02 - Gründung der Bundesrepublik und der DDR
Gründung und Westintegration der Bundesrepublik Deutschland
Die Bundesrepublik Deutschland entsteht als demokratischer Bundesstaat. Der Parlamentarische Rat verabschiedet das Grundgesetz, das die Prinzipien der Staatsordnung bestimmt: Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Föderalismus. Die Wiedervereinigung ist Verfassungsauftrag. 1949 findet die erste freie und geheime Bundestagswahl statt: Elf Parteien und zwei unabhängige Abgeordnete werden in den Bundestag gewählt. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) bildet die erste Bundesregierung und fördert die Westbindung des jungen Staates.
Die Bundesrepublik entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem angesehenen Partner in den Organisationen der westlichen Staaten - Europarat und Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl sind erste Stationen. Am 5. Mai 1955 treten nach langen Verhandlungen die Pariser Verträge in Kraft, die den künftigen Status der Bundesrepublik festlegen. Sie wird eingeladen, der Nordatlantischen Verteidigungsorganisation (NATO) beizutreten. Im Grundsatz entfällt das Besatzungsstatut, das Besatzungsregime endet. Die Alliierten gewähren ihrem neuen Partner weitgehende Souveränität. Der ehemalige Feindstaat unter Besatzungsrecht wird militärischer Verbündeter der westlichen Demokratien. Der deutsche »Wehrbeitrag« ist in der Bevölkerung und bei der SPD-Opposition lange umstritten, da hierdurch die angestrebte Wiedervereinigung gefährdet scheint.
Gründung der Deutschen Demokratischen Republik
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wird als zentralistischer Einheitsstaat aufgebaut, eingebunden in den sowjetischen Machtbereich. Unter Aufsicht der Besatzungsmacht bereitet die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands die Gründung der DDR vor. Im Oktober 1949 ernennt sich der demokratisch nicht legitimierte Deutsche Volksrat zur Provisorischen Volkskammer der DDR, beschließt die Verfassung und wählt eine Regierung. Die Wahlen, welche die Regierung dem Volk versprochen hatte, werden zunächst verschoben. Erst im Oktober 1950 stehen Einheitslisten zur Wahl, welche die Bürger nur als Ganzes bestätigen oder ablehnen können. Die Staatsordnung soll demokratisch erscheinen, doch die SED übt in Wirklichkeit die alleinige Herrschaft aus. Schlüsselpositionen in der Regierung und in den Ministerien werden mit SED-Mitgliedern besetzt. 1952 löst die Regierung die Länder auf und teilt die DDR in zentral verwaltete Bezirke ein.Die DDR sieht sich als das »bessere Deutschland«. Sie instrumentalisiert den »Antifaschismus« und setzt ihn als Propagandamittel besonders im Kampf gegen die Bundesrepublik ein. »Kämpfer gegen den Faschismus« aus den Reihen der KPD werden als vorbildhaft hervorgehoben. Die Staats- und Parteiführung betont ihre Verwurzelung in einer »antifaschistischen« Tradition. »Nationale Mahn- und Gedenkstätten« sollen diesen Anspruch bezeugen. Viele Menschen begründen ihre Zustimmung zur DDR mit der Hoffnung auf einen »antifaschistisch-demokratischen« Neubeginn und verdrängen Erfahrungen politischer Repressionen und ungerechtfertigter Enteignungen der Diktatur.Mit der Kasernierten Volkspolizei (KVP) entsteht eine Vorstufe der Nationalen Volksarmee (NVA). Im September 1950 wird die DDR Mitglied im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) - Moskaus Antwort auf den amerikanischen Marshall-Plan - und am 14. Mai 1955 auch Mitglied des Warschauer Paktes neben Albanien, Bulgarien, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei, Ungarn und der UdSSR.Sowjetische Vorschläge zur Wiedervereinigung Deutschlands zielen letztlich auf eine Ausdehnung des kommunistischen Einflusses. Der Westen lehnt die auf eine Vereinigung zielende Stalin-Note vom März 1952 nach heftigen Diskussionen als politische Irreführung ab.





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