Oskar Lafontaine geb. 1943

  • 1943

    16. September: Oskar Lafontaine wird als Zwillingskind des Bäckers Hans Lafontaine und seiner Frau Katharina, geborene Ferner, in Saarlouis-Roden geboren. Sein Vater stirbt im Zweiten Weltkrieg.

  • 1962

    Abitur am Regino-Gymnasium in Prüm (Eifel).

  • 1962-1969

    Lafontaine studiert Physik an den Universitäten Bonn und Saarbrücken und schließt als Diplomphysiker ab.

    Er wird durch die Studienförderung der Deutschen Bischöfe (Cusanus Werk) gefördert.

  • 1966

    Eintritt in dieSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).

    Zunächst ist Lafontaine bei den Jungsozialisten (Jusos) aktiv.

  • 1967

    Heirat mit Ingrit Bachert. Die Ehe wird 1982 geschieden.

  • 1968

    Mitglied im Landesvorstand der SPD im Saarland.

  • 1969-1974

    Angestellter der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken mbH und ab 1971 Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Straßenbahnen in der Saartal AG.

  • 1969/70

    Mitglied des Stadtrats in Saarbrücken.

  • 1970-1975

    Abgeordneter der SPD im Saarländischen Landtag.

  • 1971-1977

    Vorsitzender der SPD im Unterbezirk Saarbrücken-Stadt.

  • 1974-1985

    Bürgermeister und anschließend ab 1976 Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken.

  • 1977-1996

    Landesvorsitzender der SPD im Saarland. Lafontaine bemüht sich vergebens, die Freie Demokratische Partei (FDP) auch auf Landesebene zu einer Regierungskoalition zu bewegen.

  • 1979-1999

    Mitglied des Bundesvorstandes der SPD.

    Auf Bundesebene gerät Lafontaine mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber Nachrüstung und Kernkraft in Gegensatz zu SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt.

    Lafontaine gehört zu den Gegnern des NATO-Doppelbeschlusses und fordert für die Bundesrepublik den Verzicht auf jegliche atomare Bewaffnung und den Austritt aus der militärischen Organisation der NATO.

  • 1982-1988

    Verheiratet mit der Künstlerin Margret Müller. Aus der Ehe geht Sohn Frederic hervor.

  • 1983

    Veröffentlichung der Schrift "Angst vor den Freunden. Die Atomwaffenstrategie der Supermächte zerstört die Bündnisse".

  • 1985

    März: Unter Führung von Lafontaine erreicht die SPD bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit.

    9. April: Lafontaine wird Ministerpräsident im Saarland.

    November: Lafontaine ist zu Gast bei DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker und erklärt, dass ein normaler Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten nur mit der Anerkennung der DDR- Staatsbürgerschaft zu erreichen sei.

    Veröffentlichung der Schrift "Der andere Fortschritt - Verantwortung statt Verweigerung".

  • 1985-1998

    Ministerpräsident im Saarland.

    Der Regierung Lafontaine gelingt es, den Saarstahl-Konzern trotz der Stahlkrise über viele Jahre am Leben zu erhalten und den Zusammenschluss des Unternehmens in einer Holding mit der Dillinger Hütte in die Wege zu leiten.

    Der Personalabbau in der Saar-Stahlindustrie wird sozial abgefedert.

    Im Saarland wird die Gesamtschule als Regelschule anerkannt.

  • 1987

    Juni: Lafontaine wird neben dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau zweiter stellvertretender Parteivorsitzender der SPD und geschäftsführender Vorsitzender der Programmkommission.

    September: Lafontaine empfängt den Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, der in Neunkirchen an der Saar geboren ist, im Saarland.

  • 1988

    Lafontaine tritt für eine Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich ein.

    Außerdem fordert er von der SPD eine flexiblere und pragmatischere Haltung zu den Maschinenlaufzeiten sowie zur Samstags- und Sonntagsarbeit.

    Oktober: Lafontaine wird mit der Leitung der SPD-Arbeitsgruppe "Wirtschaftlicher und Sozialer Fortschritt 90" betraut, die das Regierungsprogramm der SPD für die Bundestagswahl 1990 erarbeitet.

    Veröffentlichung der Schrift "Die Gesellschaft der Zukunft".

  • 1989

    November: Nach dem Fall der Mauer warnt Lafontaine vor einer "nationalen Besoffenheit" und verfolgt den Weg zur Wiedervereinigung zurückhaltend. Aufgrund der finanziellen Folgen wendet er sich gegen eine gemeinsame Staatsbürgerschaft der Deutschen in Ost und West.

    Dezember: Lafontaine setzt sich für restriktivere Zuzugsbedingungen für Übersiedler ein.

    Veröffentlichung der Schrift "Das Lied vom Teilen. Die Debatte über Arbeit und politischen Neubeginn".

  • 1990

    25. April: Bei einem Wahlkampfauftritt in Köln-Mülheim wird Lafontaine Opfer eines Attentates. Eine psychisch kranke Frau bringt ihm eine lebensgefährliche Stichwunde am Hals bei, von der er sich jedoch schnell erholt.

    September: Auf dem SPD-Vereinigungsparteitag in Berlin wird Lafontaine nahezu einstimmig zum Kanzlerkandidaten der vereinigten SPD für die Bundestagswahl im Dezember gewählt.

    Dezember: Bei den Bundestagswahlen erreicht die SPD mit 33,5 Prozent der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit 1957. Lafontaine verzichtet danach auf die von Hans-Jochen Vogel angetragene Kandidatur für das Amt des SPD-Bundesvorsitzenden. Er bleibt weiterhin im Amt des saarländischen Ministerpräsidenten.

    Veröffentlichung der Schrift "Deutsche Wahrheiten".

  • 1991-1994

    Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit.

  • 1991

    Lafontaine kritisiert die hohen jährlichen Transferzahlungen von West nach Ost, da sie den Staatsfinanzen kaum noch Raum für öffentliche Investitionen ließen.

    Außenpolitisch spricht sich Lafontaine angesichts des Zerfalls der UdSSR für eine Sicherheitsgarantie der NATO gegenüber den osteuropäischen sowie den sowjetischen Nachfolgestaaten gegen Angriffe Dritter aus.

  • 1992

    Lafontaine wird als saarländischer Ministerpräsident turnusgemäß Präsident des Bundesrates.

    In einem Artikel im Nachrichtenmagazin "Spiegel" wird Lafontaine beschuldigt, zusätzlich zu seinen normalen Bezügen seit 1986 Ruhegehalt für seine Amtszeit als Oberbürgermeister von Saarbrücken zu beziehen. Lafontaine leugnet die Zusatzbezüge nicht, räumt aber einen "technischen Fehler" des Gesetzgebers ein. Der saarländische Landesrechnungshof stellt im September fest, dass die Pension widerrechtlich ist. Lafontaine zahlt im Juni 1993 rund 228.000 DM zurück.

  • 1992/93

    Lafontaine unterstützt den SPD-Parteichef Björn Engholm bei der "Petersberger Wende" der SPD.

    Danach stimmt die Partei Änderungen und Ergänzungen des Grundgesetzes beim Asylrecht zu und sie befürwortet die Beteiligung deutscher Soldaten an UNO-Militäreinsätzen.

  • 1993

    In der sogenannten "Rotlicht-Affäre" ermittelt das Oberlandesgericht Saarbrücken gegen Lafontaine.

    Der Verdacht, dass Lafontaine während seiner Zeit als Oberbürgermeister von Saarbrücken einer Rotlicht-Bar Steuervorteile verschafft habe, kann nicht glaubhaft ausgeräumt werden.

    Juni: Nachdem Rudolf Scharping zum neuen Parteivorsitzenden gewählt worden ist, übernimmt Lafontaine eine SPD-Kommission, die eine Strategie zur Überwindung von Rezession und Arbeitslosigkeit sowie zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland erarbeiten soll.

    Heirat mit Christa Müller. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.

  • 1994

    Lafontaine wird für die Bundestagswahlen in Scharpings Schattenkabinett für den Bereich "Finanzen" bestimmt. Er legt ein von SPD-Wirtschaftspolitikern aus Bund und Ländern beschlossenes 20-Punkte-Konzept zu Wachstum und Beschäftigung vor und kündigt für den Fall der Regierungsübernahme eine Steuerumschichtung im Volumen von zunächst 75 Milliarden DM an.

  • 1995

    Lafontaine lehnt einen deutschen Militäreinsatz außerhalb des NATO-Vertragsgebietes wie in Bosnien ab und plädiert statt dessen für das "Konzept einer friedlichen Außenpolitik".

    16. November: In einer Kampfabstimmung gegen Scharping wird Lafontaine zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt.

    Lafontaine übernimmt zusätzlich die Leitung einer neuen "Kommission Fortschritt 2000", die Konzepte für die Wirtschafts-, Finanz- und Ökologiepolitik ausarbeitet.

  • 1995/96

    Vorsitzender des Vermittlungsausschusses von Bundesrat und Bundestag.

  • 1996

    Lafontaine fordert von der Regierung Kohl, sich für einen europäischen Wachstums- und Beschäftigungspakt einzusetzen.

  • 1997

    Die Regierungsparteien beschuldigen Lafontaine im Zusammenhang mit der Steuerreform und der Rentenreform eine "Blockadepolitik" aus machtpolitischen Gründen durchzuführen.

  • 1998

    Mai: Der neue Kanzlerkandidat der SPD Gerhard Schröder überträgt Lafontaine den Bereich der Finanz- und Europapolitik im Falle einer Regierungsübernahme.

    Oktober: Nach dem Sieg der SPD bei den Bundestagswahlen im September wird Lafontaine zum Finanzminister ernannt.

    Oktober-November: Lafontaine kritisiert die Zinspolitik der Deutschen Bundesbank und fordert eine stärkere öffentliche Debatte über die Geldpolitik der Bank.

  • 1999

    11. März: Lafontaine erklärt, zunächst ohne Angabe von Gründen, seinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der SPD und gleichzeitig auch vom Amt des Bundesfinanzministers. Drei Tage später äußert er sich zu seinen Motiven und verweist auf "das schlechte Mannschaftsspiel" im Kabinett und nennt als Beispiel für den fehlenden "Teamgeist" die Auseinandersetzungen um die Steuerpolitik.

    Oktober: Veröffentlichung der Schrift "Das Herz schlägt links". Darin erläutert Lafontaine seine politische Arbeit der letzten Jahre und legt die Beweggründe für seinen Rückzug aus dem politischen Leben dar.

    Die Veröffentlichung stößt auf heftige Kritik innerhalb und außerhalb der SPD.

  • 2001

    Lafontaine stellt gemeinsam mit Gregor Gysi dessen Buch "Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn" vor. Viele SPD-Politiker sehen darin eine Wahlkampfhilfe für den Spitzenkandidaten der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) bei der Berlin-Wahl.

    Martin Gutzeit, der Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, fordert die Prüfung eines Parteiausschlussverfahrens gegen Lafontaine.
  • 2002

    Veröffentlichung des Buches: "Die Wut wächst: Politik braucht Prinzipien".

  • 2004

    Lafontaine meldet sich wiederholt kritisch gegenüber der Politik der rot-grünen Bundesregierung zu Wort. So kritisiert er die von Kanzler Schröder konzipierte Sozialreform "Agenda 2010" und ist gemeinsam mit PDS-Politikern und Gewerkschaftern Hauptunterstützer von Initiativen gegen die Arbeitsmarktreform.

    August: In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" kündigt Lafontaine seine Unterstützung einer neuen linken Gruppierung an, falls sich die Sozialdemokraten nicht zu einem Kurs- und Kanzlerwechsel entschließen würden.

    Erneut fordern zahlreiche SPD-Politiker einen Parteiaustritt oder -ausschluss Lafontaines.

  • 2005

    April: Veröffentlichung der Schrift: "Politik für alle: Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft".

    30. Mai: Austritt aus der SPD und kurz darauf Eintritt in die neu gegründete Partei "Arbeit und soziale Gerechtigkeit - die Wahlalternative" (WASG).

    Juni: Für die vorgezogene Bundestagswahl geht die WASG ein Wahlbündnis mit der PDS ein, die sich in "Die Linkspartei.PDS" umbenennt.

    18. September: Das Wahlbündnis "Die Linke." (aus Die Linkspartei.PDS und WASG) erzielt bei der Bundestagswahl 8,7 Prozent der Wählerstimmen. Mit 54 Sitzen bildet es die viertstärkste Fraktion im Bundestag. Lafontaine teilt sich den Fraktionsvorsitz mit Gregor Gysi. Nach Bildung der großen Koalition aus SPD und CDU/CSU bildet Die Linkspartei.PDS zusammen mit FDP und Bündnis 90/Die Grünen die Opposition.

    Dezember: Lafontaine wird Mitglied der Linkspartei.PDS.

  • 2007

    16. Juni: Gründungsparteitag der Partei DIE LINKE (Fusion aus WASG und Die Linkspartei.PDS). Lothar Bisky und Oskar Lafontaine werden als Parteivorsitzende gewählt.

  • 2009

    September: Bei der Bundestagswahl erzielt DIE LINKE unter Führung von Bisky und Lafontaine 11,9 Prozent der Stimmem. Wenig später gibt Lafontaine aus gesundheitlichen Gründen den Fraktionsvorsitz ab Im saarländischen Landtag hat er den Fraktionsvorsitz der Partei DIE LINKE inne. Bei der Landtagswahl 2009 wird die Partei mit 21,3 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft im Landesparlament.

  • 2010

    1. Februar: Oskar Lafontaine verzichtet auf sein Mandat im Deutschen Bundestag.

    Mai: Lafontaine kündigt an, dass er nicht mehr als Parteivorsitzender auf Bundesebene kandidieren will.

  • 2013

    April: Lafontaine schließt eine Rückkehr in die Bundespolitik aus und erklärt, dass er nicht für die Bundestagswahl 2013 kandidieren will. Den Vorsitz der Partei DIE LINKE im saarländischen Landtag wird er bis zum Ende der Legislaturperiode 2017 durchführen.

 

(iz/nc/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 26.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Chmura, Nadine/Haunhorst, Regina/Zündorf, Irmgard: Biografie Oskar Lafontaine, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/oskar-lafontaine.html
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