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- Januar
- 1.1. Zum Jahresbeginn treten in der Bundesrepublik eine Reihe
von Gesetzesänderungen in Kraft: Das Wohngeld wird erhöht,
erstmals wird das neu geschaffene Kindererziehungsgeld gewährt,
und beim Arbeitslosengeld treten Verbesserungen vor allem für die
älteren Arbeitnehmer ein.
Portugal und Spanien treten der Europäischen Gemeinschaft bei, damit erhöht sich deren Mitgliederzahl
auf zwölf Staaten.
US-Präsident Ronald
Reagan wendet sich in einer Fernsehansprache an das sowjetische
und der sowjetische Parteichef Michail
Gorbatschow an das US-amerikanische Volk. Beide Politiker unterstreichen
in den Ansprachen ihren Willen zur Abrüstung.
- 7.1.
Mehrere tausend Polizisten räumen das Hüttendorf, das Gegner der Wiederaufbereitungsanlage
Wackersdorf im Taxöldner Forst errichtet haben.
US-Präsident Reagan verhängt einen totalen Wirtschaftsboykott
gegen Libyen. Der Appell an die Verbündeten der USA, sich am Boykott
zu beteiligen, stößt auf Ablehnung. Die Bundesregierung
lehnt, wie auch andere europäische Staaten, eine Beteiligung ab.
- 14.1. Das Bundesverfassungsgericht
erklärt den Ausschluss der Grünen
von den Beratungen der Geheimdienstetats im Deutschen
Bundestag für verfassungskonform.
- 15.1.
Der sowjetische Parteichef Gorbatschow schlägt in Moskau einen Drei-Stufen-Plan für den Abbau
aller Atomwaffen bis zum Jahr 2000 vor. Der Westen reagiert überwiegend positiv auf seine
Vorschläge.
- 16.1. Anträge der SPD und der Grünen, den Umweltschutz
als Staatsziel ins Grundgesetz
aufzunehmen, scheitern im Bundestag an der Haltung der
CDU/CSU.
- 20.1.
Frankreichs Staatschef
François Mitterrand (1916-1996)
und die britische Premierministerin
Margaret Thatcher
geben im nordfranzösischen Lille den Bau eines Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal
bekannt. Die Bauarbeiten werden 1994 abgeschlossen.
- 23.1.
In Düsseldorf stirbt der Künstler
Joseph Beuys im Alter von 64 Jahren.
- 28.1. Kurz nach dem Start explodiert die amerikanische Raumfähre
"Challenger". Alle sieben Besatzungsmitglieder, darunter zwei Frauen,
kommen bei der bisher schwersten bekannten Katastrophe der Raumfahrt
ums Leben. Die NASA setzt daraufhin alle bemannten Raumflüge auf
unbestimmte Zeit aus.
- 30.1. Die beabsichtigte Uraufführung des Films "Stammheim"
von Reinhard Hauff (geb. 1939) in Hamburg muss wegen Tumulten verschoben
werden. Die szenische Rekonstruktion des Prozesses gegen die Terroristen
Andreas Baader,
Ulrike Meinhof,
Gudrun Ensslin
und Jan-Carl Raspe (1944-1977) stellt Fragen nach gesellschaftlicher
Verantwortung für politisch motivierte Gewalt und Gegengewalt.
- Februar
- 3.2. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dass der
Bundestagsabgeordnete Otto
Schily gegen Bundeskanzler
Helmut Kohl am
29. Januar Strafanzeige wegen des Verdachts der Falschaussage vor den
Untersuchungsausschüssen
im Bundestag
und im Mainzer Landtag in der Parteispenden-Affäre
erstattet hat. Am 20. Februar nimmt die Koblenzer Staatsanwaltschaft
ein Ermittlungsverfahren gegen den Bundeskanzler auf, das am 20. Mai
aufgrund mangelnder Beweise eingestellt wird.
- 6.2.
Das
Ministerium für Staatssicherheit (MfS)
der DDR wird für "vorbildliche Pflichterfüllung im
Interesse des ganzen werktätigen Volkes" mit dem Karl-Marx-Orden und einem Ehrenbanner des
Zentralkomitees (ZK) der SED ausgezeichnet.
In der Worpsweder Zionskirche werden Malereien der Künstlerin
Paula Modersohn-Becker entdeckt.
- 7.2. Der Präsident Haitis, Jean-Claude Duvalier (geb.
1951), genannt "Baby Doc", wird nach monatelangen Unruhen gestürzt
und muss das Land verlassen. Ein militärisch-ziviles Gremium übernimmt
die Regierungsgeschäfte. "Baby Doc" hatte 1971 die Macht von seinem
Vater François (1907-1971), genannt "Papa Doc", übernommen
und mit Hilfe der paramilitärischen Organisation Tontons Macoutes
(Schreckgespenster) dessen Terrorregime fortgesetzt.
- 11.2. Auf der Glienicker Brücke zwischen West-Berlin und
Potsdam werden der sowjetische Regimekritiker Anatoli Schtscharanski
sowie drei westliche Agenten gegen fünf östliche Agenten ausgetauscht.
- 13.2. Das Bundeskartellamt genehmigt die Übernahme der
AEG durch den Daimler-Benz-Konzern. Damit ist der größte
Unternehmenszusammenschluss in der Geschichte der Bundesrepublik perfekt.
- 19.2. Der Präsident der DDR-Volkskammer,
Horst Sindermann (1915-1990), trifft zu einem viertägigen Besuch
in Bonn ein. Er ist der ranghöchste DDR-Politiker, der bisher die
Bundesrepublik besucht hat.
- 25.2.
In Moskau wird der XXVII. Parteitag der KPdSU eröffnet. Parteichef Gorbatschow kündigt "radikale
Reformen" in der Wirtschaft an.
- 26.2. Unter dem Druck der Opposition und der USA sowie der
Rebellion eigener Anhänger verlässt der philippinische Präsident
Ferdinand E. Marcos (1917-1989) die Philippinen und geht ins Exil nach
Hawaii. Neue Präsidentin wird Corazón Aquino (geb. 1933).
- 27.2. Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme (geb.1927)
wird in Stockholm von einem Unbekannten erschossen.
Mit der Ausstellung "Die Maler und das Theater im 20. Jahrhundert" wird die Kunsthalle "Schirn" in
Frankfurt/Main eröffnet.
- März
- 7.3.
Als neuer Jugendsender des Rundfunks der DDR wird das
Jugendradio DT 64 eingeführt.
- 13.3. Die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz
in West-Berlin geben bekannt, dass das Gemälde "Der Mann mit dem
Goldhelm" nicht - wie bisher angenommen - von dem niederländischen
Maler Rembrandt (1606-1669) stammt.
Der ehemalige Bundestagspräsident
Eugen Gerstenmaier stirbt in Remagen.
- 15.3.
Bundeskanzler Helmut Kohl und DDR-Staats- und Parteichef
Erich Honecker treffen am Rande der
Trauerfeierlichkeiten für den ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme in Stockholm
zusammen.
- 16.3. Aus den Parlamentswahlen in Frankreich gehen die bürgerlichen
Parteien als Sieger hervor und erreichen die absolute Mehrheit der Mandate.
Stärkste Fraktion bleiben die bislang regierenden Sozialisten.
Der rechtsradikalen Nationalen Front von Jean-Marie Le Pen (geb. 1928)
gelingt mit 35 Mandaten der Einzug ins Parlament. Premierminister wird
der Neo-Gaullist Jacques Chirac (geb. 1932). Präsident bleibt der
seit 1981 amtierende Sozialist François Mitterrand (1916-1996).
- 26.3.
Der italienische Weinskandal, der bereits mehrere Menschenleben in Italien gefordert hat, greift
auf die Bundesrepublik über. Erstmals wird auch hier mit Methylalkohol vergifteter Wein sichergestellt.
- 27.3. Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann (geb. 1934)
und US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger 1917-2006) unterzeichnen
in Washington zwei Abkommen über die Beteiligung deutscher Firmen
am US-Forschungsprogramm eines weltraumgestützten Raketenabwehrsystems
SDI (Strategic Defense Initiative/Strategische Verteidigungsinitiative).
- April
- 4.4.
Auf dem Marx-Engels-Forum in Ost-Berlin wird die große Bronzeplastik "Marx und Engels" von
Ludwig Engelhard (geb. 1924) aufgestellt.
- 5.4. Bei einem Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek "La
Belle", in der auch US-Soldaten verkehren, werden zwei Menschen getötet
und rund 200 verletzt. Die amerikanische Regierung erklärt, sie
habe Beweise, dass der Anschlag von einer libyschen Terrororganisation
verübt worden sei.
- 10.4. In den Kinos der Bundesrepublik läuft der Film "Rosa
Luxemburg" von Margarethe
von Trotta an. Der Film erzählt die politische Entwicklung
der Journalistin, Friedenskämpferin und Revolutionärin von
1898 bis 1919.
- 14.4.
Die Schriftstellerin und Philosophin
Simone de Beauvoir stirbt in Paris.
- 15.4. Als Vergeltung für frühere Terroranschläge
und das Berliner Bombenattentat vom 5. April bombardieren die Amerikaner
das Hauptquartier Muamar al Gaddafis (geb. 1942) in Tripolis/Libyen
und militärische Einrichtungen in Bengasi/Libyen.
Wegen des amerikanischen Luftangriffs auf Libyen sagt die Sowjetunion ein für Mitte Mai in
Washington geplantes amerikanisch-sowjetisches Außenministertreffen ab.
- 16.4. Anlässlich des 100. Geburtstags von Ernst
Thälmann wird im Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg der "Thälmannpark"
eingeweiht.
- 17.4.
Der Bundestag beschließt eine Novelle des Tierschutzgesetzes, mit dem Tierversuche
eingeschränkt werden.
- 21.4. Die EG-Außenminister vereinbaren auf einem Treffen
in Luxemburg gemeinsame Maßnahmen zur Terrorbekämpfung, die
sich vor allem gegen Libyen richten.
- 25.4. Nach fünftägigen Verhandlungen einigen sich
die EG-Landwirtschaftsminister gegen den Widerstand von Bundeslandwirtschaftsminister
Ignaz Kiechle (geb. 1930) auf eine Anzahl von preis- und produktionsbegrenzenden
Maßnahmen. Mit den nun gefassten Beschlüssen leitet die EG
eine Abkehr von der bisherigen Subventionspolitik ein. Am 13. Mai beschließt
die Bundesregierung nationale Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft
in Höhe von 808 Millionen DM.
- 26.4. In dem Kernkraftwerk von Tschernobyl nördlich von
Kiew/UdSSR schmilzt der Reaktorkern und verursacht die bisher größte
Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Nutzung von Atomenergie.
Nach offiziellen Angaben wird eine Strahlung von insgesamt 50 Millionen
Curie freigesetzt, was ungefähr 40 bis 50mal soviel Radioaktivität
wie bei der Atombombenexplosion über Hiroshima im August 1945 ausmacht.
Auch in der Bundesrepublik werden erhöhte Strahlungswerte gemessen.
- Mai
- 4.-6.5.
Auf dem 12.
Weltwirtschaftsgipfel
in Tokyo werden Erklärungen zum Terrorismus, zur Nutzung
der Kernenergie und zu Wirtschaftsfragen verabschiedet.
- 6.5.
Nach 12jährigen Verhandlungen wird ein
Kulturabkommen zwischen beiden deutschen Staaten
in Ost-Berlin unterzeichnet.
- 12.5.
Die EG stoppt die Einfuhr von durch das Reaktorunglück in Tschernobyl strahlengeschädigten Lebensmitteln
aus den osteuropäischen Ländern bis zum 31. Mai 1986.
- 14.5.
In der ersten öffentlichen Stellungnahme zum Reaktorunglück in Tschernobyl fordert der sowjetische
Parteichef Gorbatschow zur internationalen Zusammenarbeit in Kernenergiefragen auf.
- 17.-19.5.
Mehr als 300 Menschen, darunter 157 Polizisten, werden bei den bislang heftigsten
Ausschreitungen am Bauzaun der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf/Bayern verletzt.
- 21.5. Die Bundesregierung
verabschiedet eine Soforthilfe für Landwirte, deren Erzeugnisse
wegen radioaktiver Verseuchung infolge des Reaktorunglücks in Tschernobyl
nicht verkauft werden konnten.
- 26.5. Die DDR verlangt von den in Ost-Berlin akkreditierten
westlichen Diplomaten beim Grenzübergang nach West-Berlin die Vorlage
ihrer Diplomatenpässe statt der bisher ausreichenden Dienstausweise.
Großbritannien, Frankreich und die USA sehen darin einen Verstoß
gegen den Viermächtestatus der Stadt und drohen der DDR mit dem
Abbruch der diplomatischen Beziehungen für den Fall, dass auch
ihre Diplomaten von diesen Maßnahmen betroffen würden. Im
Juni macht die DDR die Maßnahmen weitgehend rückgängig.
- 27.5. US-Präsident Reagan erklärt, dass die USA die
Bestimmungen des (nicht ratifizierten) Salt-II- Rüstungskontrollabkommens
mit der UdSSR nicht länger einhalten werden. Er begründet
dies mit der fortwährenden Aufrüstung der Sowjetunion.
- Juni
- 2.6.
Die Bundestagsfraktionen der CDU/CSU und der F.D.P. einigen sich auf die Einsetzung eines
Untersuchungsausschusses, der die Geschäftspraktiken der gewerkschaftlichen
Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat" durchleuchten soll.
- 3.6. Bundeskanzler Kohl gibt die Einrichtung eines Bundesumweltministeriums
bekannt. Erster Bundesumweltminister wird am 6. Juni Walter Wallmann
(geb. 1932) (CDU).
- 7.6.
In der Villa Hügel in Essen wird die Ausstellung "Barock in Dresden" mit 659 Leihgaben aus der
DDR eröffnet. Die Ausstellung zieht mehr als 320.000 Besucher an.
- 8.6.
In der DDR finden Volkskammerwahlen nach den Einheitslisten statt. Auf der konstituierenden
Sitzung der Volkskammer am 16./17. Juni wird die gesamte Staatsführung ohne nennenswerte
Änderungen bestätigt.
Trotz heftiger Proteste aufgrund seiner angeblichen NS-Vergangenheit wird der ehemalige
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kurt Waldheim (geb. 1918), zum neuen österreichischen
Bundespräsidenten gewählt. Die Wahl war von Vorwürfen des Jüdischen Weltkongresses begleitet, der
Waldheim der Mitwisser- und Täterschaft bei NS-Kriegsverbrechen auf dem Balkan bezichtigt. Eine
Beteiligung an den Verbrechen kann ihm aber nicht nachgewiesen werden. Nach Waldheims Wahl ruft
Israel seinen Botschafter in Wien ab.
- 12.6. Über die ganze Republik Südafrika wird nach
Rassenauseinandersetzungen der Ausnahmezustand verhängt. Anlass
ist der zehnte Jahrestag der Unruhen von Soweto 1976.
- 25.-27.6. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker trifft
zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Schweden ein. Vertreter beider
Länder unterzeichnen Verträge zum Ausbau des Handels und zu
Rechtsfragen.
- 26.6.
Das US-amerikanische Repräsentantenhaus bewilligt US-Präsident Ronald Reagan die
geforderten 100 Millionen Dollar für die militärische Unterstützung der "Contras", die in Nicaragua
gegen die linksgerichtete Regierung kämpfen.
- 27.6. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag stellt in
einem Urteil fest, dass die USA durch die Verminung von Häfen in
Nicaragua 1984 und durch die Unterstützung der antisandinistischen
"Contra"- Rebellen gegen internationale Verpflichtungen und bilaterale
Abkommen verstoßen haben. Die Aufforderung des Gerichts, Nicaragua
für die entstandenen Verluste zu entschädigen, wird von den
USA nicht akzeptiert.
- 28.6.
Die bayerische Landesregierung verhängt gegen 322 Österreicher, die an einer Demonstration
gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf teilnehmen wollen, ein Einreiseverbot.
- 29.6.
In Venedig eröffnet die Kunst-Biennale mit 2500 Werken von mehr als 600 Künstlern aus 42 Ländern.
- 30.6.
Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft schlägt die argentinische die deutsche Mannschaft mit
3:2 und sichert sich zum zweiten Mal nach 1978 den Weltmeistertitel.
- Juli
- 1.7.
Als erstes europäisches Land verbietet die Schweiz Verkauf und Verwendung phosphathaltiger
Waschmittel. Damit soll die gefährlich hohe Schadstoffbelastung in den Alpenseen reduziert werden, die
bereits "umzukippen" drohen. Auch in der Bundesrepublik setzen sich zunehmend phosphatfreie
Waschmittel durch.
In der Bundesrepublik müssen Autoinsassen künftig 40 D-Mark
Bußgeld zahlen, wenn sie auf den Rücksitzen keine Sicherheitsgurte
angelegt haben.
- 9.7. Der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (geb.1930) und
sein Fahrer werden von einem ferngezündeten Sprengkörper in
Straßlach bei München getötet. Zu dem Mordanschlag bekennt
sich ein Kommando der Rote
Armee Fraktion (RAF).
- 20.7.
Bundesaußenminister
Hans-Dietrich Genscher
hält sich zu einem dreitägigen Besuch in
Moskau auf. Es wird ein Wissenschaftsabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion
unterzeichnet.
- 25.7.
In einem Antwortschreiben bezüglich neuer Abrüstungsinitiativen des sowjetischen Parteichefs
Gorbatschow erklärt sich US-Präsident Ronald Reagan bereit, die Stationierung von Weltraumwaffen
(SDI) um fünf bis sieben Jahre aufzuschieben.
- 26.7. Wegen der Einleitung hochgiftiger Cyanide in einen Zufluss
der Saar kommt es zum bisher größten bekanntgewordenen Fischsterben
in diesem Fluss. Auch entlang der Mosel muss die Trinkwassergewinnung
eingestellt werden.
Bundeskanzler Kohl kritisiert in einem Interview das Vorgehen der DDR,
Asylbewerber über West-Berlin in die Bundesrepublik abzuschieben.
Am 10. August erklärt das Außenministerium der DDR, dass
die DDR als Transitland keinen Grund habe, die Durchreise von Ausländern
nach West-Berlin zu verweigern. Am 18. September verschärft die
DDR dennoch die Einreisebestimmungen und verringert damit die Zahl der
Asylbewerber, die über Ost-Berlin in die Bundesrepublik einreisen.
- 26./27.7.
Kernkraftgegner
veranstalten in Burglengenfeld bei Wackersdorf ein friedlich verlaufendes
"Anti WAAhsinnsfestival", bei dem zahlreiche prominente Rockmusiker unentgeltlich vor 100.000
Zuschauern auftreten. Auf der Bühne stehen unter anderem BAP, Udo Lindenberg (geb. 1946) und Herbert
Grönemeyer (geb. 1956).
- 28.7.
Der sowjetische Parteichef Gorbatschow kündigt in einer Grundsatzrede zur Innen- und
Außenpolitik in Wladiwostok einen Teilabzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan an. Bis Ende
1986 sollen sechs Regimenter das Land verlassen haben.
- August
- 17.8.
In der Orangerie des Schlosses Charlottenburg in West-Berlin wird die Ausstellung "Friedrich der
Große" eröffnet. Aus Anlaß des 200. Todestages des preußischen Königs Friedrich II. (1712-1786)
befassen sich in der Bundesrepublik und in der DDR zahlreiche Veranstaltungen und Fernsehbeiträge
mit dem "Alten Fritz".
- 26.8.
In Südafrikas größter Schwarzensiedlung Soweto bei Johannesburg kommt es zu den blutigsten
Zusammenstößen zwischen der Polizei und schwarzen Demonstranten seit der Verhängung des
Kriegsrechts am 12. Juni 1986.
- 27.8.
Die Bundesregierung beschließt Maßnahmen gegen die Einreise von Asylbewerbern. Künftig
werden unter anderem Fluggesellschaften oder Schiffahrtslinien unter Androhung eines Strafgeldes
verpflichtet, nur Personen mit ordnungsgemäßen Papieren in die Bundesrepublik zu befördern.
- September
- 6.9.
Der größte Museumsneubau der Bundesrepublik, der das Wallraf-Richartz-Museum und das
Museum Ludwig vereinigt, wird in Köln eröffnet.
- 15.9.
Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrieren vor dem DDR-Ministerium für
Umweltschutz in Ost-Berlin gegen die Salzeinleitung der Kalibergwerke der DDR in die Werra.
Volkspolizisten beenden die Aktion nach wenigen Minuten und schieben die Greenpeace-Aktivisten
nach West-Berlin ab.
- 16.9. In Brüssel verständigen sich die Außenminister
der EG-Staaten auf Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika. Das Bundeskabinett
erklärt sich jedoch außerstande, den Beschlüssen zuzustimmen.
- 18.9. Der West-Berliner Brotfabrikant Horst Schiesser (geb.
1930) kauft die marode gewerkschaftseigene Wohnungsbaugesellschaft "Neue
Heimat", die mit rund 17 Milliarden D-Mark verschuldet ist, zum symbolischen
Preis von 1 D-Mark.
- 19.9. Unterzeichnung der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft
zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt in Saarlouis. Am 6. Oktober
erfolgt die Unterzeichnung in Eisenhüttenstadt.
- 25.9.
Der Bundestag beschließt im Bundessozialhilfegesetz die Gleichstellung von NS-Opfern mit
Kriegsopfern bei der Sozialhilfe.
- 26.9. Der Bertelsmann-Konzern erwirbt für 960 Millionen
D-Mark den zweitgrößten US-amerikanischen Buchverlag Doubleday
& Co. Damit ist die Bertelsmann-Gruppe bis 1988 größter Medienkonzern
der Welt.
- Oktober
- 3.10. Die von dem "stern"-Gründer Henri Nannen (1913-1996)
gestiftete Kunsthalle Emden wird eröffnet.
- 7.10.
Trotz zahlreicher Proteste wird das Kernkraftwerk Brokdorf an der Unterelbe als erstes deutsches
Kernkraftwerk nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Betrieb genommen.
- 10.10. In Bonn wird Gerold von Braunmühl (geb.1935), Leiter
der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, auf offener Straße
von RAF-Terroristen
erschossen.
- 11.10.
Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren in Hasselbach im Hunsrück gegen die Stationierung
von US-amerikanischen Marschflugkörpern (Cruise Missiles).
- 11./12.10. Gespräche zwischen US-Präsident Ronald
Reagan und dem sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow in Reykjavik/Island
enden ohne Vereinbarungen. Beide Seiten können sich nicht über
das US-amerikanische SDI-Programm einigen.
- 15.10. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Newsweek"
stellt Bundeskanzler Helmut Kohl den sowjetischen Parteichef in einen
engen Zusammenhang mit NS-Propagandaminister Joseph
Goebbels: "Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der
sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für
die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein
Experte für Public Relations". Das Interview belastet die deutsch-sowjetischen
Beziehungen erheblich.
- 16.10.
Die Bundesrepublik wird für zwei Jahre in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewählt.
- 21.-26.10. Offizieller Freundschaftsbesuch des Staats- und
Parteichefs der DDR, Erich Honecker, in der Volksrepublik China.
- 30.10.
In Ost-Berlin wird mit der Ausstellung "Positionen - Malerei aus der Bundesrepublik Deutschland"
erstmals zeitgenössische Kunst aus dem Westen gezeigt.
- November
- 1.11. Bei einem Großbrand in dem Schweizer Chemiekonzern
Sandoz in der Nähe von Basel gelangen mit dem Löschwasser
erhebliche Mengen giftiger Chemikalien in den Rhein und verursachen
ein weitausgreifendes Fischsterben. Der Oberlauf des Flusses ist danach
biologisch nahezu tot und der Unterlauf schwer beschädigt. Die
Bundesrepublik löst Rheinalarm aus.
- 6.11.
Bundeskanzler Kohl distanziert sich vor dem Bundestag von dem veröffentlichten Text des
Interviews mit dem US-Magazin "Newsweek" vom 15. Oktober, in dem er den sowjetischen Parteichef
Gorbatschow mit dem NS-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen hatte. Kohl ist jedoch nicht
zu einer offiziellen Entschuldigung bereit. Daraufhin werden mehrere Reisen und Einladungen seitens der
Sowjetunion abgesagt.
- 11.11. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, dass Sitzblockaden
vor militärischen Einrichtungen grundsätzlich strafbar sind.
- 12.11.
Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR wird eine Vereinbarung über die
gegenseitige Rückführung von kriegsbedingt verlagerten Kulturgütern geschlossen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kauft die Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat", die er
am 18. September an den Brotfabrikanten Schiesser verkauft hatte, zurück.
- 13.11.
Der Bundestag verabschiedet ein neues Asylrecht, nach dem rechtskräftig abgewiesene
Asylbewerber schneller in ihre Heimat zurückgeschickt werden können, während für Bewerber ohne
berechtigte Gründe die Einreise in die Bundesrepublik erschwert wird.
US-Präsident Reagan erklärt, die Erlaubnis für geheime amerikanische Waffenlieferungen in den Iran
gegeben zu haben.
- 25.11. US-Präsident Ronald Reagan zieht erste personelle
Konsequenzen aus den Enthüllungen über illegale Waffengeschäfte
mit dem Iran. Er entlässt seinen Sicherheitsberater John Poindexter
(geb. 1936) und Oberstleutnant Oliver North (geb. 1943). Entgegen ihrer
offiziellen anti-iranischen Haltung hatten die USA Waffen an den Iran
geliefert, um die Freilassung US-amerikanischer Geiseln aus dem Libanon
zu erreichen. Die Gelder aus dem Geschäft wurden als Militärhilfe
an die "Contras", die in Nicaragua gegen die linksgerichtete Regierung
kämpfen, weitergeleitet. Ein Ausschuss des Senats kann nicht klären,
wie weit Reagan persönlich in die "Iran-Contra-Affäre" verstrickt
ist.
- 26.11. Gegen die Howaldtwerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel
wird ermittelt, weil sie Konstruktionspläne für U-Boote illegal
an Südafrika verkauft haben soll. Zwei Tage später wird in
Bonn bestätigt, dass Bundeskanzler Kohl informelle Gespräche
über den Verkauf von U-Booten an Südafrika geführt hat.
Am 18. Dezember setzt der Bundestag einen Untersuchungsausschuss ein,
der sich mit den Vorgängen befassen soll.
- Dezember
- 6.12.
Die Staats- und Regierungschefs der EG-Mitgliedstaaten verständigen sich auf ihrer 35.
Gipfelkonferenz in London auf ein gemeinsames Vorgehen gegen Terrorismus und Rauschgifthandel
sowie Maßnahmen gegen Krebs und die Immunschwächekrankheit AIDS.
- 10.12. Der Friedensnobelpreis
wird an den US-amerikanischen Schriftsteller Elie Wiesel (geb. 1928)
vergeben. In seinen Romanen, Dramen und Essays wendet er sich gegen
die Gleichgültigkeit, die menschenverachtende Verbrechen erst ermögliche.
Wiesel, der die Deportation ins Konzentrationslager
überlebte, befasst sich in seinen Werken immer wieder mit der Verfolgung
und Vernichtung der Juden.
Die Deutschen Ernst Ruska (1906-1988) und Gerd Binnig (geb. 1947) erhalten zusammen mit dem
Schweizer Heinrich Rohrer (geb. 1933) den Nobelpreis für Physik.
- 31.12. Bei der Ausstrahlung der Neujahrsansprache von Bundeskanzler
Helmut Kohl kommt es im Ersten Deutschen Fernsehen zu einer Panne: Es
wird die Ansprache des Kanzlers vom Vorjahr wiederholt. Die ARD sendet
die korrekte Fassung am 1. Januar 1987.
- Außerdem
-
Günter Grass: Die Rättin (Roman)
(iz/cwg)
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