Pressemitteilung: Zeitgeschichtliches Forum Leipzig präsentiert
"Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933"
Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig
Der erzwungene Exodus der deutschen Juden nach 1933 ist das Thema einer großen Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Die von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und dem Jüdischen Museum Berlin gemeinsam erarbeitete Präsentation, die mit großem Erfolg bereits in Berlin und Bonn gezeigt wurde, bietet erstmals eine Gesamtschau zur Emigration von rund 280.000 deutschen Juden in über neunzig Länder.
Mit über 1.000 Exponaten erzählt „Heimat und Exil” von Verfolgung, bürokratischen Hürden und systematischer Ausplünderung durch die Nationalsozialisten, von Fluchtvorbereitung, Reisewegen in eine ungewisse Zukunft und vom Neuanfang in einer fremden Welt. Anhand einzelner Schicksale zeichnet die Ausstellung die ersten Jahre in den Aufnahmeländern nach. Sie berichtet von den Schwierigkeiten, sich eine neue materielle Grundlage zu schaffen und sich an eine fremde Umgebung zu gewöhnen. Ungewohnte klimatische Bedingungen sowie kulturelle Eigenarten erschweren vor allem den Älteren die Anpassung. Mit reichem biografischem Material und vielen Film- und Hörstationen stellt „Heimat und Exil” die Frage nach der emotionalen und der geografischen Heimat, zwischen Alltag, Anpassung und Integration.
Die Ausstellung ist vom 14. Dezember 2007 bis 30. März 2008 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Die antisemitische Vertreibungspolitik der Nationalsozialisten und der bürokratische Hürdenlauf, mit dem jede Emigration begann, stehen am Beginn der Ausstellung. Dann richtet sich der Blick auf die ersten Flucht- und Transitländer wie Frankreich, die Niederlande und die Tschechoslowakei.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Länder, in denen die meisten deutschen Juden Zuflucht fanden: Großbritannien, die USA, Palästina und einige lateinamerikanische Staaten. Auch die chinesische Metropole Shanghai findet Beachtung. Sie wird nach 1938 zur letzten Zuflucht für jüdische Emigranten aus Deutschland, da noch bis 1941 eine Einreise ohne Visum möglich ist. Zwiespältige Gefühle begleiten die Flüchtlinge: Erleichterung über das Entkommen, aber auch Trauer über den Verlust der Heimat und Angst vor einer ungewissen Zukunft. Der Weg ins Exil führt oftmals über mehrere Stationen.
Der Ansatzpunkt der Ausstellung ist biografisch. Die Lebenswege bekannter wie unbekannter Flüchtlinge, die sich ihr Zielland oft nicht aussuchen können, stehen im Blickpunkt des Interesses: Ein Beispiel ist Michael W. Blumenthal, der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, der mit seinen Eltern nach Shanghai flieht und später zum US-Finanzminister aufsteigt. Kurt Roberg aus Celle, der 1938 über Rotterdam in die USA gelangt, tritt wie viele junge Flüchtlinge in die amerikanische Armee ein, um gegen Hitler-Deutschland zu kämpfen. Nach dem Krieg beteiligt er sich am Foto-Unternehmen eines Bekannten aus Celle und wird Generalmanager. Andreas Meyer flieht mit seiner Familie 1937 nach Israel. In Nahariya eröffnet er mit seinem Bruder eine Schlosserei und einen Fahrradverleih.
Leitmotiv der gesamten Ausstellung ist die Frage nach der „Heimat”, die jeder Betroffene für sich anders beantwortet. Sie stellt sich in besonderer Weise der vergleichsweise kleinen Zahl jüdischer Emigranten, die nach 1945 nach Deutschland zurückkehren. Ihnen widmet die Ausstellung einen eigenen Teil. Deutschland ist für die Rückkehrer nicht mehr „Heimat”, sondern das „Land der Täter”. „Die Rückkehr aus der Dominikanischen Republik hat mich mehr Mut gekostet, als der Entschluss Deutschland zu verlassen”, beschreibt die Schriftstellerin Hilde Domin diese Ambivalenz.
Pressevorbesichtigung: 13.12.2007, 10 Uhr
Pressegespräch: 13.12.2007, 11 Uhr
Eröffnung: 13.12.2007, 19.30 Uhr
Begleitpublikation: 24,90 Euro im Museumsshop
Begleitprogramm
Ausstellung
„Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933”
(14.12.2007 – 30.3.2008)
Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag 9–18 Uhr
Samstag/Sonntag 10–18 Uhr
Eintritt frei
Informationen unter Tel. (0341) 2220-121 bzw. kosthorst@hdg.de
Medienanfragen richten Sie bitte an:
Dr. Daniel Kosthorst
Tel.: (03 41) 22 20-121
Fax: (03 41) 22 20-500