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    "Dig, Dag, Digedag. DDR-Comic 'Mosaik'"

    Neue Wechselausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig

    Kinder und Jugendliche in der DDR wollten es nicht glauben: Im Juni-Heft 1975 der Zeitschrift „Mosaik“ ritten die kleinen Comic-Helden Dig, Dag und Digedag auf ihren Kamelen in eine Fata Morgana und kehrten nie zurück. Niemand wusste, warum sie verschwanden und durch drei neue Figuren, die „Abrafaxe“, ersetzt wurden. Erst nach dem Ende der SED-Diktatur kam die wahre Geschichte des Comics ans Licht.
    Die neue Ausstellung widmet sich den in der DDR legendär gewordenen Bildgeschichten, aber auch der Entstehung des „Mosaik“, den politischen Rahmenbedingungen und dem „Nachruhm“ bei den Fans. Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt rund 250 bisher unveröffentlichte Originalzeichnungen, Entwürfe, Vorlagen und Modelle aus dem Archiv, das der Erfinder der „Digedags“ Johannes Hegenbarth 2009 der Stiftung Haus der Geschichte übergab. Audiovisuelle Medien laden zu vertiefender Information ein, interaktive Elemente bieten unterhaltsame Überraschungen.
    Die Ausstellung ist vom 17. Februar bis 13. Mai 2012 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Der Eintritt ist frei.

    Pressefotos

    Comics, so definierte 1962 das in Leipzig herausgegebene „Meyers Neues Lexikon“, seien „auf sadistische Gewaltverbrechen, Pornographie, Kriegshetze und Hetze gegen das sozialistische Lager orientiert“ und in der DDR verboten. Trotz derartiger Verteufelung des Genres erschien das „Mosaik von Hannes Hegen“ zwischen 1955 und 1975 in 223 Heften mit einer Auflage bis zu 660.000 Exemplaren und erlangte generationenübergreifende Popularität.

    Die Zeitschrift konnte sich im streng kontrollierten Presse- und Verlagswesen der DDR wegen ihres wirtschaftlichen Erfolgs als Ausnahme behaupten. Die Verantwortung für Inhalt und Gestaltung lag weitgehend in den Händen ihres Gründers Johannes Hegenbarth. Daher blieben die Hefte – trotz mancher Versuche politischer Einflussnahme – frei von Propaganda.

    Die abenteuerlichen Bildgeschichten faszinierten Kinder und Jugendliche, aber auch viele Erwachsene. „Dig, Dag, Digedag“ entführten ihre Leser aus der engen Welt der SED-Diktatur. Sie reisten mit Piraten in die Südsee und erlebten die Römerzeit, noch bevor in Frankreich der erste Asterix-Comic erschien. Sie eroberten den Weltraum, begegneten berühmten Erfindern und begleiteten „Ritter Runkel von Rübenstein“ auf seiner Schatzsuche von Venedig bis nach Konstantinopel. In Amerika trafen sie auf Weiße und Indianer, im Orient durchstreiften sie märchenhafte Schauplätze. Dabei vermittelten die „Digedags“ historisches, geografisches sowie naturwissenschaftlich-technisches Wissen und sorgten so für anspruchsvolle Unterhaltung im Comic-Format. Viele Ostdeutsche prägt die Lektüre des „Mosaik“ bis heute.

    Die Ausstellung macht die Faszination anschaulich, die „Mosaik“ auf seine Leser ausübte. Sie widmet sich ebenso den Hintergründen dieses außergewöhnlichen Projekts und dokumentiert die Anfänge der Zeitschrift sowie die Begleitumstände einzelner Themenreihen. Dabei werden die historischen Rahmenbedingungen und Bezüge zur gesellschaftlichen Situation in der DDR erkennbar. Neben dem Comiczeichner kommt auch der Grafiker und Karikaturist Johannes Hegenbarth in den Blick, der bis 1955 unter anderem für die Satirezeitschrift „Frischer Wind“, später „Eulenspiegel“, zeichnete. Nicht zuletzt würdigt die Ausstellung den Beitrag seiner Mitarbeiter zum Gesamterfolg und gibt Einblicke in den Produktionsprozess. Ein gesonderter Ausstellungsbereich beleuchtet die Rolle der Fans für das Entstehen des Mythos „Mosaik“.

    Pressevorbesichtigung: 16.2.2012, 10.00 Uhr
    Pressekonferenz: 16.2.2012, 11.00 Uhr
    Eröffnung: 16.2.2012, 19.00 Uhr, mit Gunther Emmerlich

    Ausstellung (17.2.2012–13.5.2012)
    „Dig, Dag, Digedag. DDR-Comic ‚Mosaik’“
    Öffnungszeiten: Di–Fr, 9–18 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr, Eintritt frei


    Wechselausstellung 2006-11-30

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    Fax: (03 41) 22 20-500