1955-63

 

Unzufriedene Republik: Bundespräsidentenwahl 1959

Zeitung: Schlagzeile der WAZ "Dr. Adenauer wird Bundespräsident", 1959
Photo: Ludwig Erhard präsentiert sein Buch "Wohlstand für alle", 1957
Photo: Bundespräsident Heinrich Lübke nach seiner Vereidigung, 1959

1959 endet die Amtszeit von Bundespräsident Theodor Heuss. Als Nachfolger präsentiert sich am 8. April 1959 in einer von Rundfunk und Fernsehen übertragenen Rede überraschend Bundeskanzler Adenauer. Er hofft, als Bundespräsident nicht bloß repräsentieren, sondern auch mitregieren zu können. Vor allem möchte er von der Villa Hammerschmidt aus Ludwig Erhard vom Bundeskanzleramt fernhalten. Denn Adenauer hält Bundeswirtschaftsminister Erhard - wegen mangelnder außenpolitischer Erfahrung - nicht für fähig, sein Erbe anzutreten.

Schon seit einiger Zeit gibt es Spannungen zwischen Adenauer und Erhard. Die CDU/CSU-Fraktion favorisiert hingegen Erhard als Nachfolger für den 83jährigen Bundeskanzler und hofft, mit dem populären "Vater des Wirtschaftswunders" die nächsten Wahlen zu gewinnen. Als Adenauer erkennt, dass er als Bundespräsident nur wenig Einfluss auf die Tagespolitik hätte, zieht er am 5. Juni 1959 seine Kandidatur zurück.

CDU und CSU sind darüber empört, weil die Möglichkeit, den greisen Kanzler ohne Prestigeverlust ablösen zu können, nun nicht mehr gegeben ist. Die Opposition wirft Adenauer ein "ruchloses Spiel" mit dem höchsten Staatsamt vor. Erstmals wird der Glaube an die weitere Führungsfähigkeit des Bundeskanzlers erschüttert, sein Ansehen sinkt. Zum Nachfolger von Bundespräsident Heuss wählt die Bundesversammlung am 1. Juli 1959 in Berlin den bisherigen Bundesernährungsminister Heinrich Lübke. In einer viel beachteten Antrittsrede lenkt Lübke den Blick der Deutschen auf die Sorgen der "Dritten Welt" und fordert eine aktive Entwicklungshilfe.

Audio-Station Rede: Antrittsrede Bundespräsident Heinrich Lübkes, 15.9.1959
Dokument Rede: Antrittsrede Bundespräsident Heinrich Lübkes, 15.9.1959

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

NachkriegsjahreGeteiltes DeutschlandDeutsche EinheitHomeLeMOImpressum