Gerhard Schröder geb. 1944

Gerhard Schröder ist ein deutscher Jurist und SPD-Politiker. Von 1998 bis 2005 ist er der siebte Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Schröder ist der erste Bundeskanzler, der mit einer Mehrheit von SPD und Bündnis90/Die Grünen regiert. Seine Amtszeit ist gekennzeichnet durch den Bundeswehreinsatz im Kosovo-Krieg, den Ausstieg aus der Kernenergie und die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 .

  • 1944

    7. April: Gerhard Fritz Kurt Schröder wird in Mossenberg/Lippe-Westfalen als Sohn des Hilfsarbeiters Fritz Schröder geboren. Der Vater fällt als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Die Mutter verdient das Geld für sich und ihre Kinder durch Putzen und Fabrikarbeit. Nach eigenen Aussagen ist Schröders politische Einstellung von dem Vorbild der Mutter geprägt, die er eine "geborene Sozialdemokratin" nennt.

  • 1958-1961

    Nach der Volksschule absolviert Schröder in Lemgo eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann.

  • 1962-1964

    Neben der Arbeit in einer Eisenwarenhandlung in Göttingen besucht Schröder die Abendschule, an der er 1964 die Mittlere Reife nachholt.

  • 1963

    Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Engagement bei den Jungsozialisten (Jusos).

  • 1964-1966

    Besuch des Siegerland-Kollegs in Weidenau und ab 1965 des Westfalen-Kollegs in Bielefeld, an dem er das Abitur ablegt.

  • 1966-1971

    Studium der Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen. 1971 legt er das erste juristische Staatsexamen ab.

  • 1968

    Heirat mit Eva Schubach.

  • 1969/70

    Vorsitzender der Jusos in Göttingen.

  • 1972-1976

    Referendar am Landgericht Hannover.

  • 1972

    Nach seiner Scheidung von Ehefrau Eva heiratet Schröder Anne Taschenmacher.

  • 1973

    Mitglied der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr (ÖTV).

  • 1976

    Nachdem Schröder das zweite juristische Staatsexamen abgelegt hat, wird er in Hannover zum Rechtsanwalt zugelassen.

  • 1977

    Mitglied des Vorstandes des SPD-Bezirks Hannover. In der Auseinandersetzung zwischen Reformsozialisten, Anhängern der Stamokap-Theorie (Staatsmonopolistischer Kapitalismus) und Revisionisten vertritt Schröder die politische Linie der "Anti-Revisionisten".

  • 1978-1980

    Bundesvorsitzender der Jusos. Da er die Altersgrenze überschreitet, muss Schröder 1980 die Position abgeben. Nach seiner Wahl bekennt er sich eindeutig zur SPD und entkrampft das Verhältnis zwischen den Jusos und der Mutterpartei.

  • 1978-1990

    Tätigkeit als selbstständiger Rechtsanwalt in Hannover.

  • seit 1979

    Mitglied des SPD-Parteirates.

  • 1980-1986

    Mitglied des Bundestages für die SPD.

  • 1981

    Teilnahme am USA-Austauschprogramm "Young political leaders".

  • 1983-1993

    Vorsitzender des SPD-Bezirks Hannover.

  • 1984

    Nach seiner Scheidung von Ehefrau Anne heiratet Schröder Hiltrud Hampel.

  • seit 1986

    Angehöriger des SPD-Parteivorstandes.

  • 1986-1990

    Mitglied des niedersächsischen Landtages und Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. Schröder legt sein Bundestagsmandat nieder.

  • seit 1989

    Mitglied des SPD-Präsidiums.

  • 1990-1994

    Ministerpräsident von Niedersachsen in einer Koalition aus SPD und Grünen. Die Leitmotive der neuen Regierung formuliert Schröder in seiner ersten Regierungserklärung: "Modernisierung der Wirtschaft, ökologische Vernunft, soziale Gerechtigkeit und kulturelle Vielfalt".

    Schröder setzt vor allem auf "sozialdemokratischen Pragmatismus", der immer wieder zu Konflikten mit den Grünen führt.

  • 1991

    Der Landesregierung Schröder gelingt die Einigung mit dem Stadtstaat Hamburg über die Abtretung des Amerikahafens in Cuxhaven an Niedersachsen.

    Des Weiteren wird eine Erdölraffinerie in Wilhelmshaven gegen entsprechende Umweltauflagen wieder in Betrieb genommen und mit Daimler-Benz der Bau einer PKW-Teststrecke im emsländischen Papenburg vereinbart.

    Juni: Die Einlagerung von radioaktivem Müll in Gorleben muss nach einem Bonner Ultimatum zugelassen werden.

  • 1992

    Schröder zeigt sich als Verfechter eines neuen energiepolitischen Konsens, als er nach Verhandlungen zwischen Politik und Energiewirtschaft Bundeskanzler Helmut Kohl und der Bundesregierung ausgearbeitete Angebote der Energieproduzenten RWE und VEBA vorlegt.

    Aufgrund des Bonner Asylkompromisses, den die Grünen in Hannover grundsätzlich ablehnen, und wegen seines Einsatzes für Waffenexportgeschäfte gerät Schröder als Ministerpräsident in Niedersachsen unter Druck.

  • 1993

    Es wird bekannt, dass Schröder entgegen rot-grüner Absprache und der grundsätzlichen Haltung seiner eigenen Partei einen Rüstungsauftrag Taiwans an norddeutsche Werften befürwortet hat.

    Nachdem Björn Engholm wegen seiner früheren Falschaussage vor dem Barschel- Untersuchungsausschuss als Parteichef zurücktritt, bewirbt sich Schröder um die Nachfolge.

    Juni: Die SPD-Basis entscheidet sich in einer Mitgliederbefragung für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping als neuen Parteivorsitzenden. Scharping nimmt Schröder in seine Kommission zur Erarbeitung des SPD-Regierungsprogramms auf und ernennt ihn zum Zuständigen für Energiefragen.

    Veröffentlichung der Schrift "Reifeprüfung. Reformpolitik am Ende des Jahrhunderts".

  • 1994

    Im Schattenkabinett der SPD wird Schröder das "Superministerium" für Wirtschafts-, Verkehrs- und Energiepolitik zugedacht.

    Nach der für die SPD erfolglosen Bundestagswahl stellt Schröder zusammen mit Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping die sogenannte Führungs-Troika der SPD dar.

  • 1994-1998

    Ministerpräsident von Niedersachsen in einer SPD-Alleinregierung. Aufgrund der hohen Verschuldung des Landes Niedersachsen setzt Schröder ein rigoroses Sparprogramm durch, das in der SPD-Landtagsfraktion wegen des Personalabbaus in den Schulen und bei der Polizei heftig umstritten ist.

    Schröder setzt die Übernahme des von der Schließung bedrohten DASA-Werkes Lemwerder durch die Landesregierung durch (1994).

    Niedersachsen bleibt als Stahlstandort durch die Übernahme der Mehrheitsanteile der Preussag Stahl AG durch das Land und die Norddeutsche Landesbank erhalten (1998).

    Landesvorsitzender der SPD in Niedersachsen.

  • 1995

    August: SPD-Chef Rudolf Scharping entzieht Schröder das Amt des wirtschaftspolitischen Sprechers der Partei, nachdem dieser die SPD-Spitze kritisiert und erklärt hatte, es gehe nicht mehr um sozialdemokratische, sondern um moderne Wirtschaftspolitik.

    Zuvor hatte Schröder bereits Scharping die Anwartschaft auf die Kanzlerkandidatur abgesprochen und Zweifel an dessen Führungsqualitäten geäußert.

    November: Nachdem Oskar Lafontaine zum neuen Parteivorsitzenden der SPD gewählt worden ist, setzt er Schröder erneut als wirtschaftspolitischen Sprecher der Partei ein.

  • 1997

    Mit seinen Forderungen nach einem grundlegenden Kurswechsel in der Umwelpolitik und einer "kontrollierten Verschiebung" des Euro sowie der Befürwortung einer härteren Vorgehensweise gegen ausländische Kriminelle und seinem Eintreten für einen langfristigen Übergang zur Grundrente stößt Schröder auf Kritik bei der SPD-Linken.

    Oktober: Drei Wochen nach seiner Scheidung von Ehefrau Hiltrud heiratet Schröder die Journalistin Doris Köpf.

  • 1998

    1. März: Bei den Landtagswahlen in Niedersachsen kann die SPD einen klaren Sieg erringen. Noch am Wahlabend erklärt SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering Schröder zum Kanzlerkandidaten der SPD.

    27. Oktober: Schröder wird vom Bundestag zum siebten deutschen Bundeskanzler gewählt.

    Am Nachmittag wird das neue Kabinett der rot-grünen Koalition vereidigt. Vizekanzler und Außenminister wird Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen).

    Gemeinsam mit Oskar Lafontaine Veröffentlichung der Schrift "Innovationen für Deutschland"

  • 1999

    Februar: US-Präsident Clinton und Bundeskanzler Schröder warnen Serbien vor einem Fehlschlag der Verhandlungen von Rambouillet und drohen im Falle des Scheiterns die Bereitschaft der NATO zu einem militärischen Eingreifen an.

    12. April: Schröder wird als Nachfolger des am 11. März zurückgetretenen Lafontaine zum neuen Bundesvorsitzenden der SPD gewählt.

  • 2000

    Februar: Die Sanktionen der EU-Mitgliedstaaten gegen die neue Regierung in Österreich entzünden einen Parteienstreit in Deutschland. Schröder wirft der CSU vor, durch ihre Kritik an den europäischen Maßnahmen der Bundesrepublik zu schaden. Die Sanktionen werden am 12. September wieder aufgehoben.

    Februar: Schröder schlägt vor, ausländische Hightech-Experten als Gastarbeiter nach Deutschland zu holen.

    August: Schröder reist zwei Wochen durch die fünf neuen Bundesländer. Die Gewalt Rechtsextremer wird zum Schwerpunktthema der Besuche in den verschiedenen Städten.

    Oktober: Schröder reist nach Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien, Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete.

  • 2001

    Auszeichnung mit dem Deutschen Medienpreis.

  • 2002

    August: Das Bundeskabinett beschließt die zweite Stufe der Steuerreform zurückzustellen, um dadurch die Schäden der Flutkatastrophe, die vor allem in den östlichen Bundesländern große Schäden verursacht hat, zu begleichen.

    28. August: Schröder erklärt, dass sich Deutschland unter seiner Führung nicht an einer militärischen Intervention gegen den Irak beteiligen werde.

    22. September: SPD und Bündnis 90/Die Grünen gewinnen die Wahl zum 15. Deutschen Bundestag.

    22. Oktober: Gerhard Schröder wird für eine zweite Amtszeit zum Bundeskanzler gewählt.

    30. Dezember: Ehrendoktor der Tonji-Universität in Shanghai.

  • 2003

    14. März: Die Bundesregierung verkündet die "Agenda 2010", ein Konzept zur Reformierung des deutschen Sozialsystems und des Arbeitsmarktes.

    Milliardendefizite in den öffentlichen Haushalten, innerparteiliche Auseinandersetzungen mit der Parteilinken über die Reform des Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherungssysteme sowie die dramatischen Verluste der SPD bei den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen führen Schröder in eine tiefe politische Krise.

    Einen Rücktritt schließt er jedoch aus.

    Auf Zustimmung der Bevölkerung trifft hingegen Schröders strenger Antikriegskurs in der Irakkrise. Sein "Sonderweg" an der Seite Russlands und Frankreichs führt zu einer Verschlechterung der Beziehungen zu den USA.

    Juni: Ehrendoktor der juristischen Fakultät der St. Petersburger Universität.

    September: Bei einem Treffen mit US-Präsident Bush bemüht sich Schröder um eine Normalisierung des Verhältnisses der beiden Staaten zueinander.

  • 2004

    6. Februar: Schröder gibt den Parteivorsitz an den SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering (geb.1940) ab.

    Reisen nach Mexiko, Indien, Libyen und Algerien dienen dem Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen. Bei Schröders Besuchen in Japan und China stehen vor allem die Bemühungen um einen ständigen Sitz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat im Mittelpunkt der Gespräche.

    Auf Kritik der eigenen Partei, des Koalitionspartners und der Opposition stößt angesichts von Menschenrechtsverletzungen Schröders enger Kontakt zu Russlands Präsident Putin und sein Eintreten für die Beendigung des Waffenembargos gegen China.

  • 2005

    4. April: Ehrendoktor der juristischen Fakultät der Marmara-Universität Istanbul.

    22. Mai: Nach der Niederlage der SPD in Nordrhein-Westfalen und der nun noch deutlicheren Übermacht von CDU und FDP im Bundesrat, sieht Schröder die Grundlage seiner Politik infrage gestellt und erklärt sein Ziel, Neuwahlen zu erreichen.

    14. Juni: Ehrendoktor der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen.

    1. Juli: Schröder stellt im Bundestag die Vertrauensfrage, bei der er erwartungsgemäß nicht die Mehrheit erreicht.

    18. September: Die SPD wird zweitstärkste Fraktion im Bundestag. Mit dem Hinweis, seine Partei würde von der CDU nur aufgrund der Fraktionsgemeinschaft mit der CSU übertroffen, beansprucht Schröder zunächst weiter das Amt des Bundeskanzlers. Schließlich einigen sich SPD, CDU und CSU auf Angela Merkel als Kanzlerin einer Großen Koalition.

    22. November: Schröder legt sein Bundestagsmandat nieder. Seitdem arbeitet er wieder als Rechtsanwalt in seiner eigenen Kanzlei in Berlin.

    9. Dezember: Ehrenmitglied des Deutschen Fussballbundes (DFB).

  • 2006

    Januar: Aufnahme einer Beratertätigkeit für den Schweizer Ringier-Verlag.

    Februar: Ehrenbürger von Hannover.

    März: Schröder wird Aufsichtsratvorsitzender des Pipeline-Konsortiums NEGP-Company, der künftigen Betreiberin der Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland.

 

(nc/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 07.03.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Chmura, Nadine/Haunhorst, Regina: Biografie Gerhard Schröder, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/gerhard-schroeder.html
Zuletzt besucht am 11.12.2016

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