07 - Kultur- und Jugendpolitik der SED
Zwischen Verbot und Aufbruch
Von den Künstlern in der DDR fordert die SED absolute Linientreue. Nach dem Mauerbau scheint sich das kulturelle Leben jedoch für eine kurze Zeit freier entfalten zu können. Die innere Konsolidierung der DDR erlaubt nach Meinung von Künstlern und einigen Kulturpolitikern eine offenere Auseinandersetzung mit Mängeln der eigenen Gesellschaft. Schriftsteller greifen Alltagsthemen auf und üben verhaltene Kritik am Zustand der DDR. Das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED zerstört 1965 endgültig die Hoffnungen der Kulturszene auf Reformen. Autoren wie Peter Hacks, Manfred Bieler, Stefan Heym und Heiner Müller werden gemaßregelt. Die Partei kann jedoch nicht auf Dauer die Entwicklung der Kunst mit Restriktionen unterbinden. Zwar zensiert und verbietet sie noch in den sechziger Jahren systemkritische Spielfilme und Bücher, doch drängen kritische Künstler immer wieder in die Öffentlichkeit und finden Resonanz beim Publikum. Die Kulturpolitiker sehen sich gezwungen, ihre harte Linie abzumildern und »Weite und Vielfalt« im Nachhinein zu gestatten.Besonders in der jüngeren Generation lassen sich in den achtziger Jahren einige Künstler immer weniger disziplinieren. Die kulturelle Szene der DDR wird vielfältiger: Kritische Texte werden jetzt auch ohne Genehmigung gedruckt, nicht gestattete Lesungen und Ausstellungen veranstaltet. Die autonome Kunstszene bezieht in aller Regel ihre Aktionen auf sich selbst, zur politischen Opposition gibt es kaum Kontakte.

Jugendkultur
Ein wichtiges Ziel der SED und ihres Jugendverbandes FDJ ist es, die Jugend für sich zu vereinnahmen. Doch viele Jugendliche gehen zunehmend eigene Wege und suchen ihre Leitbilder eher im Westen.
Der Kurs der SED schwankt zwischen Repression und Integration: Sie genehmigt 1964 die Gründung einer Sendestation für Unterhaltungsmusik auch in englischer Sprache: den Jugendsender »DT '64«. Zahlreiche Beatgruppen entstehen, die sich an westlichen Vorbildern wie den Beatles und den Rolling Stones orientieren. Doch 1965 ist das "Tauwetter" wieder vorbei.
Im Zuge von Maßregelungen in der Kulturszene schließen sich vereinzelt auch Beat-Musiker der »Singebewegung« der FDJ an, die bei den Jugendlichen allerdings wenig Anklang findet. Immer wieder verbietet die SED Beatgruppen, besonders in Leipzig kommt es zu heftigen Protesten gegen solche Zwangsmaßnahmen. Die staatliche Propaganda inszeniert Kampagnen gegen Jeans und lange Haare.
Als Reaktion auf die staatlichen Maßnahmen entwickelt sich Ende der siebziger Jahre eine alternative Liedermacherszene. Sie sucht Spielstätten und Freiräume und findet sie in Kirchen, Theatern und Jugendclubs. Auch andere Versuche alternativer Lebensweisen gewinnen an Einfluss.




