Jeder Stern symbolisiert einen Mitgliedsstaat der Europäischen Union.

Tatsächlich wurde die Fahne jedoch schon 1955 für den Europarat geschaffen, der damals 15 Mitglieder zählte: Goldene Sterne sollten einen die Vereinigung Europas symbolisierenden Kreis bilden.

Unter den Mitgliedern bestand allerdings große Uneinigkeit über die Anzahl der Sterne. Die Lösung nach amerikanischem Vorbild, 15 Sterne für 15 Mitglieder zu wählen, wurde von der Bundesrepublik Deutschland abgelehnt, weil zu diesem Zeitpunkt ein Stern das Saarland symbolisiert hätte, ein Territorium, das nicht als selbstständige politische Einheit angesehen werden sollte und in der Tat 1957 in die Bundesrepublik eingegliedert wurde.

Die Zahl 14 lehnte Frankreich ab, um das Saarland nicht symbolisch auszuklammern. Die "Unglückszahl" 13 kam nicht in Frage. Die Zahl 10 hätte zwar die zehn Gründungsstaaten des Europarates symbolisiert, doch die danach hinzugekommenen neuen Mitglieder ausgeschlossen.

Schließlich löste man sich von dem amerikanischen Flaggenstil als Vorbild und wählte die Zahl 12 als Symbol der Vollkommenheit, die mit der Zahl der Apostel ebenso in Verbindung gebracht werden konnte wie mit den Monaten des Jahres.

Im April 1986 übernahm die Europäische Gemeinschaft diesen wahrhaft europäischen Kompromiss des Europarates von 1955.

(Quelle: Hermann Schäfer: Sterne und Staaten, in: Koch, Thilo (Hg.), Europa und ich. Persönliche Eindrücke und Erlebnisse, Bonn 1993)

Dieses kleine Beispiel macht deutlich, wie es um unsere Kenntnisse zur Geschichte Europas bestellt ist. Wir möchten Sie deshalb zu einer Entdeckungsreise in die europäische Vergangenheit einladen.

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