Michail Gorbatschow geb. 1931

Michail Gorbatschow ist ein russischer Politiker. Als Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (1985 bis 1991) macht er mit seiner Politik der Transparenz (Glasnost) und der Umgestaltung (Perestroika) die deutsche Einheit und die Beendigung des Kalten Krieges möglich. Während seiner Zeit als Staatspräsident der UdSSR (März 1990 bis Dezember 1991) führen die Reformen zur Auflösung der Sowjetunion. Außerhalb Russlands ist die Wertschätzung für Gorbatschows Leistungen hoch: 1990 erhält er den Friedensnobelpreis.

  • 1931

    2. März: Michail Sergejewitsch Gorbatschow wird in Priwolnoje im Gebiet Stawropol im Nordkaukasus als Kind einer Bauernfamilie geboren.

  • 1938-1948

    Besuch der Grund- und Mittelschule, die er mit Auszeichnung abschließt.

    Beitritt zum sowjetischen Jugendverband Komsomol.

  • 1944-1950

    Arbeit in der Maschinen-Traktoren-Station einer Kolchose.

    1948 wird er für seine Leistungen mit dem Orden des Roten Banners der Arbeit ausgezeichnet.

  • 1950-1955

    Studium der Rechtswissenschaft in Moskau.

  • 1952

    Eintritt in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU).

  • 1953

    Heirat mit der Soziologiestudentin Raissa Maximowa Titorenko. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.

  • 1955-1962

    Erster Sekretär des Stadtkomitees des Komsomol in Stawropol.

    Ab 1958 wird er zunächst Zweiter Sekretär, später Erster Sekretär des Komsomolkomitees der Region Stawropol.

  • 1962-1971

    Mitglied des Regionalkomitees Stawropol der KPdSU.

  • 1963-1966

    Leiter der Abteilung Parteiorgane des Regionalkomitees Stawropol der KPdSU.

  • 1966-1968

    Erster Sekretär der KPdSU im Stadtkomitee Stawropol.

  • 1967

    Gorbatschow schließt sein Zweitstudium am Agrar-Institut in Stawropol/Nordkaukasus als Diplomagraringenieur ab.

    Mit verschiedenen Landwirtschaftsexperimenten, die zu erheblichen Ertragssteigerungen führen, erwirbt er sich den Ruf eines Agrar-Experten.

  • 1968-1970

    Zweiter Sekretär der KPdSU des Regionalkomitees Stawropol.

  • 1970-1978

    Erster Sekretär der KPdSU des Regionalkomitees Stawropol.

  • seit 1970

    Mitglied des Obersten Sowjet. In dieser Funktion ist er ab 1974 Leiter der Jugendkommission und ab 1979 der Gesetzgebungskommission.

  • 1971-1991

    Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU. Gefördert wird Gorbatschow besonders von Jurij Andropow (1914-1984), dem ehemaligen Chef des sowjetischen Geheimdienstes (KGB) und Generalsekretär der KPdSU.

  • 1975

    Gorbatschow sammelt seine erste Auslandserfahrung im Westen bei einem Besuch in der Bundesrepublik Deutschland.

  • 1978-1985

    Sekretär für Landwirtschaft im ZK der KPdSU.

  • 1979-1980

    Kandidat des Politbüros der KPdSU. Er gehört damit zu den 14 wichtigsten Männern der Sowjetunion.

  • 1980-1991

    Vollmitglied des Politbüros der KPdSU. Gorbatschow ist damit erster Politiker der Nachkriegsgeneration in diesem Gremium. Als Mitglied der außenpolitischen Komission unternimmt er verschiedene Auslandsreisen, unter anderem nach Großbritannien und Kanada, wo er mit Margaret Thatcher und Pierre Trudeau (1919-2000) zusammentrifft.

  • 1983

    Während der Erkrankung des Staats- und Parteichefs Andropow übernimmt Gorbatschow in vielen Bereichen dessen Vertretung.

  • 1984

    Nach dem Tod von Andropow wird Gorbatschow zuständig für die Oberaufsicht der Sekretariatsarbeit im ZK der KPdSU. Er plädiert für Ordnungspolitik und bezeichnet "die Sicherung des Weltfriedens und die Stärkung der sowjetischen Verteidigungsmacht" als Grundpfeiler sowjetischer Außenpolitik.

    März: Ernennung zum Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses des Obersten Sowjet.

    Das Parteiorgan "Prawda" bezeichnet Gorbatschow als "Zweiten Generalsekretär".

    Dezember: Als Anhänger des Wirtschaftsreformprogramms von Andropow spricht Gorbatschow sich für "tiefgreifende Veränderungen" der sowjetischen Wirtschaft aus, wobei "revolutionäre" Lösungen in Wissenschaft und Technik Vorrang haben sollten.

  • 1985

    11. März: Nach dem Tod von Konstantin Tschernenko (1911-1985) wird mit dem 54-jährigen Gorbatschow erstmals ein relativ junges Mitglied des Politbüros Generalsekretär der KPdSU.

    Seine ersten Erklärungen und Maßnahmen zielen auf eine bessere Arbeitsqualität in Landwirtschaft, Industrie und Verwaltung sowie auf verstärkte Bekämpfung von Korruption und Alkoholismus ab.

    April: Bei der Unterzeichnung der Verlängerung des "Warschauer Vertrages" betont Gorbatschow die "Einheit von Marxismus-Leninismus und sozialistischem Internationalismus".

    Mai: Bei den Feiern aus Anlass des 40. Jahrestages des Kriegsendes fordert er eine "echte Rückkehr der Entspannung", kritisiert Anzeichen von "amerikanischem Imperialismus" und westdeutschem Revanchismus" und erklärt sich bereit, Verhandlungen über Rüstungskontrolle in allen Bereichen zu führen.

    Oktober: Gorbatschow stellt sein Programm einer wirtschaftlichen "Beschleunigung" durch einen grundlegenden Umbau (Perestrojka) der sowjetischen Verhältnisse vor. Dafür sollen Eigeninitiative und Eigenverantwortung gefördert und marktwirtschaftliche Elemente eingeführt werden sowie eine größere Ausrichtung der Produktion an der Nachfrage erfolgen.

    November: Gorbatschow und der amerikanische Präsident Ronald Reagan treffen in Genf zu Gipfelgesprächen zusammen, die Hoffnung auf eine neue Entspannungspolitik wecken.

  • 1985-1988

    Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjet.

  • 1985-1991

    Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der UdSSR.

  • 1986

    1. Januar: US-Präsident Reagan wendet sich in einer Fernsehansprache an das sowjetische und Gorbatschow an das US-amerikanische Volk. Beide Politiker unterstreichen in den Ansprachen ihren Willen zur Abrüstung.

    15. Januar: Gorbatschow schlägt in Moskau einen Drei-Stufen-Plan für den Abbau aller Atomwaffen bis zum Jahr 2000 vor. Der Westen reagiert überwiegend positiv auf seine Vorschläge.

    25. Februar: In Moskau wird der XXVII. Parteitag der KPdSU eröffnet. Gorbatschow kündigt "radikale Reformen" in der Wirtschaft an.

    14. Mai: In der ersten öffentlichen Stellungnahme zum Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl vom 26. April des Jahres fordert Gorbatschow zur internationalen Zusammenarbeit in Kernenergiefragen auf.

    28. Juli: Gorbatschow kündigt in einer Grundsatzrede zur Innen- und Außenpolitik in Wladiwostok einen Teilabzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan an. Bis Ende 1986 sollen sechs Regimenter das Land verlassen haben. Die Sowjetunion hatte 1979 in Afghanistan militärisch interveniert.

    11./12. Oktober: Gespräche zwischen US-Präsident Reagan und Gorbatschow in Reykjavik/Island enden ohne Vereinbarungen. Beide Seiten können sich nicht über das US-amerikanische SDI-Programm (Strategic Defense Initiative) einigen.

  • 1987

    Februar: Gorbatschow stellt ein Separatabkommen über einen Abbau der Mittelstreckenraketen zur Diskussion und verzichtet darin auf eine Verknüpfung mit dem Abbau anderer Waffensysteme, insbesondere mit der Aufgabe des amerikanischen Weltraum-Abwehrsystems SDI. Damit gibt Gorbatschow den Abrüstungsverhandlungen entscheidenden Anstoß.

    Dezember: Gorbatschow und Reagan unterzeichnen in Washington die weltweit als historischer Durchbruch gefeierte "Nulllösung": die Beseitigung aller Mittelstreckenraketen.

    Veröffentlichung der Schrift "Perestrojka. Die zweite russische Revolution". Das Buch wird von der Friedrich-Ebert-Stiftung 1988 als "Politisches Buch des Jahres" ausgezeichnet.

    Auszeichnung mit dem Internationalen Indira-Ghandi-Friedenspreis in Delhi/Indien.

    Das US-amerikanische Magazin "Time" wählt Gorbatschow zum "Mann des Jahres".

  • 1988

    8. Februar: Gorbatschow kündigt den Abzug aller sowjetischen Truppen aus Afghanistan an.

    23. März: Gorbatschow setzt sich auf einem Kongress von Kolchosebauern in Moskau für mehr Privatinitiative in der Landwirtschaft ein. Er regt unter anderem eine begrenzte Gewinnbeteiligung der Bauern an.

    29. Mai-2. Juni: In Moskau findet das vierte Gipfeltreffen zwischen Reagan und Gorbatschow statt. Höhepunkt des Treffens ist der Austausch der Ratifizierungsurkunden zum INF-Vertrag (Intermediate Nuclear Forces). Er verpflichtet die Vertragsparteien zum vollständigen Abbau aller atomaren Mittelstreckenraketen.

    7. Juli: In Prag endet die dreitägige 44. Jahrestagung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Die Regierungschefs der zehn osteuropäischen Staaten diskutieren über die von Gorbatschow geforderten Reformen der sozialistischen Wirtschaftsgemeinschaft. Mit Ausnahme der DDR und Rumäniens begrüßen die Teilnehmer Gorbatschows Vorschlag, eine stärkere Zusammenarbeit mit der Europäischen Gemeinschaft (EG) anzustreben.

    1. Oktober: Nach dem Rücktritt von Staatspräsident Andrei Gromyko (1909-1989) wird Gorbatschow zum Vorsitzenden des Obersten Sowjet und damit zum Staatsoberhaupt der Sowjetunion gewählt. Mit seiner Politik der Verständigung und Transparenz versucht er, sein wirtschaftliches Reformprogramm (Perestrojka) ebenso durchzusetzen wie die Öffnung der Gesellschaft (Glasnost). Das schafft sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch völlig neue Verhältnisse. Sein Bemühen, die Reformen zwar rasch, aber unter Vermeidung eines plötzlichen Zusammenbruchs der bisherigen politischen und wirtschaftlichen Strukturen durchzuführen, wird stark kritisiert: Einerseits von denen, die die alte Ordnung erhalten wollen und andererseits von den Reformern, denen die Veränderungen zu langsam vorangehen.

    24.-27. Oktober: Bundeskanzler Helmut Kohl reist mit führenden Vertretern der deutschen Wirtschaft, der Gewerkschaftsbewegung, der Wissenschaft und der Kultur in die Sowjetunion. Im Mittelpunkt der Reise stehen mehrere Gespräche mit Gorbatschow über die deutsch-sowjetischen Beziehungen, Abrüstungs- und Rüstungskontrollen, Umweltschutz, kulturelle Beziehungen und die Aussiedlung von Russlanddeutschen.

    7. Dezember: In einer Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York kündigt Gorbatschow einseitige Abrüstungsschritte seines Landes an. So will er rund 500.000 Soldatenstellen abbauen und sechs Panzerdivisionen aus der DDR, der CSSR und Ungarn abziehen.

  • 1989

    26. März: Nach den ersten Sowjetwahlen mit Kandidatenwettbewerb scheiden 110 Spitzenfunktionäre aus dem ZK aus. Damit sind die Altkommunisten, die sich gegen Gorbatschows Reformbestrebungen gestellt haben, zum großen Teil entmachtet.

    15. Mai: Nach dreißig Jahren findet zum ersten Mal wieder ein Gipfeltreffen zwischen der Sowjetunion und China statt. Gorbatschows Besuch in Peking wird von Studentendemonstrationen begleitet, bei denen die Übernahme der Perestroika gefordert wird.

    25. Mai: Gorbatschow wird vom neu geschaffenen Kongress der Volksdeputierten zum Staatspräsidenten mit besonderen Vollmachten gewählt.

    12.-15. Juni: Gorbatschow wird bei seinem Staatsbesuch in Bonn von der Bevölkerung mit großem Jubel empfangen. Zum Abschluss seines Besuchs erklärt er "Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben".

    7. Juli: Gorbatschow gesteht auf der ersten Ostblock-Gipfelkonferenz in Bukarest jedem sozialistischen Staat seine eigene Entwicklung zu. Damit verliert die sogenannte Breschnew-Doktrin ihre Gültigkeit.

    September: Gorbatschow einigt sich mit den USA auf den Abbau von C-Waffen.

    7. Oktober: In Ost-Berlin nimmt Gorbatschow an den Festveranstaltungen zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR teil. Er betont vor der Presse die Notwendigkeit von Reformen und äußert die berühmten Worte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".

  • 1990

    10. Februar: Bei einem Treffen zwischen Bundeskanzler Kohl und Gorbatschow in Moskau, wird die Zusicherung gegeben, dass die UdSSR einer Wiedervereinigung Deutschlands nicht im Weg stehe.

    Februar: Gorbatschow legt ein Reformpaket zur Erneuerung der Partei vor, das den Verzicht auf das bisherige Machtmonopol der KPdSU vorsieht. Er plädiert für die Einführung eines Präsidalsystems.

    14. März: Nachdem der Oberste Sowjet und der Kongress den Reformvorschlägen vom Februar zugestimmt hat, wird Gorbatschow der erste gewählte Staatspräsident der Sowjetunion.

    27. März: Gorbatschow kündigt den "kontrollierten Übergang" zur Marktwirtschaft in der Sowjetunion an.

    31. Mai-3. Juni: US-Präsident George Bush (geb. 1924) und Gorbatschow erklären bei ihrem Gipfeltreffen, dass die Frage der Bündniszugehörigkeit eines vereinten Deutschlands von den Deutschen selbst entschieden werden muss.

    Juni: Verleihung des Friedenspreises der Franklin-Roosevelt-Stiftung, Washington/USA, der Martin-Luther-King-Medaille des Friedens World Colleges, Washington/USA und der Ehrendoktorwürde der Providence-University von Rhode Island/USA.

    2.-13. Juli: Auf dem XXVIII. Parteitag der KPdSU in Moskau kann Gorbatschow seine Machtstellung behaupten. Das Politbüro wird vollkommen umgestaltet und die Trennung zwischen Partei- und Regierungsämtern vollzogen.

    14.-16. Juli: Bundeskanzler Kohl trifft in der Sowjetunion mit Gorbatschow zu Gesprächen zusammen. Dieser billigt einem vereinten Deutschland die volle Souveränität und die freie Wahl der Bündniszugehörigkeit zu.

    24. September: In der UdSSR erhält Gorbatschow befristet bis zum 31. März 1992 Sondervollmachten. Er kann damit über Fragen des Eigentums, der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Lohn- und Preisregelung sowie der öffentlichen Ordnung allein entscheiden.

    Oktober: Auszeichnung mit dem Spanischen Preis für Frieden und internationale Zusammenarbeit "Prinz von Asturien" in Madrid/Spanien.

    9. November: In Bonn unterzeichnen Bundeskanzler Kohl und Gorbatschow den "Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit".

    17. November: Der Oberste Sowjet akzeptiert das von Gorbatschow angestrebte Notstandsprogramm, das die Position des Präsidenten erheblich stärkt.

    November: Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille der Bundesrepublik Deutschland für Frieden und Völkerfreundschaft an Gorbatschow.

    10. Dezember: Für die schrittweise marktwirtschaftliche Orientierung, internationale Handelsabkommen, für Grenzöffnungen und Abrüstung, die Auflösung des Warschauer Paktes und die Einführung eines Präsidialsystems wird Gorbatschow der Friedensnobelpreis verliehen.

    25. Dezember: Der sowjetische Volkskongress der Volksdeputierten akzeptiert mit großer Mehrheit die Erweiterung der Befugnisse von Gorbatschow. Damit wird auch das Kabinett direkt dem Präsidenten unterstellt.

  • 1991

    Februar: Gorbatschow verkündet das Ende des Warschauer Paktes aufgrund der neuen Europa-Politik.

    17. März: Gorbatschow stellt in einem unionsweiten Referendum klar, dass allen Republiken freistehe, die Union zu verlassen, sofern sich dies verfassungsgemäß vollziehe.

    15. Juli: In London wird der dreitägige Weltwirtschaftsgipfel eröffnet, an dem Gorbatschow als Gast teilnimmt.

    31. Juli: US-Präsident Bush und Gorbatschow unterzeichnen in Moskau den START-Vertrag (Strategic Arms Reduction Talks) zum Abbau der strategischen Atomwaffen.

    19. August: In der Sowjetunion versuchen reformfeindliche Kräfte unter maßgeblicher Mitwirkung des KGB Gorbatschow zu stürzen. Der russische Präsident Boris Jelzin ruft die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Putschisten auf. Am 21. August bricht der Umsturzversuch zusammen.

    24. August: Gorbatschow tritt als Generalsekretär der KPdSU zurück.

    29. August: Der Oberste Sowjet hebt die dem Staatspräsidenten Gorbatschow eingeräumten Sondervollmachten wieder auf.

    5. September: Ernennung zum Vorsitzenden des Staatsrates der UdSSR.

    18. Oktober: Vertreter von acht der zwölf Sowjetrepubliken sowie Gorbatschow unterzeichnen in Moskau einen Vertrag zur Bildung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes.

    17. Dezember: Der russische Präsident Jelzin und Gorbatschow als sowjetischer Präsident vereinbaren die Auflösung der UdSSR zum 21. Dezember 1991.

    25. Dezember: Nach der Auflösung der UdSSR und mit der Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) erklärt Gorbatschow seinen Rücktritt und übergibt Russlands Präsident Jelzin das Kommando über die strategischen Atomwaffen. Die EG und die USA erkennen Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR an.

    Veröffentlichung der Schrift "Der Staatsstreich".

  • 1992

    1. Januar: Gorbatschow wird Präsident der Stiftung für Politik, Wirtschaft und Sozialforschung.

    Gorbatschow wird Kolumnist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter die "Komsomolskaja Prawda", die "New York Times", die Turiner "La Stampa" und die deutsche Illustrierte "Bunte".

    Gorbatschow wird mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin für seinen Einsatz um die deutsche Einheit ausgezeichnet.

    Veröffentlichung der Schrift "Der Zerfall der Sowjetunion", die eine Sammlung von Reden, Interviews und Reminiszenzen enthält.

    Da Gorbatschow sich weigert, in einem Prozess um die Rechtmäßigkeit des KPdSU-Verbotes als Zeuge auszusagen wird sein Diplomatenpass gesperrt und die Stiftung für Politik, Wirtschaft und Sozialforschung polizeilich geschlossen.

    Auszeichnung mit dem Albert-Schweitzer-Preis der Vereinten Nationen.

  • 1995

    Veröffentlichung seiner "Erinnerungen", die Einsichten in die Umstände von Gorbatschows Aufstieg zur Macht und das Scheitern seines Demokratisierungs- und Liberalisierungsversuches geben.

  • 1996

    16. Juni: Bei den Präsidentschaftswahlen siegt Amtsinhaber Jelzin. Gorbatschow erhält weniger als 0,5 % der Stimmen.

  • 1997

    Juni: Der "Club of Rome" zeichnet Gorbatschow mit dem "Preis für planetarisches Bewusstsein" aus.

    August: Gorbatschow mahnt in einem Interview eine langfristige und globale Friedenspolitik an und empfiehlt den Vereinten Nationen die Einrichtung eines ökologischen Sicherheitsrates.

    September: Gorbatschow wird in Paris zum Kommandeur des "Ordre des Arts es des Lettres" ernannt.

    Dezember: Gorbatschow verkündet, dass er Reklame für eine US-Pizza machen wird. Das Honorar soll der Stiftung für Politik, Wirtschaft und Sozialforschung zukommen.

  • 1998

    Bei einem Besuch in Brandenburg ruft Gorbatschow zu einer weltweiten Abkehr vom Hegemoniestreben auf.

  • 1999

    März: Gorbatschow kritisiert die Aufnahme von Polen, Ungarn und Tschechien in die NATO. Die NATO-Erweiterung sei für Russland erniedrigend.

    Mai: Gorbatschow verurteilt die NATO-Angriffe auf Jugoslawien.

    20. September: Gorbatschows Ehefrau Raissa Gorbatschowa stirbt in Münster an Blutkrebs. An den Trauerfeierlichkeiten nehmen auch Altbundeskanzler Helmut Kohl, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und die Gattin des Bundeskanzlers, Doris Schröder-Köpf, teil. In der russischen Presse löst der Tod Raissa Gorbatschowas eine Welle der Sympathie und des Mitgefühls für ihre Familie aus.

    November: Gorbatschow wird zum Präsidenten der neuen Internationalen Akademie für Nachhaltige Entwicklungen und Technologien an der Universität Karlsruhe gewählt.

    Deutsche Veröffentlichung der Schrift "Wie es war. Die deutsche Wiedervereinigung", in der sich Gorbatschow gegen den Vorwurf wehrt, er habe sich "übervorteilen lassen".

  • 2000

    11. März: Gorbatschow gründet in Moskau die Vereinigte Russische Sozial-Demokratische Partei und wird von den Delegierten zum Vorsitzenden gewählt.

    Veröffentlichung der Schrift "Über mein Land", eine Geschichte der Sowjetunion von der Oktoberrevolution bis zu ihrem Zerfall.

  • 2003

    17. Juli: Gorbatschow erhält den Umweltpreis der Stiftung Euronatur. In seinem Buch "Manifest für die Erde" formuliert er Grundsätze für einen umweltschonenden, nachhaltigen Lebensstil und fordert eine gerechte Verteilung der Ressourcen als Voraussetzung für einen globalen Frieden.

  • 2006

    Gorbatschow ruft in London die Raissa-Gorbatschow-Stiftung, die sich für krebskranke Kinder engagiert, ins Leben.

    Juni: Gorbatschow übernimmt zusammen mit einem Geschäftspartner 49 Prozent der Zeitung "Nowaja Gaseta", die mit investigativem Journalismus im Tschetschenien-Konflikt bekannt geworden war.

  • 2007

    Oktober: Gorbatschow nimmt an der Neugründung der Bürgerbewegung „Union der Sozialdemokraten“ (SSD) teil und wird Mitglied in deren Präsidium. Schon in den Jahren zuvor hatte er mehrfach versucht, in die aktive Politik zurückzukehren. Seine zuvor gegründete „Sozialdemokratische Partei Russlands“ (SDPR) war im Juli 2007 vom Obersten Gericht Russlands aufgelöst worden.

  • 2009

    31. Oktober: Bei einer Festveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin anlässlich des Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung ist Gorbatschow neben dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Ex-US-Präsident George Bush anwesend. Bundespräsident Horst Köhler würdigt sie in einer Festrede.

    9. November: Gorbatschow ist zu Gast in Berlin beim „Fest der Freiheit“, welches zum 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert wird. Neben ihm sind noch zahlreiche andere Politiker, Staats- und Regierungschefs wie Angela Merkel , Nicolas Sarkozy, Gordon Brown und Hillary Rodham Clinton anwesend.

 

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 13.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard: Biografie Michail Gorbatschow, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/michail-gorbatschow.html
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