Ulrike Meinhof 1934 - 1976

  • 1934

    7. Oktober: Ulrike Marie Meinhof wird in Oldenburg als Tochter eines Kunsthistorikerehepaares geboren.

  • 1939

    Tod des Vaters, Dr. Werner Meinhof, der seit 1936 Direktor des Stadtmuseums in Jena war.

  • 1946

    Die Familie Meinhof verlässt die Sowjetische Besatzungszone und zieht von Jena nach Oldenburg, wo Meinhof das Gymnasium besucht.

  • 1948

    Nach dem Tod der Mutter, Dr. Ingeborg Meinhof, wächst Meinhof zusammen mit ihrer älteren Schwester unter der gesetzlichen Vormundschaft der mit den Eltern befreundeten Historikerin und späteren Mitbegründerin der "Deutschen Friedens-Union", Professor Renate Riemeck, auf.

    Hier kommt sie mit sozialistischen und pazifistischen Ideen in Berührung.

  • 1955/56

    Nach dem Abitur beginnt Meinhof ein Studium der Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik in Marburg.

  • 1957

    Wechsel an die Universität Münster.

    Meinhof wird Sprecherin des Anti-Atomtod-Ausschusses, der sich um den SPD-nahen Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) gebildet hatte.

  • 1958

    Beitritt zum SDS.

    Ulrike Meinhof verfasst für studentische Zeitungen Artikel zur Atomwaffenfrage, organisiert Anti-Atomwaffen-Veranstaltungen, -Unterschriftensammlungen, -Märsche und - Protestdemonstrationen.

  • 1959

    Auf dem Studentenkongress gegen Atomrüstung in West-Berlin setzt sich die Gruppe um die linke Zeitschrift "konkret" innerhalb des SDS, zu der auch Ulrike Meinhof gehört, gegen die SPD-Fraktion im SDS durch. In der Schlussresolution werden Verhandlungen mit der DDR gefordert und der Antikommunismus der Adenauer-Zeit öffentlich in Frage gestellt.

    Die SPD reagiert mit dem Ausschluss aller "konkret"-Mitarbeiter aus dem SDS.

    Ulrike Meinhof schreibt in "konkret" ihre erste Kolumne, "Der Friede macht Geschichte".

  • 1960-1964

    Chefredakteurin bei "konkret".

  • 1961

    Dezember: Ulrike Meinhof heiratet den Herausgeber der Zeitschrift "konkret", Klaus Rainer Röhl (geb. 1928).

  • 1962

    21. September: Geburt ihrer Zwillingstöchter Bettina und Regine.

  • 1964

    Rückzug aus der redaktionellen Tätigkeit bei "konkret". Meinhof schreibt aber weiter Kolumnen für die Zeitschrift.

  • 1965

    August: Meinhof wird zu einer Geldstrafe von 600 D-Mark verurteilt, weil sie den CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß in der Zeitschrift "konkret" als "infamsten deutschen Politiker" bezeichnet hat.

  • 1968

    Meinhof schreibt in "konkret" unter der Überschrift "Frauen im SDS oder: In eigener Sache" einen der grundlegenden Texte der Neuen Frauenbewegung.

    Nach immer heftiger werdenden politischen Differenzen um den Inhalt der Zeitschrift "konkret" kommt es sowohl privat als auch beruflich zum Bruch mit ihrem Ehemann Klaus Rainer Röhl.

    Meinhof siedelt von Hamburg nach West-Berlin über und arbeitet dort als Journalistin für das Fernsehmagazin "Panorama".

    Für den Südwestfunk schreibt sie das Fernsehstück "Bambule".

  • 1969

    Beendigung der Mitarbeit bei der Zeitschrift "konkret" wegen inhaltlicher Differenzen.

  • 1969/70

    Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik der Freien Universität Berlin.

  • 1970

    14. Mai: Meinhof beteiligt sich an der gewaltsamen Befreiung des Terroristen Andreas Baader aus dem Gefängnis. Sie gilt als Planerin und Vorbereiterin der Aktion, bei der drei Menschen zum Teil schwer verletzt werden. Der Ausbruch gilt als Geburtsstunde der sogenannten Baader-Meinhof-Gruppe, zu deren Kern auch Gudrun Ensslin, Holger Meins (1941-1974) und Jan-Carl Raspe (1944-1977) gehören.

    Juni: Meinhof flüchtet zusammen mit Ensslin, Baader, Horst Mahler und weiteren Sympathisanten der Gruppe nach Jordanien zu den palästinensischen Guerillas, um dort eine Ausbildung für den "bewaffneten Kampf" zu absolvieren.

  • 1970-1972

    Nach der Rückkehr in die Bundesrepublik geht die Gruppe, die sich inzwischen Rote-Armee-Fraktion (RAF) nennt, in den Untergrund, von wo aus sie in der folgenden Zeit vor allem Banküberfälle und Sprengstoffanschläge verübt.

  • 1972

    11.-24. Mai: In Frankfurt, Augsburg, Karlsruhe, beim Springer-Verlag in Hamburg und im US-Hauptquartier in Heidelberg werden Bombenanschläge verübt. Das Kommando der RAF übernimmt die Verantwortung für die Attentate.

    Juni: Festnahme und Inhaftierung in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf unter besonders strengen Haftbedingungen.

    Dezember: Im Prozess gegen den ehemaligen Rechtsanwalt der Außerparlamentarischen Opposition (APO), Horst Mahler, tritt Meinhof als Zeugin auf.

  • 1973

    Mai bis Juni: Zusammen mit den anderen mitgefangenen RAF-Mitgliedern tritt Meinhof in den Hungerstreik, um eine Lockerung der Haftbedingungen zu erreichen.

  • 1974

    September: Erneuter Hungerstreik gegen die Haftbedingungen.

    2. Oktober: Der Generalbundesanwalt erhebt Anklage gegen die fünf Kernmitglieder der RAF. Neben Ulrike Meinhof und Andreas Baader zählen dazu Gudrun Ensslin, Holger Meins und Jan Carl Raspe.

    29. November: Meinhof wird wegen Mordversuchs bei der Baader-Befreiung im Jahr 1970 zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

    Dezember: Verlegung in den Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Stuttgart-Stammheim.

  • 1975

    Zusammen mit Baader, Ensslin und Raspe beantwortet Meinhof Fragen der Zeitschrift "Spiegel" zu Theorie und Taktik der Gruppe, die in Heft 4 des Jahres veröffentlicht werden.

    Mai: Der eigentliche Prozess gegen Meinhof, Baader, Ensslin und Raspe beginnt vor dem Oberlandesgericht Stuttgart in einem festungsartig gesicherten Gebäude.

    Vorgeworfen werden ihnen unter anderem 5 Morde, 54 Mordversuche, Sprengstoffanschläge und Bankdiebstähle.

  • 1976

    4. Mai: Gudrun Ensslin verliest eine mit den anderen Angeklagten abgestimmte Erklärung, in der sie unter anderem für die Sprengstoffanschläge in Frankfurt/Main und Heidelberg die Verantwortung übernehmen.

    9. Mai: Meinhof wird erhängt in ihrer Zelle aufgefunden. Laut Angaben der Gefängnisleitung beging sie Selbstmord.

    Nach dem Bekanntwerden des Todes kommt es im In- und Ausland zu Gewalttätigkeiten und Protestkundgebungen von RAF-Mitgliedern und Sympathisanten. Es wird der Verdacht geäußert, dass es sich nicht um Selbstmord gehandelt habe, und die Frage nach der Mitschuld der Polizei und des Staates gestellt.

    15. Mai: Die Beisetzung in West-Berlin gestaltet sich zu einer Großdemonstration von Sympathisanten.

 

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 13.06.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard: Biografie Ulrike Meinhof, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/ulrike-meinhof.html
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