Hans Jürgen Wischnewski 1922 - 2005

  • 1922
    24. Juli: Hans-Jürgen Wischnewski wird in Allenstein/Ostpreußen (heute: Olsztyn, Polen)als Sohn eines Zollbeamten geboren. Wischnewski beschreibt sein Elternhaus als "ausgeprägt preußisch, sehr protestantisch und antinazistisch".
  • 1927
    Übersiedlung der Familie nach Berlin.
  • 1941
    Abitur am Berliner Theodor-Körner Real-Gymnasium.
  • 1940-1945
    Wischnewski wird zur Wehrmacht eingezogen. Er dient als Oberleutnant bei den Panzergrenadieren an der Ostfront. 1945 gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Die Erfahrungen des Krieges sind die Basis seines lebenslangen Engagements für Demokratie und friedliche Konfliktlösungen.
  • 1946
    Wischnewski zieht von Berlin nach Straubing in Bayern und wird Metallarbeiter. Er tritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und die IG-Metall ein.
  • 1952
    Nach einer Ausbildung in Arbeits- und Sozialrecht betreut er im Auftrag der Gewerkschaft Betriebsräte in Köln.
  • 1953-1959
    Gewerkschaftssekretär der IG-Metall in Köln.
  • 1957
    Wischnewski wird Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er bis 1990 - meist als direkt gewählter Abgeordneter seiner Heimatstadt Köln - angehört.
  • 1957-1968
    Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes Mittelrhein. Auslandsaufenthalte führen Wischnewski in nahezu alle europäischen Länder. Er setzt sich für den algerischen Freiheitskampf ein und wird Präsident der Deutsch-Algerischen Gesellschaft sowie Mitglied des Präsidiums der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft.
  • 1959-1968
    Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (JuSos).
  • 1961-1965
    Abgeordneter des Europäischen Parlaments.
  • 1964-1966
    Wischnewski wird Präsident des Kuratoriums der Deutschen Stiftung für Entwicklungshilfe. Er bekleidet dieses Amt erneut 1970-1971.
  • 1966-1968
    Obwohl ursprünglich Gegner der Großen Koalition, wird Wischnewski im Kabinett Kurt Georg Kiesinger als Nachfolger von Walter Scheel Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
  • 1968-1972
    Bundesgeschäftsführer der SPD. In dieser Funktion mahnt er bei seiner Partei Geschlossenheit an und fordert eine deutliche Abgrenzung zum Kommunismus. Wischnewski leitet 1969 den erfolgreichen Wahlkampf seiner Partei, die schließlich den Machtwechsel in Bonn schafft.
  • 1970
    September: Wischnewski, der wegen seiner guten Kontakte zur arabischen Welt auch "Ben Wisch" genannt wird, fliegt nach Amman/Jordanien. Er setzt sich dort erfolgreich für die Freilassung der Passagiere aus drei von palästinensischen Terroristen gekidnappten Flugzeugen ein. Reisen in verschiedene arabische Staaten, um die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu erreichen.
  • 1970-1985
    Mitglied des Parteivorstandes der SPD und des Parteipräsidiums.
  • 1972
    18. Juli: Wischnewski wird einer der 18 Beisitzer der SPD-Fraktion und übernimmt im Parteivorstand den Vorsitz der Kommission für internationale Beziehungen.
  • 1974-1976
    In der sozialliberalen Regierung von Helmut Schmidt ist Wischnewski Staatsminister im Auswärtigen Amt.
  • 1976-1979
    Dezember 1976: Wischnewski wechselt als Staatsminister ins Kanzleramt und ist Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Immer wieder wird er mit diplomatischen Sondermissionen betraut.
  • 1977
    Oktober: Wischnewski wirkt in Zusammenhang mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine "Landshut" als Krisenmanager. Durch seine Verhandlungen mit der somalischen Regierung können 90 von palästinensischen Terroristen festgehaltene Geiseln auf dem Flughafen von Mogadischu von der deutschen Anti-Terror-Gruppe "GSG- 9" befreit werden. Die Presse feiert ihn als "Held von Mogadischu".
  • 1978
    Wischnewski heiratet seine zweite Frau Katharina de Kiff, eine Kölner Lederfabrikantin.
  • 1979
    Dezember: Wischnewski wird auf dem Berliner Parteitag der SPD zum Stellvertreter des Parteivorsitzenden Willy Brandt gewählt. Innerparteilich prägt er entscheidend den "Seeheimer Kreis" mit, der sich für eine pragmatische, an den finanziellen Machbarkeiten des Sozialstaats orientierte Politik einsetzt.
  • 1981
    April: Im Auftrag der Sozialistischen Internationalen sondiert er auf einer Mittelamerika-Reise Chancen für eine politische Lösung in El Salvador. Wischnewski trifft auch mit dem kubanischen Präsidenten Fidel Castro (geb.1926) zusammen. November: Wischnewski übernimmt den Vorsitz des außenpolitischen Arbeitskreises der SPD.
  • 1982
    April: Wischnewski kehrt auf Wunsch von Helmut Schmidt als Staatsminister in das Kanzleramt zurück. Oktober: Mit der Abwahl von Bundeskanzler Schmidt endet auch Wischnewskis Amtszeit als Staatsminister.
  • 1983
    März: Nach dem Wahlsieg der CDU übernimmt Wischnewski
  • 1984-1985
    den stellvertretenden Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses der SPD-Fraktion. August: Besuch mehrerer arabischer Staaten und Israels. November: Auf dem SPD-Parteitag in Köln stimmt Wischnewski gemeinsam mit Helmut Schmidt und 14 weiteren Genossen für den NATO-Doppelbeschluss und die Stationierung von US-Atomraketen in Deutschland. Der Parteivorstand ist dagegen.
  • 1986-1996
    SPD-Schatzmeister ("Ben Scheck"). Er fordert die Einstellung des verlustreichen Parteiorgans "Vorwärts" und andere Einsparungen im Parteihaushalt. Seine Bemühungen scheitern. Differenzen mit dem Vorsitzenden der Fraktion im Bundestag, Hans-Jochen Vogel, führen zu seinem Rücktritt als Schatzmeister. Wischnewski legt auch seinen Sitz in Präsidium und Vorstand der SPD nieder.
  • 1990
    Vorsitzender des Nahost-Ausschusses der Sozialistischen Internationalen. Als Krisenmanager ist Wischnewskiweit über den Nahen Osten hinaus aktiv: 1986 erreicht er in Nicaragua die Freilassung von acht durch die Contras entführten Deutschen. Außerdem vermittelt er zwischen der nicaraguanischen Regierung und den Contras einen Waffenstillstand, der den Weg zu freien Wahlen in dem mittelamerikanischen Land ebnet. 1987 setzt er sich in Teheran und Beirut für die Freilassung der deutschen Firmenrepräsentanten Rudolf Cordes und Alfred Schmidt ein. Wischnewski tritt bei der Bundesregierung für die Wiederaufnahme von Entwicklungs- und Kapitalhilfe an Nicaragua ein. In Lateinamerika wird er unter dem Namen "Comandante Hans" bekannt. 1990: Als Sonderbeauftragter der NRW-Landesregierung setzt er sich in Jugoslawien für die Rückkehr von 5000 in nordrhein-westfälischen Übergangslagern lebenden Roma in ihre Heimat ein. Wischnewski ist Verfechter des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser. Anfang der 1990er Jahre vermittelt er Kontakte zwischen der israelischen Regierung und der PLO.
  • 1996
    Bei der ersten Gesamtdeutschen Bundestagswahl kandidiert Wischnewski nicht mehr.
  • 1997
    Im Auftrag des angeschlagenen Kölner Klöckner-Humboldt-Deutz-(KHD)-Konzerns verhandelt er gemeinsam mit der Bundesregierung in Saudi Arabien für die Rettung des Konzerns.
  • 2001
    Auszeichnung mit dem höchsten palästinensischen Orden durch Palästinenserpräsident Jassir Arafat (1929-2004). Anlässlich seines 75. Geburtstages bringt die Autonomiebehörde eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus, was Wischnewski als leidenschaftlichen Briefmarkensammler besonders freut.
  • 2004
    Tod seiner zweiten Frau.
  • 2005
    Obwohl nach zwei Herzinfarkten und mehreren Hüftoperationen an den Rollstuhl gefesselt, besucht Wischnewski den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi (geb.1942) und reist zur Trauerfeier für Jassir Arafat nach Kairo.

 

(sw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 09.09.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Wirtz, Susanne: Biografie Hans-Jürgen Wischnewski, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/hans-juergen-wischnewski.html
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