Europäisches in Europa entdecken

Soeben komme ich aus Frankreich zurück und hatte während der Zugfahrt etwas Zeit zum "Surfen". Dabei traf ich auch auf Ihre "virtuellen Brücken". Ein interessanter Denkanstoß, wie ich finde, auf den ich gerne reagiere:
Die zur Selbstverständlichkeit gewordenen Symbole Europas sind zahlreich und bisweilen schon am Begriff zu erkennen. Gerade meine Ankunft in Deutschland zeigte dies kürzlich wieder ganz deutlich. So erfreut sich der Flughafen Frankfurt/Main des Rufes, "Drehkreuz Europas" zu sein und wird von Fluggästen aus aller Herren Länder als Ausgangspunkt für Reisen in die Ferne genutzt. Hier treffen sich Franzosen, Dänen, Polen, Österreicher, Italiener, Deutsche in einer Alltäglichkeit, die keiner "Zusammengehörigkeitsbeteuerung" mehr bedarf. Wahrlich ein europäisches Symbol!
Im besten Sinne europäisch grenzüberschreitend sind auch die vielfältigen Kooperationen, die ja eben nicht nur auf staatlicher Ebene stattfinden. So sehe ich, wenn ich mir - um ein einfaches Beispiel zu nennen - die "Winnetou"-Filme der 1960er Jahre anschaue, wahrhaft "europäische" Produktionen: die Abenteuer, die in den Büchern eines deutscher Autors in Amerika spielen, finden auf der Leinwand in Jugoslawien statt - mit einem Staraufgebot aus ganz Europa: der Franzose Pierre Brice, Terence Hill (damals noch unter seinem italienischen Namen Mario Girotti), der Deutsche Götz George und viele andere mehr, die gesamteuropäisch die Phantasie beflügeln. Überhaupt ist der kulturelle Bereich Europas reich an "eurovisionärer" Zusammenarbeit - auch jenseits von "Schlager-Grand Prix", 3Sat und ARTE.
Darüber hinaus sind in meinen Augen mittlerweile viele "nationale" Künstler gleichsam europäisiert worden. Cervantes, Shakespeare und Goethe sind feste Größen in Bücherregalen in ganz Europa. Bizet, Verdi und Beethoven, dem wir mit der "Ode an die Freude" aus der 9. Symphonie auch die Europahymne verdanken, füllen von Lissabon bis Petersburg Opernhäuser und Konzertsäle. Beim Thema Musik erinnere ich mich zudem an eine Erfahrung aus meiner Jugendzeit: Frère Roger und seine Brüder aus einem französischen Kloster bei Taizé laden bereits seit vielen Jahrzehnten dazu ein, für einige Zeit auf Campingplätzen oder in Blockhütten bei ihnen zu leben, zu singen, zu beten und zu arbeiten. Taizé ist dadurch zu einer besonderen Begegnungsstätte für Jung und Alt aus ganz Europa geworden.

Kurzum: Europa begegnet mir eigentlich überall - man muss nur die Augen öffnen! Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne noch viel Erfolg für Ihr Projekt,

beste Grüße,

Guido Möller

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