1955-63

 

Unzufriedene Republik

Plakat zum SPD-Parteitag in Bad Godesberg, 1959
Zeitung: Schlagzeile der WAZ "Dr. Adenauer wird Bundespräsident", 1959
Photo: Das Kabinett Adenauer erhält die Entlassungsurkunden, 1963

Ab Ende der 50er Jahre scheint Bundeskanzler Adenauer die politische Führung zu entgleiten. Die Fehler und Pannen häufen sich: In der Innenpolitik führen das Gerangel um die Nachfolge von Bundespräsident Heuss und die Spiegel-Affäre zu heftiger Kritik am Bundeskanzler. In der Außenpolitik sorgen der Mauerbau in Berlin und die Kuba-Krise für Unruhe. Gleichzeitig gewinnt die seit dem Godesberger Parteitag 1959 erneuerte SPD zunehmend an Attraktivität und drängt darauf, endlich Regierungsverantwortung auf Bundesebene zu übernehmen. Von seiner eigenen Partei und dem Koalitionspartner FDP wird der greise Kanzler 1963 schließlich veranlasst, zurückzutreten. Sein Nachfolger wird Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Mit dem Rücktritt Adenauers endet eine Epoche der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der Prestigeverlust des Regierungschefs setzt schon im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl 1959 ein: Nachdem Adenauer im April 1959 seine Kandidatur für das Bundespräsidentenamt bekanntgegeben hat, zieht er sie zwei Monate später zurück. Zum Nachfolger von Theodor Heuss wählt die Bundesversammlung am 1. Juli 1959 Heinrich Lübke. Auch die Spiegel-Affäre im Oktober 1962 sorgt innenpolitisch für Unruhe. Viele Bürger sehen in dem Vorgehen der Bundesregierung gegen das Hamburger Nachrichtenmagazin eine ernste Bedrohung der Pressefreiheit und des Rechtsstaates. Es kommt zu heftigen Protesten der Bevölkerung. Letztlich stellen sich die Vorwürfe gegen den "Spiegel" als haltlos heraus.

Auch in der Außenpolitik vollzieht sich zu Beginn der 60er Jahre ein Wandel: Nach dem Mauerbau und der Kuba-Krise verändert sich das Verhältnis zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR. Der Kalte Krieg wird allmählich abgelöst durch eine Phase der Entspannung, in der die Supermächte ihre jeweiligen Interessenssphären respektieren.

Das Problem der deutschen Teilung findet international zunehmend weniger Beachtung. Der Bundesrepublik Deutschland gelingt die Anpassung an diese neue Entwicklung auch nach dem Kanzlerwechsel von Adenauer zu Erhard nur schwer.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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