04 - Mauerbau
Nervenkrieg
West-Berlin ist der "Stachel im Fleische" der DDR. Die Sowjetunion will die Stadt vom Westen trennen. Im November 1958 fordert Parteichef Nikita Chruschtschow, West-Berlin müsse eine »freie Stadt« werden und droht mit der Kündigung des Vier-Mächte-Status sowie dem Abschluss eines Friedensvertrages mit der DDR. Dieses Berlin-Ultimatum Chruschtschows ist auf sechs Monate befristet. Die Westmächte befürchten, dass der Status einer freien Stadt für West-Berlin die Lebensfähigkeit und Sicherheit der Stadt gefährdet, und werten das Berlin-Ultimatum als Versuch, die völkerrechtliche Anerkennung der DDR zu erzwingen und West-Berlin als Symbol einer freiheitlichen und wirtschaftlich erfolgreichen Gesellschaftsordnung fallen zu lassen. Sie lehnen die weit reichenden Forderungen der UdSSR strikt ab. Doch viele Menschen sind besorgt: Wird die Krise außer Kontrolle geraten?
Die Berliner leben in ständiger Sorge um ihre Zukunft und verfolgen in Zeitungen und im Rundfunk gespannt die Ereignisse. Die vier Mächte finden zu keiner Einigung. Die Berliner S-Bahn, die den östlichen und westlichen Teil Berlins noch immer verbindet, wird zum Symbol der Teilung. 1961 beantwortet Präsident John F. Kennedy neue Drohungen der Sowjetunion mit verstärkten Verteidigungsanstrengungen der USA und einem Garantieversprechen für West-Berlin. Die Krise spitzt sich zu. Allein im Juli und August 1961 fliehen mehr als 77.000 Menschen aus Ost-Berlin und der DDR in den Westen.

Mauerbau
Am 13. August 1961 beginnt der Bau der Berliner Mauer. Um Mitternacht reißen Soldaten auf Befehl Ulbrichts und Honeckers die Straßen auf, zerschneiden das Gleisnetz von S- und U-Bahn und ziehen Stacheldraht quer durch Berlin. An der Sektorengrenze entsteht eine Mauer. Familien werden getrennt, Verbindungen zerrissen, nur wenigen gelingt noch die Flucht. An der Mauer schießen Soldaten auf Fliehende. Viele Menschen fürchten einen Dritten Weltkrieg.Die Weltöffentlichkeit ist schockiert, doch die Westmächte reagieren verhalten. In Ost-Berlin und der DDR überwiegt stille Wut. Die SED feiert die Mauer als »antifaschistischen Schutzwall«. Ihre Propaganda spricht vom Willen des Volkes, obwohl nur wenige den Maßnahmen wirklich zustimmen. Das Regime verfolgt Oppositionelle. Die Justiz verhängt Terrorurteile mit harten Strafen für Personen, die auf der Flucht gefasst werden. Am 30. Januar 1962 und am 24. Mai 1962 werden Erlasse über die »weitere Entwicklung der Rechtspflege« bekanntgegeben: Das Strafmaß ist abhängig von der Einstellung des Täters zur »Arbeiter-und-Bauern-Macht«. Auch außerhalb Berlins baut die SED die deutsch-deutsche Grenze weiter aus und wieder müssen Tausende willkürlich eingerichtete Sperrzonen verlassen. Mitten durch Deutschland verläuft eine Todeslinie.





