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- Januar
- 1.1. Der Ägypter Boutros Boutros-Ghali (geb. 1922) wird
als erster Afrikaner Generalsekretär der Vereinten Nationen.
Die neugegründeten Sendeanstalten im Gebiet der ehemaligen DDR,
der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) und der Mitteldeutsche Rundfunk,
der für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt produziert,
starten ihre Programme.
Das Stasi-Unterlagengesetz, nach dem Opfer des DDR-Staatssicherheitsdienstes
Einblick in die über sie geführten Akten nehmen können,
tritt in Kraft. Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die
Stasi-Akten wird Joachim
Gauck.
- 3.1. Im jugoslawischen Bürgerkrieg tritt nach Vermittlung
des UN-Sonderbotschafters Cyrus Vance (1917-2002) der 15. Waffenstillstand
in Kraft, der jedoch nicht eingehalten wird.
- 6.1. Oppositionelle Milizen stürzen nach zweiwöchigem
Gefecht den georgischen Präsidenten Swiad Gamsachurdia (1939-1993),
der nach Armenien flüchtet.
- 9.1. In Bosnien-Herzegowina ruft die serbische Minderheit einen
eigenen Staat, die "Serbische Republik Bosnien-Herzegowina", aus und
beansprucht die Hälfte des bisherigen Staatsgebietes.
- 11.1. Nach dem Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis im Oktober
1991 wird dem Kirchenkritiker Eugen Drewermann (geb. 1940) durch den
Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt (geb. 1926) auch
ein Predigtverbot erteilt. Am 26.3. wird ihm darüber hinaus die
Ausübung des Priesteramtes untersagt.
- 12.1. Im Martin-Gropius-Bau in Berlin wird die mit 2500 Exponaten
bestückte Ausstellung "Jüdische Lebenswelten" eröffnet.
- 13.-16.1. In Washington findet die dritte Runde der Nahost-Friedenskonferenz
statt.
- 14.1. Die ersten von geplanten 10.000 UN-Friedenssoldaten
treffen in Belgrad und Zagreb ein, um die Stationierung ihrer Kameraden
vorzubereiten.
- 15.1. Kroatien und Slowenien werden auf Drängen der deutschen
Bundesregierung von der EG als unabhängige Staaten anerkannt.
- 16.1. In Mexiko-Stadt unterzeichnen der Präsident von
El Salvador, Alfredo Cristiani (geb. 1947), und die Führer der
Nationalen Befreiungsorganisation (FMLN) Farabundo Marti einen Friedensvertrag,
der den zwölfjährigen Bürgerkrieg beendet.
- 18.1. Der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe
(geb. 1936) (SPD) erläutert im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel"
seine Kontakte zum Staatssicherheitsdienst der DDR als früherer
Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.
- 19.1. In Berlin wird die erste zentrale deutsche Gedenkstätte
zur Erinnerung an den Holocaust
in der Villa am Wannsee eröffnet. Die Villa war im Januar 1942
Schauplatz der berüchtigten "Wannsee-Konferenz", auf der SS-Obergruppenführer
Reinhard Heydrich,
der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, mit Staatssekretären
und hohen Parteifunktionären die verwaltungsmäßige Umsetzung
der "Endlösung der Judenfrage" besprochen hatte.
- 20.1. Im ersten Mauerschützenprozess gegen ehemalige Grenzsoldaten
der DDR werden zwei der vier Angeklagten wegen bedingt vorsätzlichen
Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb bzw. zwei Jahren
mit Bewährung verurteilt. Weitere Prozesse gegen Mauerschützen
folgen. Im August werden Mauerschützen erstmals des Mordes angeklagt.
- 24.1. Der südafrikanische Präsident Frederik Willem
De Klerk (geb. 1936) kündigt in Kapstadt die Bildung einer Übergangsregierung
an, an der auch Vertreter der schwarzen Bevölkerungsmehrheit beteiligt
werden sollen.
- 28.1. Das Bundesverfassungsgericht
erklärt das Verbot der Nachtarbeit für Frauen für verfassungswidrig,
weil es gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße.
- 30.1. Die Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) nimmt bei
ihrer zweiten Außenministerkonferenz in Prag zehn neue Mitglieder
auf. Zukünftig gehören der Organisation, die nun insgesamt
48 Länder umfasst, auch alle in der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten (GUS) zusammengeschlossenen ehemaligen Sowjetrepubliken bis
auf Georgien an.
- 31.1. Eine Jury aus Germanisten und Sprachwissenschaftlern
erklärt das Wort "ausländerfrei" zum "Unwort des Jahres 1991",
weil der Ausdruck ein herausragendes Beispiel für den "inhumanen"
Gebrauch der deutschen Sprache sei.
- Februar
- 1.2. Russland und Litauen schließen ein Abkommen über
den umgehenden Abzug der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte aus
dem baltischen Staat. Einen Tag später schließt Moskau eine
entsprechende Vereinbarung mit Lettland. Verhandlungen mit Estland scheitern
allerdings an Verfahrensfragen.
- 3.2. Der argentinische Präsident Carlos Menem (geb. 1935)
übergibt bisher geheimgehaltene Akten über den Aufenthalt
prominenter Nationalsozialisten in Argentinien an das Generalarchiv
seines Landes.
- 5.2. Zum Nachfolger des zurückgetretenen thüringischen
Ministerpräsidenten Josef Duchac (geb. 1938) (CDU),
dem Verstrickungen im SED-Regime
vorgeworfen werden, wird der frühere Ministerpräsident von
Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel (geb. 1932) (CDU), gewählt.
- 6.2. In Budapest wird der deutsch-ungarische Vertrag über
freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa unterzeichnet.
Er regelt unter anderem die wirtschaftliche, finanzielle, wissenschaftliche
und regionale Zusammenarbeit beider Staaten sowie den Status und die
Rechte der deutschen Minderheit in Ungarn.
- 7.2. Die Außen- und Finanzminister der EG-Mitgliedsstaaten
unterzeichnen den 1991 vereinbarten Vertrag
von Maastricht über den Ausbau der Gemeinschaft zu einer europäischen
Union mit einheitlicher
Währung sowie Gemeinsamer
Außen- und Sicherheitspolitik (GASP).
Der ehemalige Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz,
Klaus Kuron, wird vom Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen Landesverrats
zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Kuron war von 1982 bis 1990 Agent
des Ministeriums
für Staatssicherheit (MfS) der DDR und erhielt für seine
Spionagedienste mindestens 692.000 D-Mark.
- 2.-22.2. Im französischen Albertville finden die 16. Olympischen
Winterspiele statt.
- 10.2. Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen
den ehemaligen DDR-Minister für Staatssicherheit, Erich
Mielke, wegen eines Doppelmordes im Jahre 1931.
- 14.2. Egon Klepsch (geb. 1930) (CDU) wird mit 253 von 446 Stimmen
als erster Deutscher zum Präsidenten des Europäischen Parlaments
gewählt.
- 15.2. Der Deutsche Leichtathletik-Verband verhängt über
die Sprinterinnen Katrin Krabbe (geb. 1969), Grit Breuer (geb. 1972)
und Silke Möller eine Sperre. Der DLV wirft den Sportlerinnen vor,
zur Doping-Kontrolle bestimmte Urinproben manipuliert zu haben.
- 19.2. Beide koreanischen Staaten setzen in der nordkoreanischen
Hauptstadt Pjöngjang den Nichtangriffspakt und die Erklärung
Koreas zur atomwaffenfreien Zone in Kraft.
- 21.2. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt,
eine 14.000 Mann starke Friedenstruppe nach Kroatien zu entsenden.
- 27.2. Bundeskanzler Helmut
Kohl und Staatspräsident Vaclav
Havel schließen in Prag den Vertrag zwischen der Bundesrepublik
und der Tschechischen und Slowakischen Föderation über gute
Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. In der Präambel
wird unter anderem der Opfer von "Gewaltherrschaft, Krieg und Vertreibung"
gedacht und die Nichtigkeit des Münchner Abkommens im Sinne des
Prager
Vertrages vom 11. Dezember 1973 bestätigt.
- 28.2. Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung
von 15.900 Blauhelm-Soldaten
nach Kambodscha, um dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land bei der
Rückkehr zur Normalität zu helfen. Weitere 5.000 UN-Beamte
sollen eine Übergangsverwaltung aufbauen.
- März
- 1.3. In einer Volksabstimmung entscheiden sich zwei Drittel
der Bevölkerung von Montenegro für die Gründung eines
neuen jugoslawischen Staates gemeinsam mit Serbien.
- 3.3. Präsident Alija Izetbegovic (geb. 1925) verkündet
die Unabhängigkeit der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina.
In einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung werden acht Staaten der
GUS und San Marino als neue Mitglieder aufgenommen.
- 4.3.-31.5. Das Alte Museum in Berlin zeigt die Ausstellung
"Entartete Kunst - Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-Deutschland".
- 6.3. Am 517. Geburtstag des italienischen Bildhauers, Malers,
Architekt und Dichters Michelangelo Buonarotti (1475-1564) wird ein
Computervirus aktiviert, der die auf EDV-Anlagen gespeicherten Informationen
unwiederbringlich löscht.
- 9.3. China tritt formell dem Atomwaffensperrvertrag bei.
- 10.3. Nach dem Sturz des georgischen Präsidenten Swiad
Gamsachurdia wird der frühere sowjetische Außenminister Eduard
Schewadnadse (geb. 1928) vom georgischen Militärrat an die Spitze
des neugebildeten Staatsrats berufen.
- 12.3. Der Bundestag setzt eine Enquete-Kommission aus Abgeordneten
und Sachverständigen unter Leitung des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers
Rainer Eppelmann
(CDU) ein, die die Geschichte der SED erforschen soll.
- 14.3. Die UNO und die KSZE beschließen die Entsendung
eines Sonderbeauftragten und einer Delegation, die die Möglichkeiten
zur Beendigung des Bürgerkriegs in der mehrheitlich von Armeniern
bewohnten aserbeidschanischen Enklave Berg-Karabach prüfen sollen.
In dem Krieg zwischen christlichen Armeniern, die den Anschluss an Armenien
befürworten, und den moslemischen Aserbeidschanern starben seit
1988 2.000 Menschen.
- 17.3. Bei einem Bombenanschlag auf die israelische Botschaft
in der argentinischen Hauptstadt Buones Aires kommen 28 Menschen ums
Leben, 252 Personen werden verletzt. Zu dem Attentat bekennt sich die
proiranische Schiitenbewegung "Islamischer Heiliger Krieg".
68,7 Prozent der weißen Bevölkerung in Südafrika votieren
in einem Referendum für die Abschaffung der Rassentrennung und
die Fortsetzung der Reformpolitik des südafrikanischen Präsidenten
Frederic Willem de Klerk.
- 18.3. Der finnische Reichstag stimmt mit der Mehrheit von 108
gegen 55 Stimmen bei 32 Enthaltungen für einen Beitritt des Landes
zur Europäischen Gemeinschaft. Unmittelbar im Anschluß wird
die Aufnahme formell in Brüssel beantragt.
- 23.3. Bundespräsident Richard
von Weizsäcker eröffnet in Speyer die große Ausstellung
"Das Reich der Salier".
- 27.3. Trotz Kritik des Jüdischen Weltkongresses trifft
Bundeskanzler Helmut Kohl in München den österreichischen
Bundespräsidenten Kurt Waldheim (geb. 1918), der wegen seiner Vergangenheit
als Wehrmachtsoffizier international isoliert ist.
- 31.3. Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (geb.
1928) tritt wegen nicht genehmigter Panzerlieferungen an die Türkei
von seinem Amt zurück. Die Waffen stammen aus Beständen der
Bundeswehr
und der Nationalen
Volksarmee (NVA) und waren unberechtigt an die Türkei geliefert
worden, da der Bundestag am 7. November 1991 die Lieferung von militärischem
Material an die Türkei wegen Menschenrechtsverletzungen untersagt
hatte.
- April
- 2.4. Die französische Premierministerin Edith Cresson
(geb. 1934) reicht nach nur elfmonatiger Amtszeit ihren Rücktritt
ein.
- 4.4. Die Nordelbische Landessynode wählt mit klarer Mehrheit
die Pröpstin Maria Jepsen (geb. 1945) zur weltweit ersten evangelisch-lutherischen
Bischöfin.
- 6.4. Die Europäische Gemeinschaft erkennt auf einer Konferenz
der Außenminister die Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas
an.
- 7.4. Die serbische Minderheit in Bosnien-Herzegowina ruft die
"Serbische Republik Bosnien-Herzegowina" aus und fordert den Anschluss
an das aus Serbien und Montenegro bestehende, völkerrechtlich nicht
anerkannte Rest-Jugoslawien.
- 9.4. Die britischen Konservativen gewinnen mit klarer Mehrheit
die Wahlen zum Unterhaus. Der unterlegene Labour-Chef Neil Kinnock (geb.
1942) gibt am 13. April seinen Rücktritt bekannt.
- 12.4. Bei Paris eröffnet die Walt Disney Company ihren
neuen Freizeitpark "Euro-Disneyland".
- 13.4. Präsident Eduard Schewadnadse und Außenminister
Hans-Dietrich
Genscher vereinbaren die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen
zwischen Georgien und der Bundesrepublik Deutschland, die damit als
erster westlicher Staat Georgien anerkennt.
- 15.4. Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen setzt ein
Luftverkehrs- und Waffenembargo gegen Libyen in Kraft, um die Auslieferung
zweier Flugzeugentführer an die USA oder Großbritannien zu
erwirken.
- 16.4. In Afghanistan erzwingen die Mudschaheddin den Rücktritt
und die Flucht des kommunistischen Staatspräsidenten Mohammad Nadschibullah
(1947-1996), der bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion von dieser unterstützt
wurde.
- 20.4. In der spanischen Stadt Sevilla wird die bislang größte
Weltausstellung "Expo '92" eröffnet, die bis zum 12. Oktober rund
12 Millionen Besucher anlockt.
- 24.4. Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung
von 500 "Blauhelm-Soldaten" nach Somalia, die in dem vom Bürgerkrieg
gezeichneten Land die Lieferung von Nahrungsmitteln überwachen
sollen.
- 27.4. Serbien und Montenegro proklamieren in Belgrad die neue
"Bundesrepublik Jugoslawien", die international nicht anerkannt wird.
Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen
Dienst kommt es erstmals seit 1974 wieder zu einem flächendeckenden
Streik der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr
(ÖTV), der sich zum längsten Arbeitskampf der ÖTV in
der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland entwickelt. Am 7. Mai
einigen sich die Tarifparteien auf einen Kompromiss, den allerdings
55,9 Prozent der ÖTV-Mitglieder in einer Urabstimmung ablehnen.
- 28.4. Nach dem Rücktritt der Regierung Giulio Andreotti
(geb. 1919) am 27. April, der die Verstrickung in Korruptionsvorgänge
vorgeworfen wird, legt auch der italienische Staatspräsident Francesco
Cossiga (geb. 1928) zwei Monate vor dem regulären Ende seiner Amtszeit
sein Amt nieder.
- 29.4. In der kalifornischen Stadt Los Angeles brechen Rassenunruhen
aus, nachdem weiße Polizisten trotz schwerer körperlicher
Misshandlungen des schwarzen US-Bürgers Rodney Kingvon einem Gericht
freigesprochen wurden. Im Verlauf der Unruhen kommen 58 Menschen ums
Leben. Im April 1993 wird ein neues Urteil gesprochen.
- Mai
- 1.5. Am Maifeiertag demonstrieren rund 50.000 Altkommunisten
und Nationalisten in Moskau gegen den russischen Präsidenten Boris
Jelzin und seine Reformpolitik.
- 2.5. Im portugiesischen Porto unterzeichnen Vertreter der Europäischen
Gemeinschaft und der Europäischen Freihandelszone (EFTA) einen
Vertrag zur Gründung des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR).
- 3.5. Auf ihrem ersten Bundesparteitag entscheiden sich die
Delegierten von Bündnis 90 für ein Zusammengehen mit den Grünen.
- 6.5. Im Alter von 90 Jahren stirbt in Paris die Schauspielerin
Marlene Dietrich.
- 8.5. SPD und F.D.P. legen einen fraktionsübergreifenden
Antrag zur Neuregelung des Abtreibungsrechtes vor, der einen Abbruch
bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nach vorangegangener Beratung
zulässt. Laut Einigungsvertrag
muss bis Ende 1992 eine einheitliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs
in Ost- und Westdeutschland vorliegen.
- 11.5. In München verabschiedet Bundesverteidigungsminister
Volker Rühe (geb. 1942) die ersten deutschen Soldaten, die sich
an einer Friedensmission
der UNO beteiligen. Die Sanitätssoldaten sollen im Rahmen der UNO-Aktion
in Kambodscha die medizinische Versorgung der "Blauhelm-Soldaten" unterstützen.
Auch die SPD stimmt diesem Einsatz von deutschen Soldaten außerhalb
des NATO-Gebietes zu.
- 13.5. Das Europäische Patentamt in München erteilt
erstmals ein Patent für ein gentechnisch
verändertes Tier, die "Harvard-Krebsmaus".
- 16.5. Durch einen Sieg über Bayer Leverkusen am letzten
Spieltag wird der VfB Stuttgart Deutscher Fußballmeister.
- 17.5. Auf ihrer Delegiertenkonferenz in Berlin votieren die
Grünen für einen Zusammenschluss mit dem ostdeutschen Bündnis
90.
Der mit 18 Amtsjahren derzeit dienstälteste Außenminister
der Welt, Hans-Dietrich
Genscher (F.D.P), tritt zurück. Am darauffolgenden Tag ernennt
Bundespräsident Richard
von Weizsäcker den bisherigen Justizminister Klaus Kinkel (geb.
1936) (F.D.P.) zum neuen Außenminister der Bundesrepublik Deutschland.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (geb. 1951) (F.D.P.) wird neue Bundesjustizministerin.
- 18.5. Der ehemalige SS-Oberscharführer Josef Schwammberger
wird vom Stuttgarter Landgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
- 19.5. Der französische Konzern Générale
des Eaux übernimmt die traditionsreichen DEFA-Filmstudios in Babelsberg
bei Berlin.
- 20.5. Im Bundestag wird der am 6. Februar unterzeichnete Freundschaftsvertrag
mit Ungarn einstimmig angenommen. Der am 27. Februar geschlossene Freundschaftsvertrag
mit der CSFR wird mehrheitlich mit einer von der CSU vorgeschlagenen
Resolution verabschiedet. Darin wird der Vertrag gewürdigt, aber
die Hoffnung geäußert, dass die CSFR den Sudetendeutschen
in der Frage ihrer Rechte entgegen kommt.
- 22.5. Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien werden in
die UNO aufgenommen, der nun insgesamt 178 Staaten angehören.
- 23.5. Der sizilianische Richter und Mafiagegner Giovanni Falcone
(1939-1992) wird Opfer eines Bombenanschlags der Mafia.
- 28.5. Die Europäische Gemeinschaft beschließt ein
Handelsembargo gegen Serbien und Montenegro, um sie zur Einstellung
des Krieges in Bosnien-Herzegowina zu zwingen. Auch der Weltsicherheitsrat
verhängt am 31. Mai Sanktionen gegen Restjugoslawien, darunter
ein Handels- und Ölembargo.
- 30.5. Der frühere Bundespräsident Karl
Carstens stirbt im Alter von 77 Jahren in Meckenheim bei Bonn.
- Juni
- 2.6. In einem Referendum lehnen die Dänen mit der knappen
Mehrheit von 50,7 Prozent der Stimmen den Vertrag
von Maastricht und die Europäische Union ab.
- 3.6. In der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro wird der UNO-Umweltgipfel
eröffnet. Auf der größten politischen Konferenz in der
Geschichte beraten rund 100 Staats- bzw. Regierungschefs und 3.000 Diplomaten
aus 170 Ländern über die drängendsten Umweltprobleme.
- 4.6. Bei ihrer Frühjahrstagung in Oslo beschließen
die Außenminister der NATO-Staaten, die Truppen des Militärbündnisses
künftig auch "out of area", das heißt außerhalb des
NATO-Territoriums einzusetzen, falls die KSZE einen Einsatzauftrag hierzu
erteilt.
- 5.6. Helmut Dietls (geb. 1944) Komödie "Schtonk", die
Verfilmung des Skandals um die Veröffentlichung der gefälschten
Hitlertagebücher durch die Zeitschrift "stern" im Jahre 1983, erhält
den begehrten Deutschen Filmpreis in Gold 1992.
Der Bundestag beschließt mit den Stimmen der Regierungsfraktionen
und fast aller SPD- Abgeordneten das sogenannte Asylbeschleunigungsgesetz,
das am 1. Juli in Kraft tritt.
- 6.6. Bei den Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei siegt
die Demokratische Bürgerpartei (KDS) unter der Führung von
Václac Klaus (geb. 1941) in der tschechischen Teilrepublik, die
Bewegung für eine demokratische Slowakei (HZDS) unter dem Vorsitz
von Vladimir Meciar (geb. 1942) in der slowakischen. Am 17. Juni einigen
sich beide Wahlsieger auf die Bildung einer Übergangsregierung.
- 8.6. Bei den bisher schwersten Kämpfen zwischen serbischen
Freischärlern, die die bosnische Hauptstadt seit Monaten von den
umliegenden Bergen aus unter Beschuss nehmen, und bosnischen Regierungstruppen,
die eine Gegenoffensive starten, kommen über 30 Menschen ums Leben.
- 9.6. Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung
von 1.100 "Blauhelm-Soldaten" nach Bosnien-Herzegowina. Sie sollen den
Flughafen von Sarajewo sichern, um die Lieferung von Hilfsgütern
für die Bevölkerung zu ermöglichen.
- 13.6. Die Kunstausstellung "documenta 9", bei der 186 Künstler
aus aller Welt rund 1.000 Werke präsentieren, öffnet in Kassel
für 100 Tage ihre Tore. Bis zum 20. September besuchen 585.000
Besucher die von Jan Hoet (geb. 1936) organisierte Schau zeitgenössischer
Kunsttendenzen. Erstmals schließt eine "Documenta" ohne Defizit
ab.
- 17.6. In Bonn werden die neue Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland und das Kunstmuseum Bonn feierlich eröffnet.
- 19.6. In ihrer "Petersberger Erklärung" beschließen
die Außen- und Verteidigungsminister der Westeuropäischen
Union(WEU) , der UNO und der KSZE erstmals Truppen zu friedenschaffenden
Kampfeinsätzen zur Verfügung zu stellen.
- 20.6. Das Staatspräsidium von Bosnien-Herzegowina ruft
offiziell den Kriegszustand aus.
- 23.6. Bei den Parlamentswahlen in Irael siegt die oppositionelle
Arbeitspartei von Yitzhak Rabin (1922-1995).
24.6. Der russische Präsident Boris Jelzin und der georgische
Staatschef Eduard Schewadnadse (geb.1928) vereinbaren einen Waffenstillstand
im georgischen Bürgerkrieg um Südossetien, das sich von Georgien
trennen und Russland anschließen will.
- 25.6. Elf Regierungschefs der Schwarzmeerregion unterzeichnen
in Istanbul eine "Deklaration über wirtschaftliche Zusammenarbeit
am Schwarzen Meer".
- 26.6. Nach einer 14stündigen Debatte über die Neuregelung
des Abtreibungsrechts votieren 356 von insgesamt 662 Abgeordneten des
Bundestags in einer Abstimmung, bei der der Fraktionszwang aufgehoben
wird, für eine Fristenlösung mit Beratungspflicht.
- 28.6. 100.000 Menschen fordern bei einer Demonstration in Belgrad
den Rücktritt des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic
(geb. 1941), Neuwahlen zu einem verfassungsgebenden Parlament und die
Bildung einer Regierung der "Nationalen Rettung".
- 29.6. Nur wenige Monate nach seiner Rückkehr aus dem Exil
in Marokko wird der neuernannte algerische Präsident Mohammed Boudiaf
(geb.1919), Symbolfigur des Unabhängigkeitskrieges gegen die französische
Kolonialmacht, Opfer eines Mordanschlags.
- 30.6. Die Bonner Regierungskoalition beschließt die Einführung
der Pflegeversicherung ab 1. Januar 1995 bzw. 1. Januar 1996.
- Juli
- 2.7. Die UNO richtet eine internationale Luftbrücke ein,
um die Bevölkerung in der eingeschlossenen Stadt Sarajewo mit Hilfsgütern
zu versorgen.
100.000 Anhänger der Opposition demonstrieren in Belgrad für
den Rücktritt des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic.
Zwei Tage später nehmen wiederum 100.000 Menschen an entsprechenden
Kundgebungen teil.
- 3.7. Der tschechoslowakische Präsident und Schriftsteller
Václav Havel tritt von seinem Amt zurück, weil ihm die slowakischen
Abgeordneten die für eine weitere Amtszeit notwendige Zustimmung
versagen.
Die kroatische Minderheit in Bosnien-Herzegowina ruft im südwestlichen
Teil der Republik einen eigenen Staat "Herceg-Bosna" aus.
- 4.7. An der Luftbrücke für die bosnische Stadt Sarajewo
beteiligen sich erstmals auch Flugzeuge der Bundeswehr. Die SPD stimmt
diesen Hilfsmaßnahmen im Bundestag ausdrücklich zu.
- 6.7. Zum ersten Mal seit der Teilung Irlands 1921 findet in
London ein Treffen von Politikern der Republik Irland und Nordirlands
statt.
Am Rande des 18. Weltwirtschaftsgipfels
in München kommt es zu einer Einkesselung von Demonstranten durch
die Polizei, die zu heftigen Kontroversen führt. Die versammelten
Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industriestaaten drohen
den jugoslawischen Bürgerkriegsparteien mit "militärischen
Mitteln" und bieten Russland "Hilfe zur Selbsthilfe" an.
- 13.7. Das Bundesverfassungsgericht weist Klagen von Vertriebenen
gegen den deutsch-polnischen Grenzvertrag zurück und erklärt
die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze für
verfassungsgemäß.
- 15.7. Die Bundesregierung beschließt die Teilnahme von
Kriegsschiffen der Bundesmarine an der Überwachung des UN-Embargos
gegen Rest-Jugoslawien.
- 17.7. Auf dem kroatischen Flughafen Zadar kommen zwei französische
UN-Soldaten ums Leben, als sie mit ihrem Wagen auf eine Landmine fahren.
- 18.7. Der Vorsitzende des Zentralrats
der Juden in Deutschland, Heinz
Galinski, stirbt im Alter von 79 Jahren in Berlin.
- 20.7. Bund und Länder einigen sich auf humanitäre
Hilfeleistungen für Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina. Die
ersten Opfer des jugoslawischen Bürgerkriegs kommen am 25. Juli
in der Bundesrepublik an.
- 21.7. Die Präsidenten Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas
vereinbaren in Zagreb ein Militärbündnis und die gegenseitige
Anerkennung.
- 24.7. Die für ostdeutsche Leser entworfene Boulevard-Zeitung
"Super" stellt ihr Erscheinen ein.
- 25.7. In Barcelona eröffnet der spanische König Juan
Carlos (geb. 1938) die 25. Olympischen Sommerspiele, an denen erstmals
seit 1960 auch wieder eine Mannschaft aus Südafrika teilnimmt.
- 27.7. Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung
von weiteren "Blauhelm-Soldaten" nach Somalia, um den Hungertod von
1,5 Millionen Menschen durch eine Luftbrücke zu verhindern.
- 29.7. Der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR, Erich
Honecker, wird nach fast achtmonatigem Aufenthalt in der chilenischen
Botschaft in Moskau von der russischen Regierung zur Rückkehr in
die Bundesrepublik gezwungen.
- August
- 2.8. Bei den ersten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen
in Kroatien stimmen 57 Prozent der Wähler für den bisherigen
Präsidenten Franjo Tudjman (1922-1999).
- 3.8. Russland und die Ukraine einigen sich im Streit um die
ehemals sowjetische Schwarzmeerflotte auf eine gemeinsame Kontrolle
bis 1995.
- 4.8. Der Weltsicherheitsrat verurteilt die Verletzung von Menschenrechten
in Gefangenlagern auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawiens.
Das Bundesverfassungsgericht stoppt auf Antrag des Landes Bayern und
von 247 CDU/CSU-Abgeordneten das Inkrafttreten des am 25. Juni verabschiedeten
neuen Abtreibungsgesetzes per einstweiliger Verfügung.
- 12.8. In Washington einigen sich die USA, Kanada und Mexiko
auf die Bildung einer Freihandelszone (NAFTA).
- 13.8. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution,
um die militärische Sicherung von Hilfslieferungen für Bosnien-Herzegowina
zu ermöglichen.
- 14.8. Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Willi
Stoph wird vom Berliner Kammergericht aus gesundheitlichen Gründen
aus der Untersuchungshaft entlassen.
- 19.8. Der deutsche Schwulenverband demonstriert mit der "Aktion
Standesamt" für die gleichgeschlechtliche Ehe. Etwa 250 homosexuelle
Paare beantragen demonstrativ bei den Standesämtern ihre Eheschließung.
- 24.8. In Rostock kommt es zu den bisher schwersten Gewalttaten
gegen Ausländer in Deutschland. Rechtsextreme Jugendliche zünden
unter dem Beifall erwachsender Sympathisanten und ungehindert von der
Polizei einen Wohnblock an, in dem vor allem Vietnamesen leben.
- 25.8. In Berlin unterzeichnen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU),
der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (geb.
1941) (CDU), sowie der brandenburgische Ministerpräsident Manfred
Stolpe (geb. 1936) (SPD) den Hauptstadt-Vertrag.
- 27.8. Die vom Hamburger Bauer-Verlag herausgegebene und 1948
gegründete Illustrierte "Quick" wird wegen großer
Einbußen im Anzeigengeschäft eingestellt.
- 29.8. Armenien und Aserbaidschan vereinbaren einen 60tägigen
Waffenstillstand im Kampf um die armenische Enklave Berg-Karabach.
- 30.8. Als weltweit erste evangelisch-lutherische Bischöfin
wird die Theologin Maria Jepsen in ihr Amt eingeführt. Sie betreut
den Sprengel Hamburg der Nordelbischen Kirche.
Der deutsche Formel-1-Rennfahrer Michael
Schumacher gewinnt in Spa den Großen Preis von Belgien. Dies
ist der dritte Grand-Prix-Sieg eines Deutschen.
- September
- 3.9. Die Genfer Abrüstungskonferenz verabschiedet nach
24jährigen Verhandlungen einen Vertrag über die weltweite
Vernichtung aller chemischen Waffen. Der Vertrag wird vom 13. bis 15.
Januar 1993 in Paris von 130 Staaten unterzeichnet. Das Abkommen verbietet
weltweit die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz chemischer
Waffen.
- 9.9. Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin bietet
Syrien im Tausch gegen einen "wirklichen Frieden" die Rückgabe
eines Teils der 1967 im Sechs-Tage-Krieg eroberten Golanhöhen an.
- 12.9. Der Führer der maoistischen Terrorbewegung "Leuchtender
Pfad", Abimael Guzmán (geb. 1934), wird in einem Vorort der peruanischen
Hauptstadt Lima von Sicherheitskräften festgenommen.
- 15.-18.9. In Berlin tagt die Sozialistische Internationale
(SI). Sie wählt den ehemaligen französischen Regierungschef
Pierre Mauroy (geb. 1928) zum Nachfolger des seit 16 Jahren amtierenden
Vorsitzenden Willy Brandt,
der wegen einer schweren Erkrankung seine geplante Abschiedsrede nicht
selbst halten kann.
- 16.9. Das britische Pfund und die italienische Lira scheiden
aus dem Wechselkurssystem des Europäischen
Währungssystems (EWS) aus. Sie bleiben nach dem Austritt dem
freien Spiel der Märkte überlassen.
- 17.9. In Berlin fallen vier iranische Oppositionspolitiker,
die am Kongress der Sozialistischen Internationale teilnehmen, einem
Attentat zum Opfer. Als mutmaßliche Täter verhaftet die Polizei
in Rheine/Westfalen zwei libanesische Asylbewerber.
- 20.9. Die französische Bevölkerung stimmt mit der
knappen Mehrheit von 51,04 Prozent für die Verträge
von Maastricht über eine künftige Europäische Union.
An der Abstimmung beteiligen sich nur 69,7 Prozent der hierzu berechtigten
Franzosen.
Ignatz Bubis wird
in Bonn als Nachfolger des verstorbenen Heinz
Galinski zum Vorsitzenden des Zentralrats
der Juden in Deutschland gewählt.
- 22.9. Die UN-Vollversammlung lehnt mit großer Mehrheit
eine Anerkennung der aus Serbien und Montenegro bestehenden "Bundesrepublik
Jugoslawien" als Nachfolgestaat Jugoslawiens ab.
- 24.9. Die sechste Runde der Nahost-Friedensgespräche in
Washington endet ohne Ergebnis, weil sich die Unterhändler nicht
auf einen gemeinsamen Prinzipienkatalog einigen können.
- 26.9. Bei einem Brandanschlag auf die KZ-Gedenkstätte
Sachsenhausen bei Oranienburg wird ein Museumsgebäude zerstört.
- 29.9. In namentlicher Abstimmung votieren 441 der 503 brasilianischen
Abgeordneten für die Entlassung von Präsident Fernando Collor
de Mello (geb. 1949), dem illegale Bereicherung, Korruption und Amtsmissbrauch
vorgeworfen werden. Er muss sein Amt für 180 Tage ruhen lassen,
bis der Senat über die Vorwürfe gegen ihn entschieden hat,
und tritt am 29. Dezember zurück.
- 30.9. Bei den ersten freien Wahlen in Angola gewinnt die seit
1975 regierende Volksfront zur Befreiung Angolas (MPLA).
- Oktober
- 8.10. Der frühere Bundeskanzler und SPD-Vorsitzende Willy
Brandt stirbt in seinem Wohnort Unkel bei Bonn im Alter von 78 Jahren.
- 9.10. Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Flugverbot über
Bosnien-Herzegowina, um serbische Luftangriffe zu unterbinden.
- 11.10. Der georgische Staatschef Eduard Schewadnadse wird bei
den Präsidentenwahlen mit rund 95 Prozent der abgegebenen Stimmen
im Amt bestätigt.
- 15.10. Nach einer Einigung der Regierungsparteien spricht sich
der Bundestag mit den Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und F.D.P. für
eine Änderung
des Asylartikels im Grundgesetz aus. Die SPD bleibt der Abstimmung
fern, Bündnis 90 und PDS lehnen die Grundgesetzänderung ab.
- 16.10. Im ukrainischen Tschernobyl, das 1986 den weltweit größten
Kernreaktorunfall erlebte, wird der dritte Block des Kernkraftwerks
wieder gestartet.
- 17.10. Nach einem Staatsakt im Reichstagsgebäude wird
der frühere Bundeskanzler und ehemalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt
auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof in Berlin beigesetzt.
- 19.10. Die Politiker der Grünen Petra
Kelly und Gert Bastian (geb.1923) werden in ihrem Wohnhaus in Bonn-Tannenbusch
tot aufgefunden. Polizeiermittlungen legen die Möglichkeit nahe,
dass Gert Bastian zunächst seine Lebensgefährtin und anschließend
sich selbst erschossen hat. Das Motiv der Tat bleibt ungeklärt,
ein Abschiedsbrief wird nicht gefunden.
- 22.10. Die britische Königin Elizabeth II. (geb. 1926)
besucht das im Februar 1944 von britischen Bomben weitgehend zerstörte
Dresden. Trotz des kühlen Empfangs durch die Bevölkerung gilt
die Reise der Königin, die sie auch nach Leipzig und Potsdam führt,
als positives Signal für die seit dem Austritt Großbritanniens
aus dem Europäischen Währungssystem belasteten deutsch-britischen
Beziehungen.
- 25.10. Die früheren Kommunisten unter der Führung
von Algirdas Brazauskas (geb. 1932) gewinnen überraschend die Parlaments-
und Präsidentenwahlen in Litauen.
- 26.10. Die kanadische Bevölkerung lehnt eine geplante
Reform der Verfassung, die unter anderem den Provinzen größere
Eigenständigkeit geben soll, in einer Volksabstimmung ab.
- 28.10. Die brandenburgische Bildungsministerin Marianne Birthler
(geb. 1948) (Bündnis 90) tritt wegen des Verhaltens von Ministerpräsident
Manfred Stolpe im Zusammenhang mit dessen ungeklärten Stasi-Kontakten
zurück.
Bei der Internationalen Jugoslawienkonferenz in Genf wird als wichtigstes
Ergebnis der "Vance-Owen-Friedensplan", benannt nach den beiden Vermittlern
Cyrus Vance für die UNO und Lord David Owen (geb. 1938) für
die EG, bekannt. Er sieht einen einheitlichen, demokratischen Staat
Bosnien-Herzegowina mit neun autonomen und nach Nationen aufgeteilten
Provinzen vor.
- 30.10. Der Bundestag hält seine erste Sitzung in dem von
Günter Behnisch (geb. 1922) konzipierten neuen Plenarsaal am Bonner
Rheinufer ab.
- November
- 1.11. In Frankreich wird ein strenges Antirauchergesetz eingeführt,
das unter anderem Rauchen an öffentlichen Plätzen untersagt.
- 2.11. Bei seinem Besuch in der chinesischen Hauptstadt Peking
erklärt Außenminister Klaus Kinkel, dass die deutsch-chinesischen
Beziehungen wieder als normalisiert angesehen werden könnten. Kinkel
ist der erste deutsche Spitzenpolitiker, der die Volksrepublik nach
der blutigen Unterdrückung der chinesischen Demokratiebewegung
im Jahr 1989 besucht.
- 3.11. Der Kandidat der Demokraten und Gouverneur des US-amerikanischen
Bundesstaates Arkansas, Bill
Clinton, setzt sich gegen den republikanischen Amtsinhaber George
Bush (geb. 1924) und den unabhängigen Kandidaten Ross Perot (geb.
1930) durch und gewinnt die amerikanischen Präsidentschaftswahlen.
Der 46jährige ist nach Theodore
Roosevelt und John
F. Kennedy der drittjüngste Präsident in der Geschichte
der Vereinigten Staaten.
- 7.11. Der tschechoslowakische Reformpolitiker Alexander
Dubcek, Symbolfigur des Prager
Frühlings, stirbt an den Folgen eines Autounfalls.
- 8.11. Unter dem Motto "Die Würde des Menschen ist unantastbar"
demonstrieren rund 350.000 Menschen in Berlin gegen die zunehmende Ausländerfeindlichkeit
in der Bundesrepublik. Einige hundert Gegendemonstranten stören
die von Bundespräsident
Richard von Weizsäcker
gehaltene Rede bei der Abschlusskundgebung.
- 12.11. Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen
den ehemaligen Staats- und Parteichef der DDR, Erich
Honecker, und fünf weitere führende SED-Politiker. Neben
Honecker werden der ehemalige Minister für Staatssicherheit, Erich
Mielke, der frühere Verteidigungsminister Heinz Keßler
(geb. 1920), sein Stellvertreter Fritz Streletz (geb. 1926), Willi
Stoph, der ehemalige DDR-Ministerpräsident, und der frühere
SED-Bezirkssekretär von Suhl, Hans Albrecht (geb. 1919), angeklagt.
- 14.11. Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren in Bonn unter
dem Motto "Grundrechte verteidigen, Flüchtlinge schützen,
Rassismus bekämpfen" gegen den wachsenden Fremdenhass.
- 16.11. Der UN-Sicherheitsrat verschärft die bislang nicht
eingehaltene Handelsblockade gegen Rest-Jugoslawien.
- 17.11. Auf ihrem Sonderparteitag in Bonn verabschieden die
SPD-Delegierten Grundsatzbeschlüsse zur Änderung des Asylrechts
und zur Beteiligung von deutschen Soldaten an UNO-Einsätzen.
- 23.11. In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln
kommen drei Türkinnen bei einem Brandanschlag rechtsextremer Gewalttäter
ums Leben, sieben Personen werden verletzt.
Die Parteien Die Grünen und Bündnis 90 unterzeichnen in Bonn
einen Vertrag über die Vereinigung beider Gruppierungen.
- 27.11. Als Reaktion auf den Brandanschlag in Mölln verbietet
Bundesinnenminister Rudolf Seiters (geb. 1937) die rechtsextremistische
Organisation "Nationalistische Front". Bei der Durchsuchung von Wohnungen
und Büros wird zahlreiches Propagandamaterial sichergestellt.
Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats sind im Bürgerkriegsgebiet
des früheren Jugoslawiens etwa drei Millionen Menschen auf der
Flucht. Die Hälfte der Flüchtlinge stammt aus Bosnien-Herzegowina.
Knapp 600.000 Flüchtlinge sind in andere europäische Länder
geflohen, vor allem nach Deutschland.
- 30.11. Die UN-Menschenrechtskommission verurteilt die bosnischen
Serben wegen ihrer Politik der "ethnischen Säuberungen" und anderer
Menschenrechtsverletzungen.
- Dezember
- 2.12. Mit 543 gegen 17 Stimmen billigen die Abgeordneten des
Deutschen Bundestags das Vertragswerk
von Maastricht zur Gründung einer Europäischen Union.
- 6.12. In München protestieren mehr als 400.000 Menschen
mit einer 45 Kilometer langen Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit
in Deutschland.
Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und F.D.P. einigt sich mit der größten
Oppositionspartei SPD über eine Änderung des Artikels 16 im
Grundgesetz zum Asylrecht.
Nach dem neuen Grundgesetzartikel 16a sollen Asylbewerber aus anderen
EG-Staaten und sogenannten sicheren Drittländern ohne Gerichtsverfahren
zurückgeschickt werden.
Bei einer Volksabstimmung lehnen die stimmberechtigten Schweizer den
Beitritt ihres Landes zum Europäischen Wirtschaftsraum mehrheitlich
ab.
Bei den ersten freien Wahlen in der unabhängigen Republik Slowenien
siegt der bisherige Staatspräsident und ehemalige Reformkommunist
Milan Kucan (geb. 1941) mit 64 Prozent der Stimmen. Stärkste Fraktion
im Parlament sind die Liberaldemokraten mit 23,3 Prozent der Stimmen.
- 7.12. In Washington beginnt die achte Runde der Nahost-Friedensgespräche,
die nach zehn Tagen ohne greifbare Ergebnisse beendet wird.
- 8.12. Durch eine Großoffensive serbischer Truppen wird
die bosnische Hauptstadt Sarajewo von der Außenwelt abgeschnitten.
- 9.12. In der somalischen Hauptstadt Mogadischu landen die ersten
Soldaten einer multinationalen Friedenstruppe unter militärischer
Leitung der USA, die im Auftrag der UNO aufgrund eines Weltsicherheitsrats-Beschlusses
vom 3. Dezember 1992 den Transport und die Verteilung von Lebensmitteln
sichern soll. Es ist die erste UN-Militärmission zur Durchsetzung
humanitärer Ziele.
Mit breiter Mehrheit billigt der Bundestag
die von vielen Ärzten und Apothekern bekämpfte Gesundheitsreform.
- 10.12. Bundesinnenminister Rudolf Seiters verbietet die rechtsextreme
Vereinigung "Deutsche Alternative", deren rund 350 Mitglieder vor allem
in Brandenburg leben.
- 13.12. Bei einer Volksabstimmung entscheiden sich 55,8 Prozent
der Liechtensteiner für den Beitritt ihres Landes zum Europäischen
Wirtschaftsraum.
- 14.12. Der russische Volksdeputiertenkongress wählt den
ehemaligen sowjetischen Energieminister Viktor Tschernomyrdin (geb.
1938), einen Kritiker der forcierten Privatisierungspolitik, zum neuen
Ministerpräsidenten.
Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (geb. 1930) tritt aus
Protest gegen die Jugoslawien-Politik der Bundesregierung von seinem
Ministeramt zurück.
- 16.12. Der UN-Sicherheitsrat billigt die Entsendung von 7.500
Blauhelm-Soldaten
und Zivilbeamten nach Mosambik zur Überwachung des Waffenstillstandes
und des Bürgerkriegsendes.
- 17.12. Bundeskanzler Helmut Kohl kündigt an, dass sich
die Bundesrepublik mit 1.500 Soldaten an der UN-Mission in Somalia beteiligen
wird.
Der serbische Präsident Slobodan Milosevic wird bei den vorgezogenen
Präsidentschaftswahlen mit 56,3 Prozent der Stimmen in seinem Amt
bestätigt. Seine Sozialistische Partei verliert jedoch bei den
Parlamentswahlen die absolute Mehrheit und muss künftig mit der
extrem nationalistischen Radikalen Partei regieren.
- 22.12. Die USA heben das 1989 nach der blutigen Niederschlagung
der Demokratiebewegung gegen China verhängte Waffenembargo auf.
- 23.12. Der neue Privatsender RTL 2 geht auf Sendung, nachdem
er die notwendige Lizenz von der Hessischen Landesanstalt für privaten
Rundfunk erhalten hat.
- 28.12. Der Schriftsteller Günter
Grass tritt wegen der Kursänderung der SPD in der Asylfrage
aus der Partei aus.
- 29.12. Die USA und Russland einigen sich in Genf auf den START
(Strategic Arms Reduction Ralks) -II-Vertrag zur weltweiten Reduzierung
der strategischen Nuklearwaffen.
- Außerdem
- Jurek Becker:
Amanda herzlos (Roman)
Günter Grass:
Unkenrufe (Erzählung)
Heiner Müller:
Krieg ohne Schlacht (Autobiographie)
Erwin Strittmatter:
Der Laden (Roman)
(ahw/cwg)
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