„Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland“
    Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

    Eröffnung mit Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder

    „Was darf die Satire? Alles.“ Dieses Zitat Kurt Tucholskys von 1919 hat bis heute Brisanz. Auch wenn Satire als Kunstform politischer Kritik keine große Rolle mehr spielt: Der Blick auf die Freiräume des Humors vermittelt tiefe Einsichten in die Gesellschaft, in der er sich entfaltet. Gerade politischer Humor ist ein Gradmesser der Freiheit. Er veranschaulicht den Gegensatz von Demokratie und Diktatur und spiegelt den gesellschaftlichen Wertewandel.
    Die neue Ausstellung zeigt mit über 800 Exponaten, interaktiven Installationen, Film- und Tondokumenten die Entwicklung im geteilten sowie geeinten Deutschland und widmet sich gegenwärtigen Tendenzen des Humors. Sie präsentiert Zeitgeschichte auf unterhaltsame, oft auch überraschende Weise und stellt die stets aktuelle Frage: Wo hört der Spaß auf?
    „Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland“ ist vom 22. Mai bis
    24. Oktober 2010 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen.
    Der Eintritt ist frei.
    Zur Eröffnung am Freitag, 21. Mai 2010, um 19.00 Uhr werden die Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder an ihr legendäres Gastspiel 1985 in Leipzig erinnern, das in diesem Jahr 25 Jahre zurückliegt.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Satire in Deutschland eine Renaissance. In Westdeutschland gewannen die großen Kabaretts über das Fernsehen Popularität, auch der Karneval erreichte hier ein Millionenpublikum. Seit den 68er Studentenunruhen gehörten unkonventionelle satirische Aktionen zu den Protestformen in der Bundesrepublik. Kabarett und Karikatur waren nun vermehrt Anlass öffentlichen Streits.

    In der DDR verpflichtete das SED-Regime die Satiriker auf die Unterstützung des „Sozialismus“. Doch das Volk suchte nach Ventilen für seinen Unmut. Trotz strenger Kontrollen wurden Kabarett und Karikatur zum Medium der Kritik, aber ungeschminkt trat die Wahrheit nur in politischen Witzen zutage, deren Verbreitung mit persönlichen Risiken verbunden war. Erst in der friedlichen Revolution des Herbsts 1989 konnten die Menschen ihre Meinung mit „volkseigener Satire“ öffentlich äußern.

    Nach der Wiedervereinigung zeigten sich im Humor die Unterschiede zwischen „Wessis“ und „Ossis“. Gemeinsam erlebten die Deutschen den vom Privatfernsehen geförderten „Comedy-Boom“. Tabugrenzen scheint es heute nicht mehr zu geben, doch seit den gewaltsamen Reaktionen auf die „Mohammed-Karikaturen“ im Jahr 2006 ist unsere Gesellschaft mit neuen Beschränkungen konfrontiert.

    Die Ausstellung zeigt zahlreiche Objekte namhafter west- und ostdeutscher Kabarettisten, so die berühmte Pauke von Wolfgang Neuss und das Kostüm des in der DDR beliebten „Kuddeldaddeldu“ alias Heinz Draehn. Die Besucher können auf Originalstühlen der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ und der Berliner „Distel“ Filmausschnitte historischer Kabarettprogramme verfolgen, verbotene Karikaturen oder politische Witze gegen das SED-Regime kennen lernen. Immer wieder laden interaktive Installationen zum Mitmachen und Schmunzeln ein. Medien und Dokumente illustrieren Anlässe und Hintergründe des Streits um satirische Fernsehsendungen wie „Notizen aus der Provinz“ oder „Scheibenwischer“ in der Bundesrepublik. Die goldene Bütt aus „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ sowie der große „Lügensack“ aus dem thüringischen Wasungen stehen für den Karneval, Transparente der Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 zeigen Satire als Mittel des Protests. Ein eigener Raum widmet sich der „Spaßgesellschaft“. Hier sind durch das Studiomobiliar der ersten „Harald-Schmidt-Show“ sowie Leihgaben der Comedians Mario Barth und Michael Mittermeier die wichtigsten Akteure vertreten.

    Das reich illustrierte Begleitbuch enthält Beiträge namhafter Experten und Zeitzeugen, darunter Dieter Hildebrandt, Peter Ensikat, Jürgen Becker und Michael Mittermeier. Es ist für 19,90 Euro im Museumsshop erhältlich.

    Pressevorbesichtigung: 21.5.2010, 10.00 Uhr
    Pressegespräch: 21.5.2010, 11.00 Uhr, mit W. Schneyder
    Eröffnung: 21.5.2010, 19.00 Uhr, mit D. Hildebrandt und W. Schneyder

    Ausstellung
    „Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland“ (22.5. – 24.10.2010)

    Öffnungszeiten
    Dienstag – Freitag  9–18 Uhr
    Samstag/Sonntag 10–18 Uhr
    Eintritt frei


    Medienanfragen richten Sie bitte an:

    Dr. Daniel Kosthorst
    Tel.: (03 41) 22 20-121
    Fax: (03 41) 22 20-500