Annemarie Renger 1919 - 2008

  • 1919

    7. Oktober: Annemarie Wildung wird in Leipzig als fünftes Kind in einer Familie mit sozialdemokratischer Tradition geboren.

    Ihr Vater ist zeitweise Stadtrat in Leipzig und Chefredakteur der "Arbeiter-Turnzeitung".

  • 1924

    Umzug der Familie nach Berlin.

    Der Vater übernimmt die Geschäftsführung der Zentralkommission für Arbeitersport- und Körperpflege.

  • 1933-1938

    Renger muss das staatliche Augusta-Lyzeum verlassen, da ihr aufgrund der politischen Einstellung der Eltern das Schulstipendium gestrichen wird.

    Sie absolviert eine Verlagskaufmannslehre, die sie mit der Kaufmannsgehilfenprüfung abschließt.

    Anschließend arbeitet sie als Angestellte in verschiedenen Funktionen.

  • 1938-1944

    Ehe mit dem Werbeleiter Emil Renger, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich fällt.

    Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.

  • ab 1945

    Beginn der Tätigkeit im Büro des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Kurt Schumacher, in Hannover.

    Schumacher betreibt von dort aus den Neuaufbau der SPD. Renger wird seine Sekretärin, Reisebegleiterin, Krankenschwester und bald auch engste Vertraute.

    Bis zu Schumachers Tod 1952 führt sie zusätzlich seinen Haushalt.

  • 1953-1990

    Mitglied im Deutschen Bundestag.

    Im Bundestag gehört sie unter anderem dem Innenausschuss, dem Entwicklungshilfeausschuss, dem Auswärtigen Ausschuss, dem Sonderausschuss für die Strafrechtsreform und dem Gemeinsamen Ausschuss an.

  • 1959-1966

    Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union.

  • 1961-1973

    Mitglied des Parteivorstandes der SPD.

  • 1966-1973

    Ehe mit dem Diplom-Volkswirt Aleksander Loncarevic, der 1973 stirbt.

    Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses der SPD.

  • 1969-1972

    Renger ist parlamentarische Geschäftsführerin der SPD.

    Sie ist zuständig für Finanzen, Personal, Ausschussbesetzung und die Präsenz in der Fraktion.

  • 1970-1973

    Mitglied des Präsidiums der SPD.

  • 1972-1976

    13. Dezember: Nach der Bundestagswahl 1972 wird Renger als erste Frau und als erste Sozialdemokratin zur Bundestagspräsidentin gewählt.

    Sie setzt sich für die Umsetzung von Parlamentsreformen ein und bemüht sich um Kontakte zum polnischen und israelischen Parlament.

  • 1973

    Renger leitet die erste Reise einer Parlamentarierdelegation in die Sowjetunion. Außer ihr nehmen Richard von Weizsäcker (CDU), Herbert Wehner (SPD), Wolfgang Mischnik (FDP) und Richard Stücklen (CSU) an dem Besuch teil.

  • 1974

    Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.

  • 1976-1990

    Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe.

  • 1976-1990

    Nach der Wahl von Karl Carstens zum neuen Bundestagspräsidenten bleibt Renger Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

  • 1979

    Renger kandidiert für das Amt der Bundespräsidentin. Gewählt wird der Kandidat der CDU/CSU Fraktion, Karl Carstens.

  • 1981

    Renger unterstützt mit einer umstrittenen Unterschriftenaktion die "Thesen zur Identität der Sozialdemokratie" des SPD-Politologen Richard Löwenthal (1908-1991). Darin wird entgegen des Integrationskurses von Willy Brandt eine strikte Abgrenzung der Partei von "Randgruppen" gefordert.

  • 1982

    Renger fordert die SPD dazu auf, zurück zu den Tugenden der traditionellen Sozialdemokratie zu kehren.

  • seit 1985

    Vorsitzende der Kurt-Schumacher-Gesellschaft und Präsidentin des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

  • 1988

    Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität in Beersheva/Israel.

  • 1990

    Dezember: Bei den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen kandidiert Renger nicht mehr.

    Sie wird Präsidentin des Deutschen Rats der Europäischen Bewegung.

  • 1991

    Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um den christlich-jüdischen Dialog.

  • 1991-1995

    November: Renger ist Präsidentin der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments.

  • 1993

    Veröffentlichung ihrer Erinnerungen unter dem Titel "Ein politisches Leben".

  • 2008

    3. März: Annemarie Renger stirbt nach langer schwerer Krankheit in ihrem Haus in Oberwinter bei Bonn.

    Mit einem Staatsakt am 13. März wird die frühere Bundestagspräsidentin im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin geehrt.

 

(iz/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 12.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Haunhorst, Regina/Zündorf, Irmgard: Biografie Annemarie Renger, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/annemarie-renger.html
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