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- Januar
- 1.1.
Die Bestimmungen des
Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)
treten in Kraft. Er bildet mit
18 Staaten vom Nordkap bis Sizilien und vom Atlantik bis zur Oder den weltgrößten Markt für
freien Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr mit ca. 375 Millionen Verbrauchern; sie
genießen Freizügigkeit und können ihren Arbeitsplatz frei wählen.
Die Deutsche Bundesbahn (West) und die Deutsche Reichsbahn (Ost) werden
mit Wirkung vom 1. Januar 1994 privatisiert. Sie bilden die Deutsche
Bahn AG (DBAG), die organisatorisch und finanziell in die drei Sparten
Personenverkehr, Güterverkehr und Schienennetz aufgeteilt werden
soll.
- 6.1.
Die US-amerikanische Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan (geb. 1969) wird beim Training durch ein Attentat
mit einer Eisenstange verletzt. Recherchen ergeben eine Verstrickung ihrer Rivalin und neuen
US-Meisterin Tonya Harding (geb. 1971) in den Anschlag. Der Fall wird unter dem Titel
"Die Schöne und das Biest" zu einem Medienspektakel.
- 10./11.1.
Auf dem
NATO-Gipfel
in Brüssel wird das Programm "Partnerschaft für den Frieden"
verabschiedet. Es bietet vor allem den mittel- und osteuropäischen Reformstaaten, die in die
NATO drängen, eine militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit der langfristigen
Perspektive eines späteren Beitritts an.
- 14.1. Eine "Allparteienrunde" (ohne Bündnis
90/Grüne und PDS) unter Leitung von Bundeskanzler Helmut
Kohl einigt sich auf den Umzug von Regierung und Parlament nach
Berlin spätestens zum Jahr 2000.
- 15.1.
In Hannover wird ein unabhängiges Grün-Alternatives Jugendbündnis gegründet. Es steht als
Nachwuchsorganisation der Partei Bündnis 90/Grüne nahe.
- 20.1.
An den Strand des niederländischen Küstenortes Ijmuiden werden die ersten von 500.000
kleinen Beuteln mit hochgiftigem Schädlingsbekämpfungsmitteln angeschwemmt, die der
französische Frachter Sherbo am 8./9.12.1993 vor der Normandie verloren hatte. Am 27. Januar
beschließen die Verkehrsminister aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien und den
Niederlanden strengere Auflagen für Gifttransporte und die verstärkte Kontrolle der Ladung in den
Häfen.
- Februar
- 9.2. Die NATO-Staaten drohen den Serben Bosnien-Herzegowinas
mit Luftangriffen, wenn sie nicht bis zum 21. Februar ihre schweren
Geschütze im Umkreis von 20 km um die Hauptstadt Sarajevo abziehen
oder sie den Blauhelm-Soldaten
der UNO übergeben.
- 11.2. Aufgrund des NATO-Ultimatiums beginnen die bosnischen
Serben mit dem Abzug ihrer schweren Geschütze um Sarajevo. Der
Rückzug bewirkt eine zeitweilige Waffenruhe, die den Bewohnern
der Hauptstadt erstmals seit April 1992 eine Ruhepause im Bürgerkrieg
der von Serbien und Kroatien unterstützten verfeindeten Volksgruppen
verschafft.
- 12.-27.2. In Lillehammer/Norwegen finden die XVII. Olympischen
Winterspiele statt. Erstmals werden die Winterspiele zur besseren Vermarktung
nicht im selben Jahr wie die Sommerspiele veranstaltet.
- 14.2.
In den USA wird das in allen Industrienationen geltende metrische System eingeführt. Es
löst Maßeinheiten wie Meile, Fuß, Unze und Pfund ab.
- 22.2.
Die Kabarettistin
Lore Lorentz stirbt in Düsseldorf
an den Folgen einer Lungenentzündung.
- 23.2. Die Befehlshaber der bosnischen und der kroatischen Truppen
in Bosnien-Herzegowina unterzeichnen in Zagreb/Kroatien einen am 25.
Februar in Kraft tretenden Waffenstillstand.
- 25.2. In einer Moschee in Hebron im israelisch besetzten Westjordanland
erschießt ein israelischer Siedler mindestens 29 Palästinenser.
Als Reaktion erklärt das israelische Kabinett alle besetzten Gebiete
zu geschlossenen Militärzonen.
Der Künstler Christo (geb. 1935) erhält vom Bundestag die Zustimmung für sein Reichstagsprojekt.
In der namentlich durchgeführten Abstimmung votieren 292 vom Fraktionszwang befreite Abgeordnete
für die geplante Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes.
- 28.2.
Die letzten deutschen Soldaten verlassen das Bundeswehrlager in Somalia.
Beim ersten Kampfeinsatz der NATO seit ihrer Gründung 1949 schießen zwei F-16-Maschinen
vier in die Flugverbotszone über Bosnien eingedrungene serbische Militärmaschinen ab.
- März
- 1.3.
Das Parlament von Georgien billigt den Beitritt zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)
als elftes Mitglied.
- 4.3. Der UN-Sicherheitsrat ermächtigt die UNO-Truppen
in Bosnien-Herzegowina, zur Wiederherstellung des öffentlichen
Lebens Waffengewalt einzusetzen und Blockaden gewaltsam zu durchbrechen.
- 11.3. Die Bundesregierung beschließt die Einführung
der Pflegeversicherung. Sie ist als vierte Säule der Sozialversicherung
neben Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung vorgesehen und
soll das finanzielle Risiko bei Pflegebedürftigen absichern. Das
Gesetzeswerk tritt am 1. Januar 1995 in Kraft.
- 12.3.
Die anglikanische Kirche von England weiht die ersten 32 Priesterinnen. Zahlreiche
orthodoxe Gläubige erklären daraufhin ihren Austritt aus der Kirche.
- 18.3. Vertreter von Bosnien-Herzegowina und Kroatien unterzeichnen
in Washington die "Verfassung einer Föderation von Bosnien und
Herzegowina", die einen Bundesstaat nach schweizerischem Vorbild vorsieht.
- 19.3. Bei Protesten von Kurden in der Augsburger Innenstadt
gegen die Unterdrückung ihres Volkes in der Türkei und gegen
das Verbot der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in Deutschland kommt
es zu Krawallen. In den folgenden Tagen eskalieren die Auseinandersetzungen,
unter anderem blockieren an verschieden Stellen protestierende Kurden
deutsche Autobahnen. In mehreren Fällen zünden sich Kurden
selbst an.
- 22.3.
Der Film "Schindlers Liste" von US-Regisseur Steven Spielberg (geb. 1947) erhält in
Los Angeles sieben "Oscars" und wird zum erfolgreichsten Film des Jahres. Es wird
die auf historischen Gegebenheiten beruhende Geschichte des Fabrikanten Oskar
Schindler (1908-1974) erzählt, der während der
NS-Zeit die bei ihm angestellten
jüdischen Arbeiter vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten rettet.
- 25.3.
Die EU-Kommission verhängt über Niedersachsen ein Exportverbot für Schweine. Seit
Oktober 1993 trat dort die Schweinepest auf. In dem zum Sperrgebiet erklärten Bundesland war
der illegale Transport von 36.000 Schweinen bekannt geworden.
- 26.3.
Henry Maske (geb. 1964) verteidigt in Dortmund seinen Titel als Halbschwergewichtsweltmeister des
Boxverbandes IBF durch einen Abbruchsieg in der neunten Runde gegen den US-Amerikaner
Ernesto Magdaleno.
- 27./28.3. Bei den zweitägigen Parlamentswahlen in Italien
erreicht das von Medienunternehmer Silvio Berlusconi (geb. 1936) angeführte
Rechtsbündnis die absolute Mehrheit.
- April
- 1.4.
In Deutschland tritt das neue Namensrecht in Kraft, nach dem Eheleute nicht mehr einen
gemeinsamen Ehenamen führen müssen.
- 6.4.
Die 47. Panzerdevision der Streitkräfte der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in
Hillersleben/Sachsen-Anhalt wird verabschiedet und zieht ab.
- 8.4. Kurt Cobain (geb.1967), Leadsänger der Gruppe "Nirvana"
und einer der Hauptvertreter des sogenannten Grunge-Rock, begeht in
Seattle Selbstmord.
- 15.4. Nach dem Abschluss der sogenannten Uruguay-Runde des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT/General Agreement of Tariffs
and Trade) billigen 104 Staaten den Vertrag über die Schaffung
der Welthandelsorganisation WTO (World Trade Organization) mit Wirkung
vom 1. Januar 1995. Die WTO soll den freien Welthandel überwachen
und Handelskonflikte schlichten.
Die Jürgen Schneider AG meldet Konkurs an. Das Konkursverfahren
deckt auf, dass die Immobilienholding bei etwa 50 Gläubigerbanken
mit über fünf Milliarden D-Mark verschuldet ist. Hauptgläubiger
ist die Deutsche Bank, die Großkredite ohne hinreichende Sicherheit
gewährt hat. Am 26. April wird gegen Schneider (geb. 1934), dessen
Aufenthaltsort unbekannt ist, ein Haftbefehl wegen Verdachts auf Betrug
und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit einem Kredit der Deutschen
Bank erlassen. Der Unternehmer hatte in Großprojekte vor allem
in den neuen
Bundesländern investiert.
- 22.4. Der seit zwei Jahren gesuchte Kaufhauserpresser "Dagobert"
wird in Berlin festgenommen. Mit fünf Bombenanschlägen auf
Karstadt-Kaufhäuser hatte der Mann unter dem Decknamen "Dagobert"
das Unternehmen erpresst. Der 44jährige Täter hatte besonders
durch eine Reihe spektakulärer, aber gescheiterter Geldübergabeaktionen
in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt.
- 26.-29.4. Die Oppositionsbewegung Afrikanischer Nationalkongress
(ANC) gewinnt bei den ersten freien Wahlen in Südafrika mit 62,7
Prozent der Stimmen 252 von 400 Mandaten. Am 9. Mai wird der Chef des
ANC, Nelson Mandela (geb. 1918), zum ersten schwarzen Präsidenten
Südafrikas gewählt; damit endet die 342 Jahre dauernde Herrschaft
der weißen Minderheit über die schwarze Bevölkerung.
- Mai
- 4.5. In Kairo unterzeichnen Israels Ministerpräsident
Yitzhak Rabin (1922-1995) und der Vorsitzende der Palästinensischen
Befreiungsfront (PLO), Jassir Arafat (1929-2004), das Abkommen über
die Autonomie der Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten
Gazastreifen und Jericho. Damit erreichen die Friedensbemühungen
in Nahost ein wichtiges Etappenziel. Israel verpflichtet sich seine
Truppen zurückziehen und die Verwaltung der Gebiete einer palästinensischen
Regierungsbehörde zu überlassen.
- 6.5.
In Calais/Frankreich wird der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal, der Frankreich und England
verbindet, eröffnet.
- 9.5. Der ANC-Vorsitzende Nelson Mandela (geb.1918) wird zum
ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.
- 12.5.
Rund 60
rechtsradikale
Jugendliche machen in der Innenstadt von Magdeburg Jagd auf
eine Gruppe Schwarzafrikaner. Bei den Ausschreitungen werden sechs Menschen verletzt. Kritik
entzündet sich an dem Verhalten der Polizei, die zu spät und zu zögerlich gegen die Randalierer
einschreitet. Augenzeugen werfen einzelnen Polizisten vor, den Gewalttätern teilweise mit offener
Sympathie begegnet zu sein. Im Juli und August werden sechs der rechtsradikalen Rädelsführer
im Alter zwischen 19 und 23 Jahren zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
- 19.5. Der Bundestag
billigt eine Sozialreform, die den rund 300.000 deutschen Bäuerinnen
erstmals einen eigenen Rentenanspruch sichert.
- 23.5. Die Bundesversammlung wählt im Berliner Reichstagsgebäude
den Unionskandidaten und bisherigen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts
Roman Herzog zum
neuen Bundespräsidenten.
- 24.5. Vier Muslim-Fundamentalisten werden in den USA für
den Bombenanschlag auf das 110stöckige World Trade Center in New
York am 26. Februar 1993 zu je 240 Jahren Haft verurteilt. Bei dem Attentat
waren sechs Menschen ums Leben gekommen und rund 300 verletzt worden.
- 27.5. Der russische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger
Alexander Solschenizyn (geb. 1918) kehrt nach 20jährigem Exil in
den USA nach Russland zurück.
- 28.5.
Eröffnung des neuen Kunstmuseums in Wolfsburg.
- 29.5. In Santiago de Chile stirbt der ehemalige Staats- und
Parteichef der DDR, Erich
Honecker, im Alter von 81 Jahren an einem Krebsleiden.
- Juni
- 3.6.
Die USA beginnen mit dem 1977 vereinbarten Abzug ihrer Truppen aus Panama, das bis
Ende 1999 von den US-Streitkräften geräumt sein soll.
- 12.6. Die österreichische Bevölkerung stimmt mit
66,4 Prozent der Stimmen für den Beitritt zur Europäischen
Union (EU).
Die vierte Direktwahl zum Europäischen Parlament gewinnt in Deutschland
die CDU/CSU
mit 38,8 Prozent der abgegebenen Stimmen, die SPD erreicht 32,2 Prozent
und die Grünen 10,1 Prozent. Die F.D.P., die PDS und die Republikaner
scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.
- 14.6.
Eröffnung des
Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
- 17.6. Der Bundestag verabschiedet am 41. Jahrestag des Volksaufstandes
vom 17. Juni 1953 in der DDR seine Entschließung zum Abschluss
der Enquete-Kommission. Sie war eingesetzt worden, um die Geschichte
und die Folgen
der SED-Diktatur in Deutschland aufzuarbeiten. Darin wird die DDR
von Anfang an als totalitäre Diktatur eingestuft.
- 18.6. Auf der Straße des 17.
Juni in Berlin findet die letzte gemeinsame Parade von Truppen
der westlichen Alliierten statt.
- 22.6.
Der UN-Sicherheitsrat stimmt einer Militärintervention Frankreichs in der vom Bürgerkrieg
erschütterten ostafrikanischen Republik Ruanda zu. Angehörige des in den Südwesten des Landes
geflüchteten Tutsi-Stammes sollen vor Massakern durch die Hutu-Regierungstruppen geschützt
werden.
- 26.6. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt verliert die
konservativ-liberale Regierungskoalition unter Ministerpräsident
Christoph Bergner (geb. 1948) (CDU) nach dem Scheitern der F.D.P. an
der Fünf-Prozent-Hürde
ihre Mehrheit. Unter Duldung der SED-Nachfolgepartei PDS bildet SPD-Spitzenkandidat
Reinhard Höppner (geb. 1948) eine rot-grüne Minderheitsregierung.
- Juli
- 1.7.
Roman Herzog tritt sein Amt als erster gesamtdeutsch gewählter Bundespräsident an.
- 8.7. Auf dem 20. Weltwirtschaftsgipfel
in Neapel/Italien wird Russland ein Mitspracherecht bei außenpolitischen
Entscheidungen gewährt.
- 10.7. US-Präsident Bill
Clinton trifft zu einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik ein.
In seiner Rede in Berlin bindet Clinton ähnlich wie John
F. Kennedy 1963 deutsche Worte ein: "Amerika steht an Ihrer Seite
- jetzt und für immer".
- 12.7. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Teilnahme
der Bundeswehr an UNO-Kampfeinsätzen auch außerhalb des NATO-Gebiets
prinzipiell für zulässig. Der Bundestag erhält allerdings
ein Vetorecht: Vor jedem Einsatz muss das Parlament künftig mit
einfacher Mehrheit zustimmen.
- 14.7. Erstmals nehmen deutsche Soldaten an einer Truppenparade
auf den Champs-Elysées in Paris zum französischen Nationalfeiertag
teil.
- 17.7.
Die brasilianische Nationalmannschaft erringt bei den Fußballweltmeisterschaften in den
USA zum vierten Mal den Weltmeistertitel. Die deutsche Mannschaft unterlag bereits im
Viertelfinale gegen Bulgarien mit 1:2 und schied aus.
- 18.7.
Die Tutsi-Rebellen der oppositionellen Patriotischen Front Ruandas setzen sich militärisch im
Bürgerkrieg in Ruanda durch und erklären den Krieg für beendet, in dem bis Mitte des Jahres nach
Schätzungen internationaler Hilfsorganisationen rund 500.000 Menschen ums Leben gekommen
sind.
- 20.7.
In Nordkorea wird Kim Jong-Il (geb. 1942), der Sohn des verstorbenen Staatspräsidenten
Kim Il-Sung (1912-1994), als neuer Staatspräsident bestätigt.
- 21.7.
Das Europäische Parlament wählt den luxemburgischen Regierungschef Jacques Santer (geb. 1937)
zum Präsidenten der Europäischen Kommission.
- 22.7. Entsprechend dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts
vom 12. Juli billigt der Bundestag in einer Sondersitzung die Entsendung
von Bundeswehrsoldaten nach Bosnien-Herzegowina.
- 23.7. Eine Gruppe Skinheads überfällt und schändet
in Thüringen die KZ-Gedenkstätte
Buchenwald bei Weimar.
- 26.7.
Das hessische Umweltministerium in Wiesbaden ruft erstmals Ozonalarm aus. Der Alarm ist
mit Tempolimits auf Autobahnen und Landstraßen verbunden.
- August
- 1.8.
Nach dem neuen Beschäftigungsförderungsgesetz ist künftig die private Arbeitsvermittlung
ohne regionale Beschränkung zugelassen und damit das bisherige Monopol der Bundesanstalt für
Arbeit abgeschafft.
Bundespräsident Roman Herzog bittet in der Feierstunde aus Anlass
des 50. Jahrestages des Warschauer
Aufstandes um Vergebung für die deutschen Verbrechen in Polen
zwischen 1939 und 1945.
- 5.8. In der kubanischen Hauptstadt kommt es zu den schwersten
regierungsfeindlichen Unruhen seit der Machtübernahme von Fidel
Castro (geb. 1927) im Jahr 1959. Als Folge weist Castro am 7. August
die Aufhebung der Küstenüberwachung an und löst damit
die größte Massenflucht aus Kuba aus.
- 8.8.
Als erster Staat der Welt errichtet die Bundesrepublik ein "Repräsentanzbüro" ohne
diplomatischen Status bei der palästinensischen Autonomieregierung in Jericho.
- 10.8.
Auf dem Flughafen München II wird mit rund 300 Gramm hochreinem Plutonium 239 die bisher
größte Menge atomwaffentauglichen Materials in Deutschland sichergestellt.
- 12.8.
Im US-Bundesstaat New York beginnt ein dreitägiges Revival-Konzert zur Erinnerung an das
Woodstock-Konzert 1969.
- 30.8.
Die Neuordnung und Privatisierung des Postwesens und der Telekommunikation werden
verfassungsrechtlich ermöglicht.
- 31.8.
In Nordirland erklärt die katholische Untergrundorganisation Irisch Republikanische Armee
(IRA) einen uneingeschränkten Waffenstillstand in dem seit 1969 andauernden Konflikt mit
Großbritannien.
Die letzten
russischen Soldaten werden in Berlin in Anwesenheit von Russlands
Präsidenten Boris
Jelzin verabschiedet.
- September
- 5.-13.9.
Auf der Weltbevölkerungskonferenz der UNO in Kairo, an der 183 Staaten beteiligt sind,
wird kontrovers über das Wachstum der Weltbevölkerung, über Geburtenkontrolle und Abtreibung
sowie über die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft diskutiert.
- 8.9. Eine Abschiedsfeier
beendet offiziell die seit 1945 währende Präsenz der Westalliierten
USA, Großbritannien und Frankreich in Berlin. Als Gäste begrüßt
Bundeskanzler Helmut Kohl den französischen Staatspräsidenten
François Mitterrand (geb.1916), den britischen Premier John Major
(geb. 1943) und US-Außenminister Warren Christopher (geb. 1925).
- 13.9.-15.11.
Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt die Ausstellung "Mahnmale des
Holocaust - Motive, Rituale und Stätten des Gedenkens".
- 19.9.
Auf Haiti beginnt die Landung von rund 21.000 US-Soldaten. Sie sollen die
Wiedereinsetzung des 1991 gestürzten Präsidenten Jean Bertrand Aristide (geb. 1953)
und die Rückkehr des Landes zur Demokratie überwachen.
- 23.9. Aus der Industriemetropole Surat nördlich von Bombay/Indien
fliehen mehr als 250.000 Menschen, nachdem dort die Pest ausgebrochen
ist.
- 25.9.-4.12.
Mit der Ausstellung "Platons Höhle - Erleben, Erkennen, Erinnern" thematisiert das
Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen Funktionsweisen des Museums im Zeitalter der
elektronischen Medien.
- 28.9. Vor der finnischen Küste sinkt bei schwerem Unwetter
innerhalb von 30 Minuten die estnische Fähre "Estonia". Bei dem
Unglück sterben vermutlich 918 Menschen. Ursache des Unglücks
ist wahrscheinlich eine abgerissene Bugklappe.
- 30.9.
Der UN-Sicherheitsrat verlängert das Mandat der
UNO-Truppen im ehemaligen Jugoslawien
(UNPROFOR) bis Ende März 1995.
- Oktober
- 2.10.
Der ehemalige Rittmeister im britischen Königshaus, James Hewitt, veröffentlicht in der
Klatschpresse Details über seine Romanze mit Prinzessin Diana (1961-1997), der getrennt
lebenden Ehefrau des britischen Thronfolgers Prinz Charles (geb. 1948).
- 3.10.
Der deutsche Physiker Ulf Merbold (geb. 1941) startet an Bord einer russischen Sojus-Rakete zur
30tägigen Mission "Euromir '94" ins All. Er soll ca. 30 wissenschaftliche Experimente betreuen,
unter anderem zum Gewichtsverlust und Muskelabbau in der Schwerelosigkeit. Für Merbold ist es
bereits der dritte Ausflug ins All.
Der Schauspieler
Heinz Rühmann
stirbt im Alter von 92 Jahren in seinem Haus am Starnberger See.
- 5.10.
In der Schweiz werden im Kanton Fribourg und im Weiler Les Granges-sur-Salvan die
Leichen von 48 Menschen von der Polizei entdeckt. Mitglieder der Sekte "Das Kreuz und die
Rose" hatten kollektiv Selbstmord begangen. Nach Einschätzung der Polizei
schieden nicht alle Beteiligten freiwillig aus dem Leben.
- 16.10. Bei den Wahlen
zum 13. Deutschen Bundestag behauptet die christlich-liberale Koalition
knapp ihre Mehrheit. Die CDU/CSU erreicht mit 41,5 Prozent der Stimmen
ihr bisher schlechtestes Ergebnis seit 1949. Die SPD verzeichnet 36,4
Prozent, Bündnis 90/Grüne 7,3 Prozent und die F.D.P. 6,9 Prozent
der Stimmen. Die PDS zieht mit 4,4 Prozent in den Bundestag ein, indem
sie im Ostteil Berlins vier Direktmandate
erringt.
Die finnische Bevölkerung billigt mit 57 Prozent der Stimmen den
Beitritt
zur Europäischen Union (EU).
- 26.10.
An der Grenze zwischen Israel und Jordanien unterzeichnen Israels Ministerpräsident
Yitzhak Rabin und sein jordanischer Amtskollege Abdul Salam Majali (geb. 1925) einen Friedensvertrag.
Das Abkommen tritt sofort in Kraft und beendet den seit 1948 herrschenden Kriegszustand
zwischen den beiden Ländern.
- November
- 3.11. Das Landgericht Berlin stellt das Verfahren gegen den
früheren Leiter des DDR-Ministeriums
für Staatssicherheit (MfS), Erich
Mielke, wegen der Erschießung von DDR-Flüchtlingen an
der innerdeutschen
Grenze ein. Der 86jährige Mielke wird als verhandlungsunfähig
eingestuft.
- 10.11.
Der neue Bundestag konstituiert sich im Berliner Reichstagsgebäude. Als Alterspräsident
eröffnet der parteilose Schriftsteller
Stefan Heym die Sitzung.
Rita Süssmuth (CDU) wird als
Bundestagspräsidentin wiedergewählt.
Der Irak erkennt gemäß der Resolution 833 des UNO-Sicherheitsrates die territoriale Integrität
Kuwaits an.
- 13.11. 52,2 Prozent der schwedischen Bevölkerung stimmen
dem Beitritt zur Europäischen Union (EU) zu.
Mit einem Punkt Vorsprung gewinnt Michael
Schumacher als erster Deutscher in Adelaide/Australien die Weltmeisterschaft
der Formel 1.
- 15.11. Der Bundestag wählt Helmut Kohl zum fünften
Mal zum Bundeskanzler.
Die von der Gemeinsamen Verfassungskommission (GVK) vorgeschlagenen
Grundgesetzänderungen,
die zu heftigen Kontroversen zwischen Bundestag, Bundesrat
und Vermittlungsausschuss geführt hatten, treten in Kraft. Dabei
wird unter anderem eine verstärkte Durchsetzung der Gleichberechtigung
von Männern und Frauen festgeschrieben, die Benachteiligung von
Behinderten verboten und der Umweltschutz
als Staatsziel aufgenommen.
- 18.11. Als erste Frau übernimmt Jutta Limbach (geb. 1934)
die Präsidentschaft des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.
- 28.11. Die norwegische Bevölkerung lehnt mit 52,2 Prozent
der Stimmen den Beitritt zur Europäischen
Union (EU) ab. Die EU-Gegner haben sich mit dem Hinweis auf die
Einschränkung der nationalen Selbstbestimmung insbesondere in der
Fischereipolitik durchgesetzt.
- Dezember
- 4.12. Am Rande des KSZE-Gipfeltreffens in Budapest (Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) tauschen US-Präsident
Bill Clinton, Russlands Präsident Boris Jelzin sowie die Präsidenten
der Ukraine, Weißrusslands und Kasachstans die Ratifizierungsurkunden
zum START-1-Abkommen (Strategic Arms Reduction Talks/Verhandlungen über
die Reduzierung der strategischen Waffen) aus. Damit tritt der Vertrag
über eine Reduzierung der Atomwaffen mit einer Reichweite von mehr
als 5.500 km in Kraft, der 1991 unterzeichnet worden war.
- 5.12.
Der SPD-Parteivorstand beschließt eine scharfe Abgrenzung zur SED-Nachfolgepartei PDS
und schließt eine Koalition auf Bundes- oder Landesebene aus.
- 5./6.12. Das KSZE-Gipfeltreffen in Budapest wird von Meinungsverschiedenheiten
überschattet. Russland lehnt die Osterweiterung
der NATO ab und beteiligt sich vorerst nicht an der NATO-Initiative
"Partnerschaft für den Frieden". Die KSZE, die seit 1992 über
eigene ständige Institutionen verfügt, wird in OSZE (Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) umbenannt.
- 7.12.
Aufgrund schwerer Kämpfe in der nordwestbosnischen UNO-Schutzzone Bihac zieht die
UNO-Truppe im ehemaligen Jugoslawien 400 ihrer rund 1.200
Blauhelm-Soldaten ab. Der Sinn
des Einsatzes der UN-Truppen wird grundsätzlich in Frage gestellt, nachdem sich die bosnischen
Serben ungestraft über die Schutzversprechen der UNO gegenüber der Zivilbevölkerung in Bihac
hinweggesetzt haben.
Führende PDS-Mitglieder, darunter Gregor
Gysi und Lothar Bisky (geb. 1941), beenden ihren einwöchigen
Hungerstreik, nachdem das Verwaltungsgericht von Berlin entschieden
hat, dass die strittigen Steuerforderungen in Höhe von 67 Millionen
D-Mark vorläufig nicht aus dem aktuellen Vermögen der Partei
beglichen werden müssen.
- 10.12. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen
Union (EU) sprechen sich zum Abschluss ihres zweitägigen Gipfeltreffens
in Essen für den Beitritt der osteuropäischen Reformstaaten
aus. Auf einen Zeitplan für die Erweiterung
der EU will sich die Gemeinschaft aber nicht festlegen.
Der Friedensnobelpreis
wird an die Nahost-Politiker Jassir Arafat, Yitzhak Rabin und Shimon
Peres (geb. 1923) verliehen. Sie werden für ihre Bemühungen
um die Beilegung der jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen
zwischen Arabern und Juden geehrt.
- 11.12.
Russische Truppen rücken in die nach Unabhängigkeit strebende Republik Tschetschenien
im Nordkaukasus ein.
- 21.12.-17.4.1995
Die Neue Nationalgalerie, Berlin und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf präsentieren die
Werkschau
"George Grosz: Berlin - New York".
- 31.12.
Die
Bundesanstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums der ehemaligen DDR
stellt ihre Arbeit ein. Die größte staatliche Industrie-Holding der Welt hat die volkseigenen
Betriebe der DDR privatwirtschaftlich restrukturiert und in Privateigentum überführt.
- Außerdem
-
In der Bundesrepublik werden in den Sommermonaten die höchsten Temperaturen in diesem
Jahrhundert gemessen. Die Schönwetterperiode dauert von Mitte Juni bis Ende August an.
(iz/cwg)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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