Hilde Benjamin 1902 - 1989

Hilde Benjamin ist Juristin und von 1953 bis 1967 DDR-Justizministerin. 1933 wird Benjamins jüdischer Ehemann verhaftet, sie selbst erhält als KPD-Mitglied (Kommunistische Partei Deutschlands) durch die Nationalsozialisten Berufsverbot. Ihr Mann stirbt 1942 im Konzentrationslager Mauthausen. Nach dem Krieg macht Benjamin als Rechtsanwältin, Richterin und später Ministerin in der DDR Karriere. Sie ist an zahlreichen Schauprozessen mit harten Urteilen beteiligt und wird zur Symbolfigur der kommunistischen Zerschlagung einer unabhängigen Justiz in der DDR.

  • 1902

    5. Februar: Hilde Lange wird als Tochter einer gutbürgerlichen Familie in Bernburg geboren. Sie wächst in Berlin auf und besucht in Steglitz das Lyzeum.

  • 1921-1924

    Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Heidelberg und Hamburg. Abschluss mit dem Referendar-Examen 1924 und mit dem Assessor-Examen 1927. Mitglied des Sozialistischen Studentenbundes.

  • 1924/25
  • 1926

    Heirat mit dem Arzt Georg Benjamin, der Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) ist. Aus der Ehe geht 1932 ein Sohn hervor.

  • 1927

    Eintritt in die KPD.

  • 1928-1933

    Rechtsanwältin in Berlin-Wedding. Benjamin unterstützt die "Rote Hilfe". Sie verteidigt vor allem Parteifreunde vor Gericht, so die einer Beklagten im Mordfall Horst Wessel (1907-1930).

  • 1931/32

    Lehrerin in der Marxistischen Abendschule Berlin.

  • 1933

    Entziehung der Anwaltszulassung durch die nationalsozialistische Regierung. Ihr Mann, Georg Benjamin, wird als Jude und Kommunist verhaftet. Nach acht Jahren Haft kommt er 1942 im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben.

  • 1933-1939

    Juristische Beraterin der Sowjetischen Handelsgesellschaft in Berlin.

  • 1939-1945

    Während des Krieges wird Benjamin als Angestellte in der Konfektionsindustrie dienstverpflichtet.

  • 1945

    Ansiedlung im sowjetischen Sektor Berlins.

    Mai: Benjamin wird von der sowjetischen Besatzungsmacht in Berlin-Steglitz als Staatsanwältin eingesetzt.

    Oktober: Benjamin wird "Vortragender Rat in der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz".

  • 1946
  • 1947-1949

    Leiterin der Personalabteilung in der Justiz-Verwaltung. Benjamin fördert besonders die Ausbildung von Volksrichtern und -staatsanwälten. Sie unterstützt die Ablösung der teilweise nur "bürgerlich" belasteten Volljuristen aus politischen Gründen mit der Maxime: "Keiner darf Richter bleiben, der nicht Parteigänger des revolutionären Klassenkampfes ist". Viele dieser Richter gehen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

  • 1948

    Benjamin wird Mitglied des Bundesvorstandes des Demokratischen Frauenbundes Deutschland (DFD) und Leiterin der Juristinnenkommission.

  • 1949-1953

    Vizepräsidentin des Obersten Gerichts der DDR. In dieser Funktion leitet Benjamin eine Reihe von Schauprozessen gegen "Staatsfeinde" und "Wirtschaftssaboteure", unter anderem gegen die Zeugen Jehovas und die Burianek-Gruppe. Wegen ihrer harten Urteile wird sie im Volksmund neben "Rote Hilde" auch "Rote Guillotine" genannt.

  • 1949-1967

    Abgeordnete der Provisorischen Volkskammer beziehungsweise der Volkskammer der DDR.

    Als Leiterin der Gesetzgebungskommission befasst sich Benjamin maßgeblich mit der Anpassung des Gerichtsverfassungsgesetzes, des Jugendgerichtsgesetzes und der Strafprozessordnung an eine kommunistisch orientierte Rechtslehre.

    Die Gesetzesneufassungen beseitigen unter anderem die Unabsetzbarkeit der Richter sowie die Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme.

  • 1952

    Ernennung zum Ehrendoktor der Humboldt-Universität Berlin. Mitglied des juristischen Arbeitskreises der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW).

  • 1953-1967

    Justizministerin der DDR. 1963 wird die Aufsicht über die Rechtsordnung vom Justizministerium auf die Volkskammer und den Obersten Gerichtshof übertragen.

    In Benjamins Bereich bleibt die Aufsicht über die Gerichtsverwaltung und die Vorbereitung der Justizgesetze. Ihr obliegt auch die Einführung des Begriffes "Verbrechen gegen die Souveränität der DDR" als schwerste Verbrechenskategorie im neuen Strafgesetzbuch der DDR.

    1967 muss Benjamin als Stalinistin auf Wunsch von Walter Ulbricht aus "gesundheitlichen Gründen" zurücktreten.

  • 1954-1989

    Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED.

  • 1962

    Auszeichnung mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold.

    Mitglied des Zentralvorstandes der Vereinigung Demokratischer Juristen.

  • 1963

    Vorsitzende der Kommission zur Ausarbeitung des neuen Strafgesetzbuches.

  • 1965

    Verleihung der Goldmedaille für "Verdienste in der Rechtspflege".

  • 1967

    Nach ihrem Rücktritt als Justizministerin wird Benjamin Vorsitzende der Gesetzgebungskommission beim Staatsrat. Übernahme eines Lehrstuhls für Geschichte der Rechtspflege am Institut für Strafrechtspflege und Kriminalitätsbekämpfung an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften in Potsdam-Babelsberg. In dieser Funktion leitet sie ein Autorenkollektiv, das eine "Geschichte der Rechtspflege der DDR" erarbeitet. Der erste Band erscheint 1976, der zweite 1980 und der dritte 1986. Auszeichnung als "Held der Arbeit".

  • 1978

    Veröffentlichung der Biografie ihres verstorbenen Mannes unter dem Titel "Georg Benjamin".

  • 1982

    Auszeichnung mit dem Orden "Stern der Völkerfreundschaft".

  • 1989

    18. April: Hilde Benjamin stirbt in Ost-Berlin.

 

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 22.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard: Biografie Hilde Benjamin, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/hilde-benjamin.html
Zuletzt besucht am 25.08.2016

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