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- Januar
- 1.1. Radio Moskau sendet eine Ansprache des US-amerikanischen
Präsidenten Ronald
Reagan an das sowjetische Volk, in der er seiner Hoffnung auf weitere
Abrüstungsschritte Ausdruck verleiht.
Etwa 1.000 Studenten ziehen in der Neujahrsnacht von der Pekinger Universität
zum Platz des Himmlischen Friedens. Sie bezeichnen ihren Marsch für
Demokratie und Pressefreiheit als einen bedeutenden Wendepunkt in der
chinesischen Geschichte.
Die Bundesrepublik nimmt zum zweiten Mal seit dem Beitritt
zu den Vereinten Nationen einen Sitz im UN-Sicherheitsrat ein.
- 4.1. Auf dem Deutschlandtreffen der CDU
in Dortmund bezeichnet Bundeskanzler Helmut
Kohl die DDR als "Regime, das politische Gefangene in Gefängnissen
und Konzentrationslagern hält". Wegen der Nennung des Begriffs
Konzentrationslager
legt der Ständige Vertreter der DDR in Bonn zwei Tage später
offiziellen Protest ein.
- 9.1. Zu Beginn des Jubiläumsjahres zum 750jährigen
Bestehen der Stadt Berlin wird das Bode-Museum in Ost-Berlin nach gründlicher
Renovierung wieder eröffnet.
- 13.1. Auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen wird der Libanese
Mohammed Ali Hamadei verhaftet. Er wird beschuldigt, im Juni 1985 an
der Entführung eines US-amerikanischen Flugzeugs nach Beirut beteiligt
gewesen zu sein. Am 24. Juni wird er in der Bundesrepublik vor Gericht
gestellt.
- 17.1. In Beirut wird der Hoechst-Manager Rudolf Cordes (geb.
1933) von Mitgliedern der Schiitischen "Hisbollah" Bewegung entführt.
In der Nacht zum 21. Januar wird der Siemens-Techniker Alfred Schmidt
ebenfalls in Beirut entführt. Damit soll die Freilassung von Mohammed
Ali Hamadei erzwungen werden.
- 18.1. Die Verantwortlichen der Sendeanstalten ARD und ZDF schließen
mit Vertretern des Fernsehens
der DDR Produktions- und Kooperationsvereinbarungen ab.
- 19.1. Eine Enquete-Kommission des Deutschen
Bundestags in Bonn legt nach mehr als zweijähriger Arbeit ihren
Bericht über Chancen und Risiken der Gentechnologie vor.
- 22.1. In Leningrad wird das erste private Café eröffnet.
Ihm sollen laut Berichten der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS in
Kürze weitere Cafés und Konditoreien sowie Reparatur- und
Schneiderwerkstätten folgen.
- 25.1. Bei der Wahl zum 11. Deutschen Bundestag erhalten CDU/CSU
44,3 Prozent, SPD 37 Prozent, F.D.P. 9,1 Prozent und die Grünen
8,3 Prozent der Stimmen. Die CDU/CSU erzielt damit ihr bis dahin schlechtestes
Ergebnis seit 1949, die SPD seit 1961. Dennoch kann sich die christlich-liberale
Koalition mit einer klaren Mehrheit behaupten.
- 28.1. Veröffentlichung der Rede des Generalsekretärs
der KPdSU Michail
Gorbatschow "Über die Umgestaltung und die Kaderpolitik der
Partei" im SED-Parteiorgan
"Neues Deutschland" in der Zusammenfassung der sowjetischen Nachrichtenagentur
TASS. Die Abschnitte mit der scharfen Kritik an Gorbatschows Amtsvorgängern
werden nicht erwähnt.
- Februar
- 1.2. In West-Berlin wird für drei Tage erstmals die Smog-Alarmstufe
I ausgelöst, mit der unter anderem ein Fahrverbot für benzinbetriebene
Kraftfahrzeuge verbunden ist, die noch nicht mit Katalysator ausgerüstet
sind.
- 5.2. Die DDR-Regierung gibt offiziell bekannt, dass der Chef
des Spionagedienstes der DDR, Markus
Wolf, aus gesundheitlichen Gründen und auf eigenen Wunsch aus
dem Ministerium
für Staatssicherheit(MfS) ausscheidet.
- 9.2. In Hessen zerbricht die seit Dezember 1985 regierende
rot-grüne Koalition an der Diskussion über das umstrittene
Genehmigungsverfahren für die Plutoniumfabrik Alkem (Hanau). Einen
Tag später erklärt Ministerpräsident Holger Börner
(1931-2006) seinen Rücktritt.
- 10.2. Die Bundesregierung
beschließt, dass auch bei den sogenannten Trümmerfrauen
stufenweise Kindererziehungszeiten zur Bemessung der Renten angerechnet
werden.
- 12.2. In den Kinos der Bundesrepublik läuft der Film "Blue
Velvet" von David Lynch (geb. 1946) an. Der Film deckt Sex, Brutalität
und sadistische Exzesse hinter der steril-idyllischen Fassade einer
US-amerikanischen Familie auf und entwickelt sich zu einem Kultfilm.
- 16.2. In der sogenannten Flick-Parteispendenaffäre
verurteilt das Bonner Landgericht die ehemaligen Wirtschaftsminister
Otto Graf Lambsdorff (geb.1926)
und Hans Friderichs (geb. 1931) sowie den früheren Flick-Manager
Eberhard von Brauchitsch (geb. 1926) wegen Steuerhinterziehung zu hohen
Geldstrafen. Brauchitsch wird zusätzlich zu Haft auf Bewähung
verurteilt. Den Vorwurf der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung
hatte die Staatsanwaltschaft im Laufe der Verhandlung fallen gelassen.
- 20.2. Der brasilianische Staatspräsident José Sarney
(geb. 1930) verkündet einen 99tägigen Zahlungsstop von Zinsen
an die Gläubigerländer Brasiliens. Der Staat ist mit 108 Milliarden
US-Dollar das höchstverschuldete Land der Welt.
- 22.2. In New York stirbt im Alter von 58 Jahren der Künstler
Andy Warhol (geb.1928).
- 23.2. Der sowjetische Schriftsteller Boris Pasternak (1890-1960),
der für seinen Roman "Doktor Schiwago" 1958 den Nobelpreis erhalten
hatte, wird im Zuge der kulturpolitischen Liberalisierung postum wieder
in den sowjetischen Schriftstellerverband aufgenommen und damit rehabilitiert.
- 24.2. Der sowjetische Parteichef Gorbatschow gibt auf einem
Gewerkschaftskongress in Moskau erstmals öffentlich zu, dass es
in der Parteispitze Auseinandersetzungen um seine Demokratisierungspolitik
gibt.
- 25.2. Das bayerische Kabinett verabschiedet die von Innenminister
Peter Gauweiler (geb. 1949) erarbeiteten Maßnahmen zur Eindämmung
der Immunschwächekrankheit AIDS, die unter anderem die Meldepflicht
für Infizierte und Zwangstests für sogenannte Risikogruppen
vorsehen. Der bayerische Alleingang wird von den übrigen Parteien,
einschließlich der CDU, kritisiert.
- März
- 1.3. Der Ständige Vertreter der DDR in Bonn, Ewald Moldt
(geb. 1927), übermittelt Bundeskanzler Kohl die Botschaft des Staats-
und Parteichefs der DDR, Erich
Honecker, Ost-Berlin und Bonn sollten ein gesondertes Abkommen über
Mittelstreckenraketen abschließen.
- 2.3. Im Ost-Berliner Friedrichstadtpalast gastiert der Schlagersänger
Udo Jürgens (geb. 1934) aus der Bundesrepublik an drei Abenden
hintereinander mit seinem Programm "Deinetwegen".
- 8.3. Aus Anlass des Internationalen Frauentags erscheint in
Moskau die Mode-Illustrierte "burda moden" als erste westdeutsche Zeitschrift
in russischer Sprache.
- 9.3. In der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin beginnt
der bundesdeutsche Rocksänger Peter Maffay (geb. 1949) eine Gastspielreise
durch die DDR.
- 11.3. Der Bundestag wählt Helmut Kohl erneut zum Bundeskanzler
einer christlich-liberalen Koalition.
- 12.3. Der Europäische Gerichtshof erklärt das 471
Jahre alte deutsche Brau-Reinheitsgebot im Rahmen der EG für unzulässig
und damit für Importbiere ungültig.
- 23.3. Nach parteiinternen Querelen um die von ihm vorgeschlagene
Pressesprecherin Margarita Mathiopoulos (geb. 1957) und seinen Führungsstil
erklärt Willy Brandt
nach 23jähriger Amtszeit seinen Rücktritt als SPD-Parteivorsitzender.
- 25.3. Erstmals nehmen zwei Offiziere der Bundeswehr
als Beobachter an einem militärischen Manöver der Sowjetunion
und der DDR bei Magdeburg teil.
- 30.3. Bei dem Londoner Auktionshaus Christie's ersteigert ein
anonymer ausländischer Sammler das Gemälde "Sonnenblumen"
von Vincent van Gogh (1853-1890) für umgerechnet 72,5 Millionen
D-Mark - die höchste Summe, die je für ein Gemälde bezahlt
worden ist.
- April
- 1.4. Die Einwohnermeldeämter in der Bundesrepublik beginnen
mit der Ausgabe des neuen Personalausweises. Die Plastikkarte ist computerlesbar
und angeblich fälschungssicher. Viele Bundesbürger üben
Kritik an dem neuen Ausweis, da sie in ihm ein Mittel des Staates zur
leichteren Kontrolle ihrer Person sehen.
- 13.4. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker lehnt die Einladung
des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin, Eberhard Diepgen
(geb. 1941), ab, zur 750-Jahr-Feier von Berlin in den Westteil der Stadt
zu kommen.
- 21.4. Zum vierten Mal innerhalb eines Monats kommt es zu einem
Zwischenfall in einem französischen Atomkraftwerk. Der zweite Block
des Kraftwerks Fessenheim im Elsass muss abgeschaltet werden, nachdem
drei Stunden lang radioaktiver Dampf in die Atmosphäre entwichen
ist.
- 27.4. US-Präsident Ronald Reagan gibt bekannt, dass Österreichs
Bundespräsident Kurt Waldheim (geb. 1918) wegen seiner Kriegsvergangenheit
als Privatmann nicht mehr in die Vereinigten Staaten einreisen darf.
- 30.4.-4.5. Papst
Johannes Paul II. kommt zu einem fünftägigen Besuch in
die Bundesrepublik. Dabei spricht er zwei Opfer des NS-Regimes, die
als Jüdin aufgewachsene Karmeliterin Edith Stein (1891-1942) und
den Jesuitenpater Rupert Mayer (1876-1945), selig.
- Mai
- 1.5. Nachdem die Polizei Boykottaufrufe gegen die Volkszählung
beschlagnahmt hat, kommt es zu schweren Auseinandersetzungen mit Jugendlichen
im West-Berliner Bezirk Kreuzberg, bei dem mehr als 60 Personen verletzt
werden.
- 5.5. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums teilt mit, dass
zum ersten Mal in diesem Herbst 30 Frauen in den Bundesgrenzschutz
aufgenommen werden. Sie werden Dienst in Uniform leisten und Waffen
tragen.
- 10.5. Eröffnung der 11. "Duisburger Aspekte" unter dem
Motto "Einblicke - Kunst und Kultur aus der DDR. Erbe und Gegenwart".
Etwa 800 Kunstschaffende aus der DDR präsentieren ihre Werke den
etwa 75.000 Besuchern.
- 17.5. In der Bundesrepublik läuft der Film "Der Himmel
über Berlin" von Wim Wenders (geb. 1945) an. Darin durchstreifen
zwei Engel die geteilte Stadt.
- 23.5.-5.7. Die Stiftung Deutsche Kinemathek zeigt in den Resträumen
des ehemaligen Hotels "Esplanade" in West-Berlin die Ausstellung "...
Film ... Stadt ... Kino ... Berlin ...!"
- 25.5. In der Bundesrepublik ist der Stichtag für die erste
landesweite Volkszählung seit 1970. Die Aktion verläuft nach
offiziellen Angaben trotz vereinzelter Übergriffe auf Zähler
und Boykottaufrufe von Volkszählungsgegnern zufrieden stellend.
- 28.5. Der Sportpilot Mathias Rust (geb. 1968) aus der Bundesrepublik
landet mit einer Cessna 172 auf dem Roten Platz in Moskau. Er war mittags
in Helsinki gestartet und hatte unbehelligt 800 km sowjetischen Luftraums
durchflogen. Zwei Tage nach der Landung wird Verteidigungsminister Sergej
Sokolow (geb. 1911) pensioniert und Luftabwehrchef Alexander Koldunow
abgesetzt. Am 4. September verurteilt der Oberste Gerichtshof der UdSSR
Rust zu vier Jahren allgemeinem Arbeitslager. Im August 1988 wird er
begnadigt.
- 29.5. An der Volksbühne in Ost-Berlin werden unter dem
Titel "Spektakel Berliner Geschichten en Suite" neun Stücke unterschiedlicher
Genres auf sieben Bühnen des Hauses an einem Abend aufgeführt.
Dazu gehört unter anderem Heiner
Müllers Stück "Preußische Spiele".
- Juni
- 3.-5.6. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker stattet den
Niederlanden einen offiziellen Besuch ab. Den Kernpunkt der Gespräche
bilden Abrüstungsfragen und die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen.
- 4.6. In einer Regierungserklärung plädiert Bundeskanzler
Helmut Kohl für die sogenannte doppelte Null-Lösung beim Abbau
der Mittelstreckenraketen in Europa. Danach würde die NATO auf
die Nachrüstung verzichten und die Sowjetunion ihre Mittelstreckenwaffen,
deren Aufstellung den NATO-Doppelbeschluss
begründete, abbauen.
Auf der Moorweide in Hamburg wird der sogenannte Kunstrummel "Luna,
Luna!" von André Heller (geb. 1947) eröffnet. Es werden
Bildentwürfe des spanischen Malers Salvador Dalí (1904-1989), ein
Glaslabyrinth des US-amerikanischen Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein
(1923-1997) und von dem deutschen Künstler Jörg Immendorff
(geb. 1945) gestaltete Schießbuden gezeigt.
- 6.6. Der Fußballtorwart Harald "Toni" Schumacher (geb.
1953) wird nach Erscheinen seines Buches "Anpfiff" vom Deutschen Fußballbund
(DFB) aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Sein Stammverein 1.
FC Köln löst den ursprünglich bis 1989 befristeten Vertrag
vorzeitig auf. In dem autobiographischen Bestseller behauptet Schumacher
unter anderem, dass Doping in der Bundesliga üblich sei. Außerdem
äußert er sich abfällig über einige Spielerkollegen.
- 6.-9.6. In Ost-Berlin kommt es zu schweren Auseinandersetzungen
zwischen Jugendlichen und der Volkspolizei. Die Sicherheitskräfte
versuchen, etwa 3.000 Rockfans, die vom Brandenburger Tor aus ein Rockkonzert
vor dem Reichstagsgebäude in West-Berlin mithören wollen,
den Zutritt zu verwehren. Trotz des großen Polizeiaufgebots fordern
die Menschen in der Straße Unter den Linden den Abriss der Mauer
und Freiheit, auch " Gorbatschow"-Rufe
werden laut.
- 8.6. Papst
Johannes Paul II. trifft zu einem Besuch in Polen ein. Dabei führt
der Papst sowohl mit Staats- und Parteichef Wojciech Jaruzelski (geb.
1923) als auch mit Arbeiterführer Lech Walesa (geb. 1943) Gespräche.
- 8./9.6. Der 13. Weltwirtschaftsgipfel
findet in Venedig statt.
- 12.6. Der US-Präsident Ronald Reagan reist zur 750-Jahr-Feier
nach West-Berlin. In seiner öffentlichen Rede vor dem Brandenburger
Tor fordert er den sowjetischen Parteichef Gorbatschow auf, die Mauer
niederzureißen und schlägt vor, Olympische Spiele in beiden
Teilen der Stadt abzuhalten. Am Rande der Feierlichkeiten kommt es zu
Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei.
- 12.6.-20.10. In Kassel zeigt die documenta 8 die aktuelle Gegenwartskunst.
Die künstlerische Leitung übernimmt nach der documenta 6 im
Jahr 1977 zum zweiten Mal der Kunsthistoriker Manfred Schneckenburger
(geb. 1938).
- 13.6. Mehr als 100.000 Menschen aus der ganzen Bundesrepublik
demonstrieren im Bonner Hofgarten für Frieden
und Abrüstung und fordern von der Bundesregierung die uneingeschränkte
Zustimmung zum Abbau sämtlicher Mittelstreckenraketen in Europa,
der sogenannten Nullösung.
- 13.-16.6. Der UN-Generalsekretär Javier Pérez de
Cuéllar (geb. 1920) trifft zu einem Besuch in Ost-Berlin ein.
Hauptgesprächsthema ist die Abrüstung in Mitteleuropa.
- 14.6. Auf einem Sonderparteitag der SPD wird Willy Brandt zum
Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit ernannt, ein Amt, das eigens für
ihn geschaffen wurde. Neuer Parteivorsitzender wird Hans-Jochen
Vogel.
- 14.6.-4.10. Als Parallelveranstaltung zur Kasseler documenta
wird in Münster erstmalig die Ausstellung "Skulptur. Projekte in
Münster" gezeigt.
- 16.6. Die Deutsche Bundesbank beschließt, die private
Verwendung des ECU
in der Bundesrepublik zuzulassen.
- 17.6. Am letzten Tag der Bundesligasaison feiert der FC Bayern
München seinen zehnten Deutschen Meistertitel.
In Wien beginnt die erste Konferenz der Vereinten Nationen über
Suchtmittelgebrauch und illegalen Drogenhandel. Experten aus rund 135
Ländern beraten über internationale Zusammenarbeit und praktische
Maßnahmen im Kampf gegen den Drogenmissbrauch.
- 24.-28.6. In Ost-Berlin wird erstmals seit 1961 wieder ein
evangelischer Kirchentag in der DDR durchgeführt.
- Juli
- 3.7. Der Wirtschaftskontrolldienst von Baden-Württemberg
teilt mit, dass bei routinemäßig durchgeführten Prüfungen
am 16. Juni in Nudeln Salmonellen festgestellt wurden. Weitere Überprüfungen
im ganzen Bundesgebiet bestätigen die Stichproben.
- 4.7. In Lyon wird der ehemalige Gestapo Chef von Lyon, Klaus Barbie, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in 17
Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt.
- 5.7. Bundeskanzler Kohl und der französische Ministerpräsident
Jacques Chirac (geb. 1932) gedenken in Reims und Colombey-les-deux-Eglises
der Aussöhnung zwischen Frankreich und der Bundesrepublik vor 25
Jahren durch Charles
de Gaulle und Konrad
Adenauer.
- 6.-11.7. Bundespräsident Richard
von Weizsäcker stattet der Sowjetunion einen Staatsbesuch ab.
- 7.7. In Herborn/Hessen kippt ein mit 36.000 Liter Benzin beladener
Tanklaster wegen überhöhter Geschwindigkeit um. Das auslaufende
Benzin explodiert und setzt neun Häuser in Brand, die teilweise
völlig zerstört werden. Bei dem Unfall kommen fünf Menschen
ums Leben.
- 14.7. Im Grenzdurchgangslager Friedland treffen in einer Woche
1.440 deutsche Übersiedler aus Ostblockstaaten ein. Das ist die
höchste Zahl innerhalb einer so kurzen Frist seit Jahren.
- 17.7. Aus Anlass des 38. Jahrestages ihrer Gründung
beschließt die DDR-Regierung die Abschaffung der Todesstrafe.
- 20.7. Der Sicherheitsrat der UNO verabschiedet einstimmig eine
Resolution, in der sowohl der Iran als auch der Irak aufgefordert werden,
den 1980 begonnen Ersten Golfkrieg auf dem Verhandlungsweg zu beenden
und sich auf die eigenen Territorien zurückzuziehen.
- 22.7. Der sowjetische Parteichef Gorbatschow bietet eine globale
"Doppel-Null-Lösung" zur Abrüstung an.
- 23.7. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (geb. 1935) tritt
in Chile für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Über Blüms
Auftreten kommt es in der Bundesrepublik zu heftigen Kontroversen zwischen
CDU und CSU, zumal Blüm für die Aufnahme von 14 zum Tode verurteilten
Chilenen in der Bundesrepublik plädiert.
- 27.7. In der Bundesrepublik entstehen zwei Aids-Forschungsinstitute.
In München wird ein Zentrum für klinische Aids-Forschung errichtet,
während für West-Berlin der Sitz des Deutschen Aids-Zentrums
geplant ist, das am 1. Januar 1988 seine Arbeit aufnehmen soll.
- 28.7. Das ARD-Fernsehmagazin "Monitor" berichtet über
lebende Rundwurmlarven in Fischen und Fischprodukten. Das Bundesfinanzministerium
ordnet daraufhin verschärfte Importkontrollen an, die fast zwei
Wochen lang zu dramatischen Umsatzrückgängen bei den Fischhändlern
führen.
- 29.7. In Moskau werden die Urteile gegen sechs Personen, die
für die Reaktorkatastrophe im April 1986 in Tschernobyl verantwortlich
erklärt wurden, verkündet. Die Strafen belaufen sich auf zwei
bis zehn Jahre Arbeitslager.
- 30.7. In Ost-Berlin wird der rekonstruierte Französische
Dom wieder eröffnet. Er beherbergt das Hugenottenmuseum sowie das
Archiv und die Bibliothek der Französisch-Reformierten Gemeinde.
- August
- 15.8. Die radikal feministische Gruppierung "Rote Zora" verübt
in mehreren Städten der Bundesrepublik Anschläge auf Niederlassungen
der Bekleidungsfirma Adler. Sie richten sich gegen die "Ausbeutung"
von koreanischen Arbeiterinnen.
- 16.8. Die Deutsche Steffi
Graf löst durch den Gewinn des Tennisturniers von Manhattan
Beach die US-Amerikanerin Martina Navratilova (geb. 1960) als Nummer
eins der Weltrangliste ab.
- 17.8. Der ehemalige Stellvertreter Adolf
Hitlers, Rudolf Heß,
stirbt im Alter von 93 Jahren im britischen Militärhospital in
West-Berlin durch Selbstmord.
- 22.8. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums werden in einigen
Regionen der Bundesrepublik immer noch erhebliche Strahlungswerte bei
Pilzen, Wildfleisch und Süßwasserfischen gemessen. Ursache
ist der Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986.
- 25.8. Das Abkommen über wissenschaftliche und technische
Zusammenarbeit zwischen der DDR und der Bundesrepublik wird paraphiert.
Die Bundestagsabgeordnete der Grünen,
Antje Vollmer (geb. 1943), setzt sich für die Begnadigung des seit
1972 inhaftierten früheren Terroristen Klaus Jünschke (geb.
1947) ein. Das ehemalige RAF-Mitglied
habe sich eindeutig und glaubhaft vom Terrorismus losgesagt.
- 26.8. Die Bundesregierung beschließt, zum Ausgleich gegen
eine seitens der DDR per 1. Juli vorgenommene Kürzung des gestaffelten
Eintauschs von D-Mark durch westreisende DDR-Bürger, die Erhöhung
des Begrüßungsgeldes für Besucher aus der DDR von bisher
zweimal jährlich 30 D-Mark auf einmal 100 D-Mark pro Besucher und
Jahr.
- 27.8. SED und SPD veröffentlichen ein gemeinsames Papier
mit dem Titel "Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit".
In dem Papier wird zum ersten Mal versucht, die ideologischen Gegensätze
zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten herauszuarbeiten und gleichzeitig
ein Konzept für eine langfristige Zusammenarbeit zu entwerfen.
- September
- 5.9. In Ost-Berlin kommt es zu Demonstrationen unabhängiger
Friedensgruppen
gegen die atomare Rüstung in Ost und West. Die Sicherheitsorgane
schreiten nicht ein. Beobachter vermuten die bevorstehende Reise des
DDR-Staatschefs Erich Honecker in die Bundesrepublik als Grund für
diese Zurückhaltung.
- 7.9. Der im Januar im Libanon verschleppte Alfred Schmidt wird
freigelassen. Vom ebenfalls entführten Hoechst-Manager Rudolf Cordes
gibt es weiterhin kein Lebenszeichen.
- 7.-11.9. Zum ersten Mal in der Geschichte der beiden deutschen
Staaten besucht
mit Erich Honecker ein Staats- und Parteichef der DDR die Bundesrepublik.
Es werden Abkommen zum Umwelt- und Strahlenschutz sowie über die
Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik vereinbart.
- 12.9. Dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten
Uwe Barschel (1944-1987) (CDU) wird von dem Nachrichtenmagazin "Der
Spiegel" vorgeworfen, den SPD-Spitzenkandidaten für die bevorstehenden
Landtagswahlen, Björn
Engholm, bespitzeln zu lassen. Am 18. September gibt Barschel sein
persönliches Ehrenwort und eine eidesstattliche Erklärung
ab, dass die Vorwürfe gegen ihn nicht gerechtfertigt seien.
- 16.9. In Montreal unterzeichnen Vertreter aus 46 Staaten das
Internationale Abkommen zum Schutz der Ozon-Schicht. Sie verpflichten
sich zu einer schrittweisen Reduzierung der Produktion des für
die Zerstörung der Ozonschicht verantwortlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffs
(FCKW).
- 18.9.-8.11. Das Museum Folkwang in Essen zeigt eine Ausstellung
zum Werk des norwegischen Malers und Graphikers Edvard
Munch.
- 19.9. Die außerordentliche Bundesversammlung der Grünen
in Oldenburg wird durch den Flügelstreit zwischen "Fundamentalisten"
und "Realos" bestimmt. Eine Einigung über den Kurs der Partei wird
nicht erzielt.
- 24.9. In einer Ansprache vor der UNO-Vollversammlung in New
York fordert Bundesaußenminister Hans-Dietrich
Genscher die Großmächte zu weiteren Abrüstungsschritten
auf.
Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident
François
Mitterrand besuchen gemeinsam ein in Bayern durchgeführtes
Großmanöver.
- 25.9. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe
Barschel (CDU) erklärt seinen Rücktritt. Er übernimmt
damit die politische Verantwortung für die Affäre um die Bespitzelung
des SPD-Spitzenkandidaten für die bevorstehende Landtagswahl, bestreitet
aber jegliche persönliche Schuld.
- 27.9. US-Vizepräsident George Bush (geb. 1924) trifft
bei seinem Polenbesuch sowohl mit Staatschef Wojciech Jaruzelski wie
auch mit Arbeiterführer Lech Walesa zusammen. Bush will nach der
Lockerung der wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber Polen nun die
bilateralen Beziehungen normalisieren.
- 29.9. Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) und der Weltbank in Washington spricht sich der Sprecher der Deutschen
Bank, Alfred Herrhausen,
für einen teilweisen Schuldenerlass für Länder der sogenannten
Dritten Welt aus.
- Oktober
- 3.10.-3.4.1988 Die im Dresdner Albertinum stattfindende X.
Kunstausstellung der DDR tabuisiert Installationen, Performances, Filmexperimente
und verwandte Ausdrucksformen, derer sich junge Künstler in der
DDR zunehmend bedienen.
- 7.10. In Kassel entscheidet das Bundesarbeitsgericht, dass
eine Überwachung von Arbeitnehmern durch verdeckte Videokameras
grundsätzlich unzulässig ist, weil dadurch ihre Persönlichkeitsrechte
verletzt werden könnten.
- 10.10. Im Reichstagsgebäude in West-Berlin wird die Berliner
Akademie der Wissenschaften gegründet.
- 11.10. Der "stern"-Reporter Sebastian Knauer (geb. 1949) verschafft
sich im Genfer Hotel "Beau Rivage" Zugang zum Zimmer des zurückgetretenen
Ministerpräsidenten von Schleswig Holstein, Uwe Barschel (CDU);
er findet ihn tot in der Badewanne. Der Obduktionsbericht ergibt, dass
Barschel an einer Medikamentenvergiftung gestorben sei, Zeichen von
Gewaltanwendung seien nicht festgestellt worden. Die Familie des Verstorbenen
glaubt nicht an einen Selbstmord und lässt eine zweite Obduktion
durchführen, deren Ergebnisse nicht bekannt werden. In Kiel wird
ein Landtags-Untersuchungsausschuss eingerichtet, der sich mit dem gesamten
Fall Barschel auseinandersetzen soll.
- 13.10. Der Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker,
trifft zu einem dreitägigen Besuch in Belgien ein. Er führt
unter anderem Gespräche über das Ost-West-Verhältnis
und den Ausbau der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen.
- 17.10. In seiner Dankesrede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises
in Darmstadt sagt der Lyriker Erich Fried (1921-1988), Büchner
hätte sich "in unserer Zeit zur ersten Generation der Baader-Meinhof-Gruppe
geschlagen". Diese Äußerung provoziert heftige Proteste in
der Öffentlichkeit.
- 19.10. An der New Yorker Wertpapierbörse kommt es zu einem
drastischen Kurssturz. Wie in einer Kettenreaktion kippen an diesem
und am folgenden Tag die Kurse in Tokyo, Sidney und Hongkong. In Europa
sind die Verluste nur in Einzelfällen sehr hoch. Als Gründe
für den Kursverfall werden unter anderem hohe private und öffentliche
Verschuldung in den USA sowie der seit fünf Jahren anhaltende überzogene
Aktienboom genannt.
- 27.10. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, dass eine
öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt zur Herausgabe von Bildmaterial
an die Polizei verpflichtet ist, wenn sie der "Aufklärung erheblicher
Straftaten" dienen und die "Interessen der Betroffenen nicht nachhaltig
berühren".
- 28.10. Bundeskanzler Kohl und der Regierende Bürgermeister
von West-Berlin, Eberhard Diepgen, unterzeichnen im Reichstagsgebäude
in Berlin die Vereinbarung über die Gründung des Deutschen
Historischen Museums.
- 30.10. Die Bundesrepublik und die DDR tauschen mehr als 400
Kunstwerke aus, die während des Zweiten
Weltkriegs aus ihren Heimatmuseen ausgelagert worden waren.
- November
- 2.11. Aus einer nicht genehmigten Demonstration am Bauzaun
der Startbahn-West des Frankfurter Flughafens heraus werden zwei Polizisten
von Angehörigen der militanten Szene erschossen und neun durch
Schüsse verletzt.
- 13.11. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, dass ein Ausländer,
der in der DDR eingebürgert wird, automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit
im Sinne des Grundgesetzes
erwirbt.
- 19.11. In Hamburg ist der Konflikt um die Hafenstraße
vorläufig beendet: Nach Beseitigung aller Barrikaden in und außerhalb
der besetzten Häuser verzichtet der Hamburger Senat auf eine polizeiliche
Räumung und unterschreibt Mietverträge mit den Bewohnern der
besetzten Häuser.
- 25.11. Bei einer Durchsuchung der Umweltbibliothek
der evangelischen Zionsgemeinde in Ost-Berlin nehmen DDR-Sicherheitsorgane
mehrere Mitglieder von Friedens- und Umweltgruppen fest.
- 27.11.-31.3.1988 Die Staatsgalerie moderner Kunst in München
präsentiert mit der Ausstellung "Entartete Kunst" eine Dokumentation
zum nationalsozialistischen
Bildersturm.
- Dezember
- 3.12. Der Bundestag beschließt, dass ab dem 1. Februar
1988 an Tankstellen kein verbleites Normalbenzin mehr angeboten werden
darf.
- 8.12. Beim Gipfeltreffen von US-Präsident Ronald Reagan
und dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow in Washington kommt es zum
Abschluss des Vertrages zur Beseitigung der Mittelstreckenwaffen (INF).
- 10.12. Im Ruhrgebiet treten mehr als 100.000 Stahlarbeiter
in den Streik. Sie protestieren damit gegen die geplante Schließung
des Krupp-Hüttenwerks in Duisburg-Rheinhausen.
Der Friedensnobelpreis
wird an Oscar Arias Sánchez (geb. 1941), den Präsidenten
von Costa Rica, übergeben. Er initiierte den nach ihm benannten
Friedensplan, den die Staatschefs Guatemalas, El Salvadors, Honduras
und Nicaraguas 1987 unterzeichneten.
- 14.12. In Santiago de Chile trifft eine Untersuchungskommission
aus der Bundesrepublik ein. Sie soll Vorwürfe gegen die von Deutschen
gegründete Siedlung Colonia Dignidad überprüfen.
- 18.12. In Petershagen bei Minden wird auf Anordnung des nordrhein-westfälischen
Umweltministers Klaus Matthiesen (1941-1998) (SPD) das modernste Steinkohlekraftwerk
der Bundesrepublik wegen überhöhten Stickoxidausstosses nach
nur einem halben Jahr Betriebsdauer stillgelegt.
- 22.12. Der Fernsehjournalist Werner Höfer (1913-1997)
gibt nach einer öffentlichen Diskussion über seine NS- Vergangenheit
die Moderation des "Internationalen Frühschoppens" ab.
- 29.12. Nach einem Rekordaufenthalt im Weltraum von fast elf
Monaten kehrt der 43jährige sowjetische Kosmonaut Juri Romanenko
von der Weltraumstation "Mir" zur Erde zurück.
- Außerdem
- Martin Walser:
Dorle und Wolf (Novelle)
In dem seit 1980 andauernden Krieg zwischen dem Iran und dem Irak sehen
die westlichen Industrieländer zunehmend eine Gefahr für die
Erdölversorgung. Die Verminung der Golfgewässer und die Bombardierung
arabischer Tankschiffe durch den Iran führen dazu, dass die USA
und die UdSSR kuwaitische Tankerschiffe unter ihren Flaggen fahren lassen.
(iz/cwg)
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