01 - Nachkriegsplanungen, Kalter Krieg und deutsche Frage

Kriegsende und Besatzung

Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endet der Zweite Weltkrieg in Europa. Die militärische Niederlage bedeutet das Ende des nationalsozialistischen Regimes, das den Krieg sechs Jahre zuvor entfesselt hatte. Deutschland verliert seine Souveränität. Frankreich, Großbritannien, die USA und die Sowjetunion übernehmen die Regierungsgewalt. Sie teilen das Land in vier Besatzungszonen und die Hauptstadt Berlin in vier Sektoren. Die Siegermächte entscheiden zunächst gemeinsam über die Zukunft Deutschlands.

Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) umfasst Mecklenburg/Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Gewalttaten der Roten Armee gegen die Bevölkerung belasten das Verhältnis von Siegern und Besiegten. In drei Aktionsgruppen organisiert, agieren Kader der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) nach Kriegsende in der SBZ. Im Einvernehmen und unter Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) schaffen sie die Grundlage eines neuen politischen Systems: die "antifaschistisch-demokratischen Ordnung".

 

Antifaschistischer Neuanfang?

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland und deutsche, vor allem aus dem Moskauer Exil zurückgekehrte Kommunisten lenken die Entwicklung in der SBZ und ihre schrittweise Anpassung an die Sowjetunion. Während des Krieges hatten sie zwei Aufgaben: die Ziele Moskaus an der Front, in den Antifa-Schulen und in Kriegsgefangenenlagern zu propagieren und gleichzeitig die innere Umgestaltung Deutschlands nach sowjetischem Vorbild zu planen.

 

Nach Kriegsende baut die sowjetische Besatzungsmacht in ihrer Zone ihr Herrschaftssystem planmäßig aus. Sie interniert Kriegsverbrecher, willkürlich Festgenommene und politische Gegner in Speziallagern. Dafür nutzt sie auch ehemalige Konzentrationslager, zum Beispiel Sachsenhausen und Buchenwald. Zehntausende verlieren dort ihr Leben.

 

Im Widerspruch zu demokratischen Prinzipien und unter starkem Druck der Besatzungsmacht müssen sich die Parteien SPD und KPD 1946 zur Sozialistischen Einheitspartei zusammenschließen. Die SED entwickelt sich zu einer stalinistischen Partei. Die bürgerlichen Blockparteien Christlich Demokratische Union (CDU), Liberaldemokraten (LDP) und später die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) sowie die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD) haben von Anfang an kaum Handlungsspielraum. Opponierende Politiker, zum Beispiel Jakob Kaiser, Vorsitzender der CDU in der SBZ, werden von der SMAD abgesetzt. Die SED zwingt die gesamte Bevölkerung zunehmend zum Gleichschritt. Dafür baut sie von ihr kontrollierte Massenorganisationen wie den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ), den Demokratischen Frauenbund (DFD) und die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) auf.

Die SBZ muss erhebliche Reparationsleistungen an die Sowjetunion erbringen. Nach dem Vorbild der Besatzungsmacht ändert die SED mit einer Bodenreform radikal die Eigentumsverhältnisse. Großgrundbesitzer werden entschädigungslos enteignet. Zunächst erhalten Landarbeiter, Kleinbauern, Flüchtlinge und Vertriebene einen Teil des Landes, doch der Besitz dieser Neubauern wird nach wenigen Jahren - oft unter Zwang - zu genossenschaftlichem Eigentum. Im Zuge der Industriereform 1946 gehen die Betriebe "von Kriegs- und Naziverbrechern" in Staatseigentum über. Doch auch Industrielle, die keine Kriegsverbrechen begangen haben, sind betroffen. Die Unternehmen werden zu "Volkseigenen Betrieben" (VEB) umgewandelt. Ab 1948 führt die SED die Zentralplanwirtschaft ein und gründet zur Erhöhung der Produktivität in Industrie und Landwirtschaft die Aktivistenbewegung nach sowjetischem Vorbild. Der Einfluss der Sowjetunion bestimmt auch maßgeblich die Kultur- und Minderheitenpolitik in der SBZ. Gestützt auf die sowjetische Besatzungsmacht erklärt die SED den "Antifaschismus" zur Leitidee und setzt ihn gleichzeitig zur eigenen Legitimierung ein.

 

 

 

 

 

Teilung Deutschlands

Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs können sich auf keine gemeinsame Politik verständigen. Die Zonen beginnen sich auseinander zu entwickeln, zwischen Ost und West verhärten sich die Fronten zunehmend. Deutschland zerfällt in zwei Wirtschaftsräume und zwei unterschiedliche politische Systeme. Die SED propagiert zwar die deutsche Einheit, verweigert jedoch eine gesamtdeutsche Politik. Auf Befehl ihrer Besatzungsmacht lehnt sie die angebotene westliche Marshall-Plan-Hilfe ab. Die Westmächte schließen ihre Zonen politisch und administrativ zusammen und vereinigen sie zu einem Wirtschaftsgebiet. Die Einführung zweier unterschiedlicher Währungen - am 20. Juni 1948 in den Westzonen und wenige Tage später in der SBZ - vertieft die wirtschaftliche Teilung Deutschlands. 1948 spitzt sich der Kalte Krieg weiter zu. Die Sowjetunion will ihren Einfluss in Gesamtdeutschland behalten und ausdehnen. Sie blockiert West-Berlin, um die anderen Besatzungsmächte zu zwingen, auf eine Staatsgründung im Westen zu verzichten oder zumindest die westlichen Sektoren Berlins preiszugeben. Die Westmächte sind jedoch nicht bereit, den geforderten Preis für die Aufhebung der Blockade zu bezahlen. Über zwei Millionen West-Berliner sind vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 von der Außenwelt abgeschnitten. Durch die Luftbrücke, die sie an den Westen bindet und mit dem Nötigsten versorgt, intensivieren sich die Beziehungen zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern. Aus den westlichen Siegermächten werden Schutzmächte. Die Luftbrücke fördert den antikommunistischen Konsens in Westdeutschland, Westeuropa und in den USA. Während die Rosinenbomber über Berlin fliegen, bereiten die Westmächte den Zusammenschluss der Westzonen zu einem Staat vor: Am 23. Mai 1949 wird die Bundesrepublik Deutschland gegründet, am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik.

 

Lageplan: 1. Ausstellungseinheit
Die handgestickte Parteifahne: Frühes Zeugnis der aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD 1946 hervorgegangenen SED.
"Lebenswege": Mit einer Codekarte können sich Besucher einen Zeitzeugen zuordnen, der sie an seinen persönlichen Erfahrungen teilhaben lässt.
Die Universal-Werkzeugfräsmaschine "Deckel FP 1" aus einem Werk der optischen Industrie lassen sowjetische Soldaten 1945 demontieren.
Luftbrücke für West-Berlin: Täglich transportieren bis zu 900 Flugzeuge rund 13.000 Tonnen lebenswichtiger Güter in die blockierte Stadt.
Bruchstück der Motorgondel einer während der Luftbrücke eingesetzten britischen Maschine vom Typ Avro-York
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Alle Fotos: © Punctum/Bertram Kober