurt und Kassel, Helmut Schmidt und Erich Honecker 1981 in Güstrow ein erstes deutsches Gipfeltreffen in der Bundeshauptstadt. Beide Seiten gehen davon aus, dass es zwei deutsche Staaten gibt und dass viele praktische Fragen miteinander zu regeln sind. Kredite der Bundesrepublik an die DDR beschleunigen die Entwicklung: Im Reise- und Postverkehr treten neue Erleichterungen in Kraft. Zum ersten Mal dürfen nun auch begrenzt Druckerzeugnisse - Fachzeitschriften, Schallplatten - aus der Bundesrepublik in die DDR eingeführt werden. Der Transitverkehr bessert sich. Sogar Reisen jüngerer Bewohner der DDR in die Bundesrepublik werden in familiären Ausnahmefällen genehmigt. Auch auf kommunaler Ebene gibt es Initiativen: Saarlouis und Eisenhüttenstadt schließen 1986 die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft. Bis Ende 1989 kommen weitere 60 dazu.

    Das Ausreisegepäck ist Symbol für den Wunsch vieler Menschen, die DDR zu verlassen.
    Zuglaufschild eines Transitzuges
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    Alle Fotos: © Punctum/Bertram Kober