Konzept
Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig widmet sich besonders der Geschichte des widerständigen Verhaltens, des Repressionsapparates der SED und der friedlichen Revolution von 1989/90 sowie der Wiedervereinigung der deutschen Teilstaaten. Zentraler Aspekt ist die Würdigung der Zivilcourage unter den Bedingungen der Diktatur.
Leipzig ist als zentraler Ort deutscher Freiheitsgeschichte als Standtort eines zeitgeschichtlichen Museums besonders geeignet. Entscheidend für die Entscheidung, das Zeitgeschichtliche Forum in dieser Stadt zu errichten war jedoch, dass hier am 9. Oktober 70000 Menschen mit einer friedlichen Demonstration das kommunistische Herrschaftssystem in seinen Grundfesten erschütterten. Es war der „Tag der Entscheidung“ in der friedlichen Revolution.
Die Leipziger Dauerausstellung richtet sich gegen alle Tendenzen zur Verharmlosung und Rechtfertigung der SED-Diktatur, gegen Legenden- und Mythenbildung. Das kommunistische Herrschaftssystem wird zwischen Verführung und Gewalt, zwischen Zustimmung und Unterdrückung, zwischen partieller Identifikation und totaler Herrschaft gezeigt. Verdeutlicht wird, dass die SED ihre Macht nicht nur durch offene und verdeckte Verfolgung ihrer Kritiker und Gegner, sondern auch mit Mitteln ideologischer Indoktrination und politischer Neutralisierung großer Bevölkerungsteile sicherte. Die Zahl der Oppositionellen und Kämpfer gegen die Diktatur war gering. Weitaus umfangreicher war der Kreis jener, die durch Flucht und Übersiedlung in den Westen verdeutlichten, dass sie das Leben in der DDR nicht ertrugen.
Die Ausstellung zeigt Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft in enger Beziehung zum Alltag der Mehrheit, zu den deutschen-deutschen Beziehungen und im internationalen Kontext. Sie orientiert sich an thematischen Schwerpunkten, die zu einem chronologischen Rundgang durch die Geschichte strukturiert werden. Dazu gehören die deutsche Teilung, die Gründung von zwei Teilstaaten, der Volksaufstand in der DDR 1953, der Bau der Berliner Mauer 1961, die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 und die Ausbürgerung des oppositionellen Liedermachers Wolf Biermann 1976. Andere Schwerpunkte zeigen die Auswirkungen des Kalten Krieges, Alltag und Militarisierung in der SED-Diktatur und schließlich 1989/90 die Revolution mit Mauerfall und deutscher Einheit. Die Ausstellung schließt mit der Darstellung von Erfolgen und Schwierigkeiten des Vereinigungsprozesses zwischen beiden deutschen Teilstaaten in den letzten zwanzig Jahren.



