Ein Lied an allen Fronten
Deutsches Afrika-Korps und britische 8. Armee
stehen sich 1941 bis 1943 in Nordafrika gegenüber.
Hier überspringt das Lied erstmals die Fronten.
Zeitzeugen erinnern sich in verklärender Rückschau:
Wenn der Sender Belgrad Lili Marleen spielte,
herrschte angeblich oft Waffenruhe in Nordafrika.
Der Mythos Lili Marleen vermischt sich
mit der Illusion vom fairen Krieg
der Feldherren Rommel und Montgomery.
Den Alliierten bereitet Lili Marleen Probleme.
Ihre Soldaten singen mit wachsender Begeisterung
das Lieblingslied des Kriegsgegners.
Gelegentliche Verbote haben wenig Erfolg.
1944 erscheinen in Großbritannien und den USA
erste lizensierte englischsprachige Versionen.
| "Es war an der Tobrukfront, Anfang Mai 1941.
Die Fronten lagen sich sehr dicht gegenüber. [...] Abends konnte man dann aus der Stellung mal langsam raus, um sich zu strecken, [...] Und dann trat unser Wehrmachtsempfänger, das Verbindungsstück zur Heimat, in Aktion. Und Höhepunkt war gegen Abend um 22 Uhr die Sendung vom Sender Belgrad. [...] Lale Andersen begleitet von einem Orchester der Luftwaffe: ,Vor der Kaserne, vor dem großen Tor...' Und wenn wir dann abends in der Runde saßen, lautlos alle lauschend, dann ertönte plötzlich auf der anderen Seite, etwa 80 Meter entfernt, irgendwie ein Geräusch und eine Stimme war zu hören: ,comrades, louder please!' Es waren die Engländer und dieses Lied hatte sich längst auch bei ihnen durchgesetzt. Auf diese Weise hatten wir Abend für Abend eine echte Kampfpause, denn in dieser Zeit fiel kein Schuß und auch gleich danach blieb es noch ruhig."
Werner Hoffmeister, ehemals Deutsches Afrikakorps, 1981.
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