Horst Mahler geb. 1936

  • 1936
    23. Januar: Horst Mahler wird in Haynau/Schlesien als Sohn eines Zahnarztes geboren.
  • 1945
    Mahlers Mutter flüchtet mit ihren drei Kindern nach Naumburg. Nachdem der Vater aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen wird, zieht die Familie nach Dessau-Roßlau.
  • ab 1949
    Nach dem Freitod des Vaters, einem überzeugten Nationalsozialisten, siedelt die Familie Mahler nach West-Berlin über. In den 1950er Jahren studiert Mahler Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Er erhält ein Stipendium der "Studienstiftung des deutschen Volkes". Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), bis die Partei ihn auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ausschließt. Nach Abschluss des Studiums arbeitet Mahler kurzzeitig in einer Berliner Anwaltspraxis. Anschließend wird er selbstständiger Anwalt mit Spezialisierung auf die mittelständische Wirtschaft.
  • 1964
    Mahler tritt im Thyssen-Bank-Prozess als Verteidiger auf.
  • 1966
    Mahler schafft es, als erster deutscher Anwalt eine Beschwerde bei der Europäischen Menschenrechtskommission in Straßburg durchzubringen. Nachdem Mahler mehr und mehr Mandanten aus der linken APO-Szene verteidigt, wird sein Berliner Wirtschaftsklientel kleiner. Mitbegründer des ersten "Sozialistischen Anwaltskollektivs".
  • 1967
    Mahler vertritt unter anderem Beate Klarsfeld (geb. 1939), Peter Brandt (geb. 1948), den Sohn des damaligen Vizekanzlers und die Kommunarden Fritz Teufel (1943-2010) und Rainer Langhans (geb.1940). Mahler berät den "Zentralen Ausschuss" der APO in politischen und juristischen Belangen.
  • 1968
    12. April: Teilnahme an der spontanen Demonstration gegen den Springer-Verlag im Anschluss an das Attentat auf Rudi Dutschke. Daraufhin versucht die Staatsanwaltschaft ein Berufsverbot gegen Mahler durchzusetzen.
  • 1969
    In der Bundesrepublik erscheint die erste Langspielplatte "Chausseestraße 131" von Wolf Biermann. Das dafür verliehene Preisgeld des Fontane-Preises der Stadt West-Berlin spendet Biermann dem APO-Anwalt Mahler. Mahler verteidigt die Frankfurter Kaufhausbrandstifter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. In einem Teilurteil der Elften Zivilkammer des West-Berliner Landgerichts wird Mahler als grundsätzlich verantwortlich bezeichnet für die Schäden, die bei den Protesten 1968 vor dem Springer Haus in West-Berlin entstanden waren.
  • 1970
    März: Die Vierte Große Strafkammer des West-Berliner Landgerichts verurteilt Mahler im Zusammenhang mit den Unruhen vor dem Springer Haus zu zehn Monaten Gefängnis mit Bewährung. Juni: Der Neunte Zivilsenat verurteilt Mahler zur Zahlung eines Schadensersatzes in Höhe von rund 75.800 D-Mark an das Verlagshaus Axel Springer. Juni: Mahler flüchtet zusammen mit Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und dem am 14. Mai gewaltsam aus dem Gefängnis befreiten Andreas Baader sowie weiteren Sympathisanten der Rote-Armee-Fraktion (RAF) nach Jordanien zu den palästinensischen Guerillas. Dort wollen sie sich für den "bewaffneten Kampf" ausbilden lassen. 8. Oktober: Aufgrund eines anonymen Hinweises wird Mahler in Berlin-Charlottenburg verhaftet. Er wird beschuldigt, die gewaltsame Befreiung von Andreas Baader mitgeplant zu haben und auch selbst daran beteiligt gewesen zu sein.
  • 1971
    1. März: Otto Schily vertritt Mahler vor Gericht. Er lehnt das Schwurgericht wegen Befangenheit ab und beantragt, das Verfahren einzustellen.
  • 1972
    Mai: Mahler wird aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf der Planung und Beteiligung an der gewaltsamen Befreiung von Baader freigesprochen. Er bleibt aber wegen weiterer Delikte vorerst in Haft. Oktober: Beginn einer weiteren Hauptverhandlung gegen Mahler wegen "gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit Gründung einer kriminellen Vereinigung und Beteiligung an derselben".
  • 1973
    26. Februar: Der erste Senat des Berliner Kammergerichtes verurteilt Mahler wegen Teilnahme an schweren Raubüberfällen sowie der Gründung einer kriminellen Vereinigung, der RAF, zu zwölf Jahren Freiheitsentzug. Das Urteil ist umstritten und wird selbst von Juristen als "nicht haltbar" bezeichnet, da Mahlers Mittäterschaft an drei Banküberfällen der RAF im September 1970 nicht eindeutig bewiesen werden kann.
  • 1974
    Juli: Mahler verliert seine Zulassung als Anwalt. November: Verurteilung wegen der gewaltsamen Entführung von Baader und unter Einbeziehung der früheren Strafe zu insgesamt 14 Jahren Haft.
  • 1975
    Februar/März: Der Vorsitzende der West-Berliner CDU, Peter Lorenz (1922-1987), wird von Terroristen der "Bewegung 2.Juni" entführt. Sie wollen damit die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen erwirken. In einer Fernseherklärung lehnt Mahler die Forderungen der Entführer und eine Befreiung seiner Person ab. Während seiner Haftzeit distanziert Mahler sich von seiner terroristischen Vergangenheit.
  • 1977
    Veröffentlichung eines Aufsatzes in einem "Kursbuch". Darin begründet er seine politische Wandlung mit "einer inneren Befreiung von der dogmatischen Revolutionstheorie des Marxismus-Leninismus".
  • 1978
    Neuer Verteidiger von Mahler wird der Vorsitzende der Jungsozialisten und spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). November: Mahler erhält erstmals Hafturlaub.
  • 1979
    Juli: Mahler wird in den offenen Strafvollzug überführt.
  • 1980
    August: Vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis nach zehn Jahren Haft. Die restliche Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.
  • 1987
    Der Antrag auf Wiederzulassung als Anwalt wird vom Berliner Justizsenator und dem Berliner Ehrengerichtshof vorerst abgewiesen.
  • 1988
    Der Anwaltssenat des Bundesgerichtshofes, der sich von einer "echten Wandlung" Mahlers überzeugt hat, spricht ihm die Anwaltszulassung wieder zu. April: Wiedereröffnung seiner eigenen Kanzlei in West-Berlin, mit Schwerpunkt auf Wirtschaftsdelikten.
  • 1997
    Mahler nimmt in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" zu seiner Vergangenheit Stellung. Dabei betont er, dass die Erlebnisse 1970 in Jordanien Ausgangspunkt für seine allmähliche Ablösung von der RAF gewesen seien. Er berichtet, dass damals die RAF-Mitglieder im Palästinenserlager die Liquidierung eines Mitstreiters geplant hatten, der als labil galt.
  • 1998
    November: Veröffentlichung der "Flugschrift an die Deutschen, die es noch sein wollen, über die Lage ihres Volkes." Begründer der deutschen nationalen Bürgerbewegung "Für Unser Land". Die Bewegung ruft alle Deutschen auf, sich ihr anzuschließen, "Damit Deutschland deutsch bleibt..."
  • 1999
    10. April: In einem Interview mit der "Deutschen Stimme - Nationaldemokratische Zeitung" fordert Mahler eine "fundamentale Änderung der Fremdenpolitik, damit Deutschland den Deutschen erhalten bleibt". August: Mahler spricht auf der sogenannten 3. Frankfurter Montagsdemonstration gegen Überfremdung unter dem Motto "unsere Heimat ist unser kostbarstes Gut".
  • 2000
    27. Mai: Auftreten Mahlers als Redner beim "Tag des nationalen Widerstandes". 11. August: Mahler erscheint als Referent bei einer Veranstaltung des "Politisch-Kulturellen Arbeitskreises Niederbayern" der DPD in Straubing. 12. August: In der Presseerklärung zu seinem Eintritt in die NPD ist zu lesen, dass er das Grundgesetz für ein "Provisorium für die Übergangszeit bis zur Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches" hält.
  • 2001-2003
    Mahler übernimmt die anwaltliche Vertretung der NPD im Verbotsverfahren. Nach Einstellung des Verfahrens tritt er aus der Partei aus.
  • 2004
    Ab Februar: Anklage wegen Volksverhetzung vor dem Berliner Landgericht. Mahler hatte im Jahr 2000 mit seinem Aufruf "Aufstand der Anständigen" unter anderem ein Verbot der jüdischen Gemeinden in Deutschland und die Ausweisung aller Asylbewerber gefordert. Er wird zu einer Haftstrafe von 9 Monaten verurteilt. 8. Mai: Das Amtsgericht Tiergarten verhängt gegen Mahler ein vorläufiges Berufsverbot. Er verliert damit zum zweiten Mal seine Anwaltszulassung.
  • 2009
    25. Februar: Der Rechtsextremist und ehemalige NPD-Anwalt Horst Mahler wird vom Landgericht München II wegen Volksverhetzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Mahler bezeichnete unter anderem in einer Videoaufnahme den Holocaust als "die gewaltigste Lüge der Weltgeschichte" und bestritt, dass die systematische Judenverfolgung im "Dritten Reich" stattgefunden habe. 11. März: Wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocausts wird Mahler vom Landgericht Potsdam erneut verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er in mehreren Fällen wiederholt den Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten geleugnet hat. Mahler hatte zwischen 2001 und 2004 seinen Wohnsitz in Kleinmachnow südlich von Berlin gemeldet.

 

(nc/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 18.09.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Chmura, Nadine/Haunhorst, Regina: Biografie Horst Mahler, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/horst-mahler.html
Zuletzt besucht am 21.12.2014

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