Wladimir Putin geb. 1952

Wladimir Wladimirowitsch Putin ist ein russischer Politiker und Staatspräsident der Russischen Föderation. Der Jurist wird schon als Student vom sowjetischen Geheimdienst KGB angeworben und ist von 1985 bis 1990 als Agent in der DDR tätig. Nach einer Karriere als Funktionär wird Putin 1998 von Präsident Boris Jelzin zum Chef des Föderalen Sicherheitsdienstes FSB, der Nachfolgeorganisation des KGB, ernannt. Danach gelangt er in die höchsten politischen Ämter Russlands: Von 1999 bis 2000 und von 2008 bis 2012 ist er Ministerpräsident und von 2000 bis 2004 sowie seit Mai 2012 Staatspräsident. Kritiker werfen Putin einen autoritären Regierungsstil, die Nichtbeachtung von Menschen- und Selbstbestimmungsrechten und die Verfolgung Oppositioneller vor.

  • 1952

    7. Oktober: Wladimir Wladimirowitsch Putin wird in Leningrad (seit 1991 wieder Sankt Petersburg) geboren.

  • 1975

    Abschluss des Jurastudiums an der Staatlichen Universtität von Leningrad.

  • 1975-1990

    Dienst im Auslandsressort des KGB in der Sektion Wissenschaft und Technik der Ersten Hauptabteilung. Während dieser Zeit ist er unter anderem in Dresden tätig.

  • 1983

    Heirat mit Ljudmila Schkrebnewa. Seine beiden Töchter werden 1985 und 1986 geboren.

  • 1990

    Beratertätigkeit bei Anatolij Sobtschak, einem Rechtsprofessor und Politiker in Leningrad.

  • 1991

    Nach Sobtschaks Wahl zum Oberbürgermeister von Sankt Petersburg wird Putin zum Vorsitzenden des Städtischen Komitees für Auslandsbeziehungen ernannt.

  • 1994

    Putin wird Erster Stellvertreter des Bürgermeisters von Sankt Petersburg.

  • 1996

    Ernennung zum Stellvertretenden Leiter der Geschäftsführung des Präsidenten der Russischen Föderation in Moskau.

  • 1997

    Aufstieg zum Stellvertretenden Leiter der Administration des Präsidenten.

    Als Chef der Hauptverwaltung für Kontrolle ist Putin für die landesweite Durchsetzung der Gesetze und Präsidentendekrete zuständig.

    Mitgliedschaft in der Komission des Sicherheitsrates für Wirtschaftssicherheit.

  • 1998

    Mai-Juli: Erster Stellvertretender Leiter der Präsidialadministration, zuständig für den Bereich Arbeit mit den Regionen.

    25. Juli: Ernennung zum Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB), des Nachfolgedienstes des KGB.

  • 1999

    29. März: Putin wird Sekretär des Sicherheitsrats der Russischen Föderation.

    9. August: Der russische Präsident Boris Jelzin entlässt den Vorsitzenden der Regierung, Sergej Stepaschin und benennt Putin zu dessen geschäftsführendem Nachfolger.

    Gleichzeitig erklärt er Putin zu seinem Wunschnachfolger im Präsidentenamt. Putin gibt daraufhin seine Bewerbung für das höchste Staatsamt bekannt.

    16. August: Putin wird durch ein klares Votum der Duma (russisches Parlament) in seinem Amt als Vorsitzender der Regierung bestätigt.

    31. Dezember: Mit Jelzins Rücktritt übernimmt Putin die Amtsvollmachten des Präsidenten der Russischen Föderation.

  • 2000

    26. März: Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation. Putin führt den unter Jelzin begonnenen zweiten Krieg gegen die nach Unabhängigkeit strebende Kaukasusregion Tschetschenien mit unverminderter Härte fort.

    Juni: Putin stellt die Republik Tschetschenien per Dekret unter die direkte Verwaltung der Regierung der Russischen Föderation.

  • 2001

    Als Reaktion auf den Terroranschlag vom 11. September zeigt sich die Russische Föderation gegenüber den USA und ihren Verbündeten kooperativ, öffnet ihren Luftraum für den Afghanistan-Feldzug und erlaubt den Aufbau militärischer Basen in Usbekistan und Tadschikistan. Der Schulterschluss im Kampf gegen den internationalen Terrorismus mindert die Kritik vieler Staaten an der Vorgehensweise Russlands in Tschetschenien.

    28. Mai: Putin unterzeichnet die "Erklärung von Rom", in der die Bildung eines NATO-Russland-Rats vorgesehen ist.

  • 2002

    Mai: Die Russische Föderation schließt einen Abrüstungsvertrag mit den USA, der bis 2012 eine Reduzierung der Atomwaffen um jeweils zwei Drittel vorsieht. Gleichzeitig unterzeichnen Putin und George W. Bush eine Deklaration, die eine Kooperation der Länder im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und in der Energiewirtschaft vorsieht.

  • 2004

    März: Putin gewinnt die Präsidentschaftswahlen mit 71 Prozent der Stimmen und geht in eine zweite Amtszeit.

  • 2005

    April: Als erster Präsident in der Geschichte Russlands besucht Putin Israel und trifft dort mit Regierungschef Ariel Sharon und Präsident Moshe Katzav zusammen.

  • 2008

    Mai: Putin wird durch Dimitri Medwedjew im Amt des russischen Präsidenten abgelöst. Nach der Amtseinführung Medwedjews wird auf dessen Vorschlag hin Putin mit 87,1 Prozent der Abgeordnetenstimmen der Staatsduma zum Ministerpräsidenten gewählt.

    Kritiker sehen allerdings Putin als den Tonangebenden.

    August: Der Konflikt zwischen Georgien und den nach Unabhängigkeit strebenden Teilrepubliken Abchasien und Südossetien eskaliert. Russland unterstützt die Teilrepubliken zunächst militärisch und erkennt sie nach einem Waffenstillstand als souveräne Staaten an. Mit seinem aggressiven Auftreten in dem Konflikt kann sich Putin weiter profilieren und Präsident Medwedew in den Hintergrund drängen.

  • 2009

    Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise verabschiedet Putin ein Konjunkturpaket in Höhe von umgerechnet rund 67 Mrd. Euro, das für ein Rekord-Minus im Haushalt sorgt.

    Der Vorsitzende des Föderationsrats, der formell drittwichtigste Mann im Staat, Sergej Mironow kritisiert Putins Vorgehen.

    Im Mai 2011 wird Mironow entlassen und durch Putin-Vertraute ersetzt.

  • 2011

    Mai: Putin ruft zur Gründung eines neuen überparteilichen Bündnisses mit dem Namen „Allrussische Volksfront“ unter seiner Führung auf. Dies wird als Versuch der Ausweitung seiner Machtbasis angesehen.

    4. Dezember: Bei der Dumawahl verliert Putins Partei „Einiges Russland“ 15 Prozent gegenüber der Wahl im Jahr 2007. Dafür erhalten die Kommunisten, die Liberaldemokraten und die Partei „Gerechtes Russland“ an Zulauf.

    Daraufhin kommt es in Moskau zu einer Demonstration mit bis zu 50.000 Teilnehmern.

  • 2012

    4. März: Bei den Präsidentschaftswahlen setzt sich Putin als Kandidat seiner Partei „Einiges Russland“ mit 63,6 Prozent im ersten Wahlgang durch.

    Besonders in ländlichen Gebieten kann Putin viele Stimmen sammeln, in urbanen Zentren hingegen verliert er im Vergleich zu 2004. OSZE-Wahlbeobachter kritisieren auch bei dieser Wahl, dass sie weder frei noch fair gewesen sei.

    7. Mai: Putin wird für weitere sechs Jahre als Staatspräsident vereidigt. Seine Regierung besteht vorwiegend aus loyalen Gefolgsleuten.

    Juli: Das Versammlungsrecht und die Extremismusgesetzgebung werden verschärft.

    Oktober: Putin leitet die Übernahme des seit 2003 bestehenden britisch-russischen TNK-BP durch den staatlichen Konzern Rosneft ein. Damit erreicht Putin, dass die russische Energiewirtschaft in nationalem Besitz ist.

  • 2013

    Juni: Mit Unterstützung der Orthodoxen Kirche bringt die russische Regierung ein Gesetz gegen Homosexualität auf den Weg.

    Sommer: Russland nimmt den „Whistleblower“ und ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden auf, nachdem ihm in den USA Geheimnisverrat vorgeworfen wird.

    November: Durch Druck aus dem Kreml stoppt der ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch ein Assoziierungsabkommen seines Landes mit der EU. Dies ist der Ausgangspunkt der „Ukraine-Krise“.

    Dezember: Putin begnadigt den ehemaligen Oligarchen und Vorstandsvorsitzenden des Ölkonzerns Yukos, Michail Borissowitsch Chodorkowski. Chodorkowski war wegen angeblichen Betrugs und Steuerhinterziehung seit Oktober 2003 in Haft.

    Auch die inhaftierten Musikerinnen der Band Pussy Riot und der frühere Geschäftspartner Chodorkowskis, Platon Lebedew, werden in der Folge freigelassen.

  • 2014

    Februar: Im russischen Sotschi finden die Olympischen Winterspiele statt, für deren Austragung sich Putin persönlich stark eingesetzt hat. Die Spiele verlaufen erfolgreich, gelten aber auch als die teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten.

    Nach dreimonatigen Massenprotesten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gegen Staatschef Janukowytsch wird dieser vom Parlament abgesetzt und muss aus der Stadt fliehen.

    Putin lässt kurz darauf die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim besetzen.

    6. März: Nach Putins Krim-Annexion verhängt die EU wirtschaftliche Sanktionen, die zunächst gegen russische Privatpersonen und Unternehmen gerichtet sind.

    16. März: Nach einem international nicht anerkannten Referendum stimmen 96 Prozent der Bewohner der Krim für einen Anschluss an Russland. Am 21. März verkündet das russische Parlament den Beitritt der Insel sowie der Stadt Sewastopol zur Russischen Föderation.

    Trotz Wirtschaftskrise im eigenen Land und außenpolitischen Konflikten sind Putins Popularitätswerte ungebrochen hoch. In einer Meinungsumfrage unterstützen 80 Prozent den Präsidenten.

    Mai: Nach dem Vormarsch pro-russischer Separatisten in den östlichen Regionen der Ukraine und dem Ausruf der „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk wird Putins Regierung von den westlichen Ländern scharf kritisiert. Moskau weist Vorwürfe zurück, nach denen Russland die Aufständischen militärisch unterstütze.

    Putin treibt die Bildung einer „Eurasischen Union“ bestehend aus ehemaligen Sowjetrepubliken weiter an. Der belarussische Präsident Aleksandr Lukaschenka und der kasachische Amtskollege Nursultan Nasarbajew unterzeichnen einen Vertrag zur Gründung der „Eurasischen Wirtschaftsunion“, die auch militärische Kooperationen vorsieht. Der Union treten 2015 auch Armenien und Kirgisistan bei.

    Putin reist kurz darauf nach Peking. Dort wird ein Abkommen über Gaslieferungen des Gazprom-Konzerns an China im Wert von 400 Mrd. US$ ab 2018 geschlossen.

    Juni: Da Russland im Zuge der westlichen Sanktionspolitik aus dem Kreis der ehemaligen G-8 Staaten ausgeschlossen wurde, ist Putin beim G-7 Gipfel in Brüssel erstmals seit 16 Jahren nicht mehr dabei.

    Dezember: Anlässlich eines Türkei-Besuchs gibt Putin den Bau-Stopp der „South-Stream“-Gaspipeline bekannt. Die Pipeline hätte Südost- und Südeuropa mit Gas aus Russland versorgt, Transitländer wären z.B. die Türkei und Bulgarien gewesen. Bulgarien hatte die Kooperation mit dem russischen Energiekonzern Gazprom eingestellt, was Russland zum Abbruch des Projektes bewog.

    Putin erklärt sich in Interviews angesichts des Ukraine-Konflikts zum „Schutzherr aller Russen“. Die Ukraine sei ein „untrennbarer Teil Russlands“ und ihre Abgabe an die Ukraine 1954 ein „historischer Fehler“ gewesen.

    In einer von Putin unterzeichneten Doktrin wird die Ukraine-Krise und die NATO-Osterweiterung als konkrete Gefahr für Russland bezeichnet.

  • 2015

    12. Februar: Nach einem gescheiterten Waffenstillstand treffen sich auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsident Francois Hollande die am Ukraine-Konflikt beteiligten Parteien im belarussischen Minsk. Vertreter der beiden Länder unterzeichnen ein Maßnahmenpaket zur Beendigung des Krieges.

    17. Februar: Putin reist zum Staatsbesuch nach Ungarn und trifft auf Premier Viktor Orban.

    27. Februar: Der Kreml-Kritiker und ehemalige Vize-Regierungschef Boris Nemzow wird unweit des Roten Platzes nachts in Moskau erschossen. Oppositionelle sehen als Verantwortliche die Regierung oder den Geheimdienst FSB.

    Putin selbst sagt, das Verbrechen sei eine „schändliche Tragödie“, aber auch eine „politische Provokation“, um die russische Gesellschaft zu destabilisieren.

    März: In einer Fernsehdokumentation gibt Putin offen zu, für die Annexion der Krim direkt verantwortlich zu sein.

    18. März: Putin und der politische Führer der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien unterzeichnen in Moskau ein Abkommen, das die wirtschaftliche und militärische Annexion Südossetiens an Russland vorsieht. Ein ähnliches Abkommen wird zuvor bereits mit dem ebenfalls abtrünnigen Abchasien geschlossen. Der Staatspräsident Georgiens, Giorgi Margwelaschwili, kritisiert diesen Schritt scharf.

    8. April: Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras nimmt einen Staatsbesuch in Russland vor und trifft dort unter anderem zu Gesprächen auf Staatspräsident Putin. Es wird dort über gemeinsame Wirtschaftsprojekte verhandelt. Tsipras wendet sich auch gegen die EU-Sanktionspolitik gegen Russland. Moskau lehnt jedoch immer noch eine Aufhebung des Einfuhrverbots für Lebensmittel nach Russland ab.

    13. April 2015: Putin hebt nach dem kurz zuvor zwischen UNO und Iran geschlossenem Atomabkommen das russische Exportverbot für ein vom Iran bestelltes Flugabwehrsystem auf.

    24. April 2015: Putin nimmt an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Völkermords an den Armeniern im Jahr 1915 in der armenischen Hauptstadt Eriwan teil.

    10. Mai: Einen Tag nach den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Deutschland im Zweiten Weltkrieg besucht die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Moskau. Dort gedenkt sie zusammen mit Wladimir Putin am Grabmal des unbekannten Soldaten der Toten des Krieges.

 

(nc/se/reh/lb) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 13.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Chmura, Nadine/Eimermacher, Stefanie/Haunhorst, Regina/Lepper-Binnewerg, Antoinette: Biografie Wladimir Putin, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/wladimir-putin.html
Zuletzt besucht am 29.07.2016

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