1962

 

Chronik

Photo: Adenauer und de Gaulle in der Kathedrale von Reims, 1962
Zeitschrift: "Der Spiegel" zum NATO-Manöver "Fallex 62", 1962
Zeitschrift: "Der Spiegel" zur Kuba-Krise, 1962
Januar
5./6.1. Auf der Frauenkonferenz des Zentralkomitees der SED wird beschlossen, die Mitarbeit von Frauen in Staat und Wirtschaft zu verstärken. Bisher sind 46 Prozent aller Beschäftigten in der DDR Frauen.
14.1. Verabschiedung der ersten Marktordnungen des Europäischen Agrarmarktes.
16.1. Beginn der Dreharbeiten zu dem Agentenfilm "James Bond jagt Dr. No". Damit startet die erfolgreichste Serie der Kinogeschichte.
15.-18.1. Abzug der in der West-Berliner Friedrichstraße stationierten US-amerikanischen Panzer und der in Ost-Berlin Unter den Linden stationierten sowjetischen Panzer.
20.1. Gleichzeitige deutsche Erstaufführung des Dramas "Andorra" von Max Frisch in Düsseldorf, Frankfurt/Main und München.
24.1. Die Volkskammer beschließt das "Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht" in der DDR und in Ost- Berlin.
Februar
3.2. Die USA verhängen ein Handelsembargo über Kuba.
7.2. Bei einer Schlagwetter-Explosion in der Grube Luisenthal bei Völklingen im Saarland, kommen 300 Bergleute ums Leben.
14.2. Sowjetische Störaktionen gegen den West-Berliner Luftverkehr.
17.2. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar wird Norddeutschland von der schwersten Flutkatastrophe seit 1855 heimgesucht; 330 Menschen sterben.
20.2. Den USA gelingt ihre erste erfolgreiche Erdumkreisung mit einer bemannten Weltraumkapsel.
Uraufführung des Theaterstückes "Die Physiker" des schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) in Zürich.
25.2. Anlässlich des 120. Geburtstages des Schriftstellers Karl May wird beschlossen, dessen Nachlass aus der DDR in das Karl-May-Museum in Bamberg zu überführen.
28.2. In Oberhausen veröffentlichen 26 junge Filmemacher das sogenannte "Oberhausener Manifest", eine Erklärung über den "Zusammenbruch des konventionellen deutschen Films" und den "Anspruch, den neuen deutschen Spielfilm zu schaffen".
März
13.-16.3. Die Synode der Evangelische Kirche tagt wegen der Errichtung der Berliner Mauer erstmals getrennt in Ost- und West-Berlin.
14.3. Eröffnung der Internationale Abrüstungskonferenz in Genf, an der neben den Großmächten USA und UdSSR, den Staaten Großbritannien, Italien, Kanada, Polen, Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien auch Vertreter von acht blockfreien Staaten teilnehmen. Erklärte Ziele der Konferenz liegen in der Abrüstung und in der Einstellung von Kernwaffenversuchen.
22.3. Die DDR-Regierung führt Reisevisa für Bundesbürger ein, die in die DDR einreisen wollen.
April
5.4. Der Bundestag beschließt eine beschränkte Finanzierung der Parteien durch den Staat.
9.4. Das "Komitee zum Studium der gesellschaftlichen Verhältnisse in Westdeutschland und ihrer Veränderungen" wird beim Nationalrat der Nationalen Front der DDR gebildet.
12.4. In der DDR wird die Verordnung über die Herausgabe und Herstellung von Presseerzeugnissen verabschiedet.
13.4. Die britische Band "The Beatles" tritt im Hamburger "Star-Club" erstmals in neuer Besetzung mit Ringo Starr (geb. 1940) am Schlagzeug auf.
Mai
12.5. Der 1. FC Köln wird nach einem 4:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg Deutscher Fußballmeister.
18.5. Premiere des Films "Das Brot der frühen Jahre" nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Böll.
30.5.-17.6. Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft. Die deutsche Mannschaft scheidet am 10.6. im Viertelfinale nach einer 0:1-Niederlage gegen Jugoslawien aus. Brasilien wird am 17.6. nach einem 3:1-Sieg über die Tschechoslowakei zum zweiten Mal nach 1958 Fußball-Weltmeister.
Juni
Nacht zum 1.6. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird nach seiner Verurteilung durch ein israelisches Gericht im Gefängnis Ramla nahe Tel Aviv hingerichtet.
4.6. Im spektakulärsten deutschen Indizienprozess der Nachkriegszeit werden Vera Brühne und ihr Bekannter Johann Ferbach des Doppelmordes für schuldig erkannt und zu lebenslanger Haft verurteilt.
14.6. Gründung der Europäischen Weltraumforschungsorganisation (ESRO), die ausschließlich friedlichen Zwecken dienen soll.
16./17.6. Der "Nationalkongress der Nationalen Front" verabschiedet ein "Nationales Dokument", das unter anderem die Koexistenz beider deutschen Staaten und eine Konföderation vorsieht. Der Beschluss basiert auf der Forderung der SED nach völkerrechtlicher Anerkennung beider deutscher Staaten.
23.6. Im Münchner Stadtteil Schwabing kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei, bei denen auf beiden Seiten zum Teil starke Verletzungen hervorgerufen werden. 1963 erlässt das Münchner Polizeipräsidium einen Katalog mit "goldenen Regeln" für Polizeibeamte, mit denen es auf die öffentliche Kritik am harten Vorgehen der Polizei reagiert.
24.6. In West-Berlin werden die ersten Boxweltmeisterschaften auf deutschem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg ausgetragen.
Juli
2.-8.7. Der Staatsbesuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer in Frankreich verhilft der deutsch-französischen Aussöhnung zum Durchbruch.
3.7. Aufgrund des Abkommens von Évian-les-Bains gewährt der französische Staatspräsident Charles de Gaulle Algerien die volle Autonomie. Damit kommt der seit 1954 andauernde Algerienkrieg zum Abschluss.
13.7. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer beschließen die Begrenzung der täglichen Werbesendungen im Fernsehen auf 20 Minuten.
20.7. Die USA bringen den ersten aktiven Funk- und Fernsehsatelliten der Welt in die Erdumlaufbahn.
August
5.8. Die amerikanische Filmschauspielerin Marilyn Monroe (geb.1926) wird in ihrer Wohnung in Los Angeles tot aufgefunden. Die genauen Todesumstände sind bis heute ungeklärt.
9.8. Der Schriftsteller Hermann Hesse stirbt in Montagnola/Schweiz.
17.8. Bei einem Fluchtversuch über die Berliner Mauer wird der 18-jährige Ost-Berliner Bauarbeiter Peter Fechter (geb.1944) von DDR-Volkspolizisten angeschossen. Fechter verblutet im Niemandsland zwischen Stacheldraht und Panzersperren, ohne dass ihm DDR-Soldaten oder amerikanisches Militär zu Hilfe kommen. In den folgenden Tagen kommt es in West-Berlin zu Demonstrationen, die teilweise nur mit Polizeigewalt von einem Vordringen auf die Mauer abgehalten werden können.
22.8. Die UdSSR gibt die Auflösung ihrer Kommandantur in Ost-Berlin bekannt.
23.8. Mit der ersten Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Folgen des Schlafmittels "Contergan" wird eine "der größten medizinischen Katastrophen" bekannt. Die Einnahme des Mittels während der Frühschwangerschaft führt allein in der Bundesrepublik zu teils schweren Mißbildungen bei etwa 4.000 bis 5.000 Neugeborenen, von denen viele frühzeitig sterben. Etwa 4000 betroffene Eltern treffen sich am 19. Juni 1965 zu einem Kongress. Anklage gegen Angestellte der Herstellerfirma Chemie Grünenthal GmbH wird im März 1967 erhoben.
September
2.9. Die UdSSR sagt Kuba die Versorgung mit Waffen und militärischen Ausbildern zu.
4.-9.9. Der Staatsbesuch des französischen Präsidenten Charles de Gaulles in der Bundesrepublik wird von großen Sympathiebekundungen seitens der Bevölkerung begleitet.
6.9. Der Komponist Hanns Eisler stirbt in Ost-Berlin.
8.9. In einer Rede in Leipzig bezeichnet der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht die Berliner Mauer als "antifaschistischen Schutzwall".
11.9. Die UdSSR warnt die USA vor einem Angriff auf Kuba, da dies den Ausbruch des Dritten Weltkrieges zur Folge hätte.
12.9. Mit der Gründung des "Rates für Industrieform" reagiert die DDR auf den steigenden Konsum technischer Gebrauchsgüter in den Privathaushalten. 1964 wird die "ästhetische Prüfpflicht" für Konsumprodukte in der DDR eingeführt.
19.9. Eröffnung der 14. Internationalen Buchmesse in Frankfurt/Main, die in diesem Jahr mit 100.000 Büchern (darunter 20.000 Neuerscheinungen) von 2.000 Verlagen ein neues Rekordangebot aufstellt.
20.9. Der US-amerikanische Senat ermächtigt Präsident John F. Kennedy, "notfalls mit Waffengewalt gegen Versuche vorzugehen, von Kuba aus den Kommunismus auf andere lateinamerikanische Länder zu übertragen".
27.9. Präsident Kennedy erklärt, dass die USA sich entschlossen zur Wehr setzen werden, wenn sie von Kuba aus angegriffen würden oder wenn West-Berlin in Gefahr geriete.
Oktober
7.10. Eröffnung einer umfangreichen Ausstellung der Werke des 1959 verstorbenen Malers George Grosz in der Akademie der Künste in West-Berlin.
15.10. Luftaufnahmen von Kuba zeigen die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf der Insel.
22.-28.10. Kuba-Krise: Am 22.10. fordert der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy in einer dramatischen Fernsehansprache den Abbau aller sowjetischen Raketen und Abschussanlagen auf Kuba. Am 24.10. beginnen die USA eine Seeblockade gegen sowjetische Frachter um Kuba. Der kubanische Staatschef Fidel Castro erklärt die Mobilmachung. Am 28.10. kündigt der sowjetische Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow den Abzug der sowjetischen Angriffswaffen aus Kuba an.
26.10. Beginn der Spiegel-Affäre. Im Auftrag der Bundesanwaltschaft durchsucht die Polizei die Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Anlass für die Untersuchung ist der "Spiegel"-Artikel "Bedingt abwehrbereit" vom 10.10., in dem sich der Chefredakteur Conrad Ahlers kritisch mit der Verteidigungskonzeption der Bundesrepublik auseinandersetzt. In der Folge werden der Herausgeber Rudolf Augstein und Conrad Ahlers unter dem Verdacht des Landesverrates verhaftet.
November
1.11. Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin Willy Brandt eröffnet in London eine Ausstellung über die wirtschaftliche, politische und kulturelle Situation im geteilten Berlin.
3.11. Im Münchner Haus der Kunst wird die Ausstellung Der Expressionismus eröffnet, die Werke aller wichtigen Vertreter dieser Kunstrichtung präsentiert.
7.11. Der Architekt Walter Gropius legt den Grundstein zu einer Großraumsiedlung in Britz-Buckow-Rudow in West-Berlin, der späteren "Gropiusstadt".
14.11. Eröffnung des Ernst-Barlach-Museums in Hamburg.
19.11. Rücktritt der fünf FDP-Bundesminister, um die Voraussetzungen für Verhandlungen über eine Regierungsumbildung zur Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der CDU/CSU zu schaffen. Die FDP fordert den Rücktritt des Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß im Zusammenhang mit der "Spiegel-Affäre" und die Zusage, dass Adenauer noch in der laufenden Legislaturperiode sein Amt vorzeitig abgibt.
23.11. Die SED veröffentlicht einen neuen Entwurf ihres Parteiprogramms, in dem unter anderem der Führungsanspruch der SED und die nationale Einheit zur Reform des Wirtschaftssystems festgeschrieben werden.
30.11. Bundesverteidigungsminister Strauß erklärt, dass er einer neuen Regierung Adenauer nicht mehr angehören werde. Damit gibt er dem Druck von FDP, SPD und Öffentlichkeit nach, die sein Verhalten im Zusammenhang mit der Spiegel-Affäre nicht billigen.
Dezember
7.12. Der Bundestag regelt das Bundesurlaubsgesetz neu, das den Mindesturlaub auf 15 Tage festlegt.
11.12. Nachdem Verhandlungen zur Bildung einer Großen Koalition zwischen CDU und SPD gescheitert sind und die CDU/CSU die FDP-Forderungen vom 19.11. erfüllt hat, wird die 5. Regierung Adenauer erneut aus einer CDU/CSU-FDP Koalition gebildet.
12.12. Mit der erfolgreichen Premiere des Films "Der Schatz im Silbersee" nach dem gleichnamigen Roman von Karl May beginnt eine Serie von Karl-May-Verfilmungen in der Bundesrepublik.
14.12. Die US-amerikanische Raumsonde "Mariner 2" erreicht als erstes von Menschenhand gefertigtes Objekt einen anderen Planeten, die Venus.
Gründung der Deutschen Welthungerhilfe, deren Ziele in der "Hilfe zur Selbsthilfe" und der Sicherung des "Menschenrechts auf Ernährung" liegen.
18.12. Auf Empfehlung des NATO-Rates verhängt die Bundesregierung ein Ausfuhr-Verbot für Pipeline-Stahlrohre in die Sowjetunion.
Außerdem
Albert Camus: Tagebücher 1935-1942 (Tagebuchaufzeichnungen des 1960 verstorbenen Schriftstellers)
An der Stadtperipherie von Bremen wird die erste deutsche Trabantenstadt errichtet.
In der Bundesrepublik Deutschland kommt die Anti-Baby-Pille auf den Markt.

(iz/cwg) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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