Dieser Eintrag stammt von Steffen Blaschke (* 1974),
Marburg, (steffen@steffenb.de), 09.01.2000.
Entmilitarisierung

Der Säbel


Hochzeitsphoto:Kurt und Paula Blaschke, 1936 Mein Großvater war Berufssoldat in einem Reiterregiment. Als der Zweite Weltkrieg sich 1945 dem Ende neigte, war er gerade auf Heimaturlaub in Mainz. Wie alle anderen Deutschen wurde auch meine Familie von den eintreffenden Amerikanern entmilitarisiert, d.h. es mußten alle Waffen abgegeben werden; Schußwaffen in jedem Fall und eben auch Stichwaffen, seien es nun Degen, Bajonette oder Säbel. Mein Großvater besaß eben einen solchen Säbel - eigentlich ein Zierstück, das aber zu seiner Ausgehuniform gehörte - und als er von den einmarschierenden Amerikanern festgenommen wurde und diese die Wohnung meiner Großeltern durchsuchten, da tat meine Großmutter etwas sehr Gewagtes. Ohne lange nachzudenken, versteckte sie den Säbel im Kinderbett meines Vaters, der kurz vor Kriegsende geboren wurde. Die Soldaten waren freundlich und sahen nur das kleine Kind in seinem Bett liegen, und mit einem "let the kid sleep" waren sie auch schon wieder verschwunden.
Als mein Großvater Anfang der 70er Jahre starb ging der besagte Säbel an meinen Vater und wahrscheinlich wird er irgendwann sich in meinen Händen befinden.

 

 

 

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