1955-63

 

Wirtschaftswunder: Jugendkultur "Amerika, Amerika"

Filmplakat: Ausser Rand und Band/ Rock around the clock, 1956
Filmplakat: Die Halbstarken, 1956
Einrichtung: Eisdiele "Giacomel", 1955

Die Jugend, geprägt durch die erzwungene Selbstständigkeit in den ersten Nachkriegsjahren und die Erfahrungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht, rebelliert gegen die scheinbar heile Welt der Wiederaufbaugesellschaft. Die USA werden für viele Jugendliche zum Vorbild für neue Ideen, Waren und Verhaltensweisen. Der Rock 'n' Roll ist Ausdruck ihres Protestes gegen Langeweile, beengte Wohnverhältnisse und öffentliche Ordnung. Die Industrie reagiert schnell auf diese Revolte, neue Märkte für junge Kunden entstehen. Was als Jugendprotest beginnt, endet als Jugendkultur, die das Lebensgefühl prägt.

Mit Bill Haley und seinem Film "Rock around the clock" beginnt der beispiellose Siegeszug des Rock 'n' Roll mit seinen neuartigen Rhythmen. Viele Jugendliche begreifen diese Musik als eine betonte Abgrenzung gegenüber der Elterngeneration. Nur selten bricht sich diese Auflehnung auch gewaltsam Bahn. Krawalle, an denen sich vor allem Lehrlinge und junge Arbeiter beteiligen, bleiben das Problem einer Minderheit, prägen aber dennoch das Bild eines neuen Jugendtyps: des Halbstarken. Bald erkennen Filmemacher und Musikproduzenten ihre Marktchance. "Die Halbstarken" heißt ein Film mit Horst Buchholz und Karin Baal in den Hauptrollen.

Die USA sind Leitbild in der Filmproduktion und beherrschen den deutschen Filmmarkt. Typen wie der harte Draufgänger Marlon Brando oder der Rebell James Dean werden zu Idolen der "Teenager". Auch äußerlich dienen amerikanische Film- und Rockgrößen als Vorbild. Mit Elvis-Tolle, Lederjacke und James-Dean-Jeans provozieren die Heranwachsenden ihre Eltern. Sie treffen sich in Milchbars und Eisdielen und tanzen zu den Klängen der Musikbox. Schallplatten- und Radioindustrie profitieren vom jugendlichen Amerikafieber. Jugendliche werden zu Vorreitern einer neuen Warenwelt und eines neuen Lebensgefühls.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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