05 - Deutsch-deutsche Beziehungen im internationalen Kontext

    Folgen des Mauerbaus

    Der Bau der Mauer zementiert die Teilung Deutschlands. Die SED stabilisiert damit zunächst ihre Macht und demonstriert staatliche Eigenständigkeit. Zwar hält sie formal an der Wiedervereinigung fest, baut jedoch die Grenzanlagen weiter aus. Menschen fliehen unter Lebensgefahr aus ihrer Heimat.Die Verbindungen zwischen Ost und West reißen trotz aller Schwierigkeiten nicht völlig ab. Private Beziehungen werden mit aller Kraft aufrechterhalten: Verwandte und Freunde schicken sich regelmäßig Briefe und Päckchen, treffen sich bei Familienfeiern und im Urlaub im osteuropäischen Ausland. Auch die Kirchen arbeiten weiter eng zusammen, Gemeinden im Westen übernehmen Patenschaften in der DDR. Bis 1964 treten Sportler aus beiden Staaten bei Olympischen Spielen unter gemeinsamer Flagge an.

     

    Enttäuschte Hoffnungen

    Während sich die Herrschaft der SED nach dem Mauerbau vorübergehend stabilisiert, gerät das kommunistische Weltsystem Ende der sechziger Jahre in neue Turbulenzen. Ein "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" ist 1968 das Ziel von Reformen in der Tschechoslowakei. Die Entwicklungen im Nachbarland lösen in der DDR ebenfalls Hoffnungen auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen aus. Doch Truppen des Warschauer Paktes beenden gewaltsam den "Prager Frühling". Spontan protestieren junge Arbeiter und Studenten mit Flugblättern und Aufschriften auf Hauswänden. Die SED erstickt aus Angst vor Veränderungen die Proteste gewaltsam im Keim. Die Ereignisse des Jahres 1968 werden zum Schlüsselerlebnis für viele spätere Bürgerrechtler in der DDR.In der politisch angespannten Situation Ende der sechziger Jahre lässt Walter Ulbricht historische Kirchenbauten sprengen, um sein sozialistisches Städtebaukonzept ohne Abstriche durchsetzen zu können und politische Stärke zu demonstrieren. Um Platz für Neubauten zu schaffen, müssen beispielsweise die Leipziger Universitätskirche, die Rostocker Christuskirche und die Potsdamer Garnisonkirche weichen.In den sechziger Jahren wird im Westen klar: Nur Verhandlungen ermöglichen die Hoffnung, die Mauer durchlässiger zu machen. Die DDR nutzt diese Entwicklung, um ihre internationale Anerkennung weiter auszubauen, während die Bundesregierung beharrlich versucht, die Folgen des Mauerbaus zu lindern. Erste Erleichterungen kommen in Berlin zustande: Zwischen 1963 und 1966 handeln Vertreter des Berliner Senats vier Passierscheinabkommen aus. Zum ersten Mal nach dem Bau der Mauer öffnen sich den West-Berlinern wieder Übergänge zum Ostteil der Stadt, wenn auch nur zeitlich begrenzt. Parteien, Verbände und Vereine im Westen protestieren kontinuierlich gegen Verletzungen der Menschenrechte in der DDR. Ab 1963 finden zwischen der Bundesrepublik und der DDR Verhandlungen statt mit dem Ziel, politische Gefangene freizukaufen.

     

    Wandel durch Annäherung

    Die neue Ostpolitik der sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) bringt weitere Verbesserungen für die Menschen in beiden deutschen Staaten. Am 3. September 1971 wird das "Viermächte-Abkommen" über Berlin unterzeichnet, das am 3. Juni 1972 in Kraft tritt; erstmals seit 1945 garantiert die Sowjetunion den ungehinderten Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin auf Straße, Schiene und zu Wasser. Am 17. Dezember 1971 schließen die Bundesrepublik und die DDR ein Transitabkommen ab, das die Abwicklung des Personen- und Güterverkehrs zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin in der »einfachsten, schnellsten und günstigsten Weise« garantieren soll.Am 21. Dezember 1972 tritt der »Vertrag über die Grundlagen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik« in Kraft. Er bekräftigt die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenze zwischen beiden deutschen Staaten. Die Vertragspartner wollen »normale gutnachbarliche Beziehungen zueinander auf der Grundlage der Gleichberechtigung« entwickeln und sich dabei leiten lassen von Prinzipien der »souveränen Gleichheit aller Staaten, der Achtung der Unabhängigkeit, Selbständigkeit und territorialen Integrität, dem Selbstbestimmungsrecht, der Wahrung der Menschenrechte«. Dies bedeutet jedoch keine völkerrechtliche Anerkennung der DDR, was auch in Artikel 8 deutlich wird. In ihm wird nicht die Einrichtung von Botschaften vereinbart, sondern von »Ständigen Vertretungen«, die in Bonn und Ost-Berlin eröffnet werden.Beide Staaten werden am 18. September 1973 Mitglieder der UNO. Die DDR findet zunehmend internationale Anerkennung. 1974 streicht die Volkskammer per Gesetz alle Hinweise auf die deutsche Nation und die Wiedervereinigung aus der Verfassung der DDR von 1968.

     

    Lageplan: 5. Ausstellungseinheit
    Panzer des Warschauer Paktes zerstören die Reformhoffnungen des "Prager Frühlings".
    Der Passierschein ermöglicht vielen Berlinern erstmals wieder Kontakte mit Verwandten und Freunden über die Mauer hinweg.
    Infolge der deutsch-deutschen Verhandlungen erlangt die DDR zunehmend internationale Anerkennung.
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    Alle Fotos: © Punctum/Bertram Kober