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Das Bild vom "Erfolgsdeutschen" hat eine Kehrseite. Licht und Schatten sind ungleich verteilt. 75
Prozent aller privaten Vermögen sind im Besitz von nur 17 Prozent der Bevölkerung. 1955 sind 20
Prozent der Westdeutschen von Sozialleistungen abhängig, etwa 1 Million Haushalte leben unter der
Armutsgrenze von 130 Mark Monatseinkommen. Im Bundeshaushalt betragen die Sozialausgaben 42,6
Prozent der Gesamtausgaben. In vielfältiger Weise versucht der Staat, Not und soziale Ungleichheit zu
mildern. Zugleich erkämpfen die Gewerkschaften wesentliche Verbesserungen der sozialen Situation der
Arbeitnehmer.
Vor allem die Familie steht im Mittelpunkt der staatlichen Förderung. Das Mutterschutzgesetz von 1952 und
das Kindergeldgesetz von 1954 sind Ausdruck dieser Politik. Viele Familien können sich keine teure
Ausbildung ihrer Kinder leisten. Männliche Jugendliche beginnen nach der Volksschule zumeist eine Lehre
und müssen einen Teil ihres Lohnes zu Hause abliefern. Die Aufnahme eines Studiums ist mit großen
finanziellen Belastungen verbunden. Der Staat hilft, indem er seit 1955 besonders begabte Studenten im
Rahmen des "Honnefer Modells" mit Stipendien und Darlehen unterstützt.
In der zweiten Hälfte der 50er Jahre spüren endlich auch die Arbeitnehmer die Folgen des Wirtschaftswunders.
Die Löhne ziehen merklich an. 1958 erkämpft die IG-Metall 6 Prozent mehr Lohn und Gehalt, 1960 sogar 8,5
Prozent. Gleichzeitig sinkt die Wochenarbeitszeit zwischen 1955 und 1961 von 49,8 auf 46,2 Stunden, die
Urlaubsdauer wird auf durchschnittlich 15 Werktage im Jahr verlängert. Mit einem 16wöchigen Streik
erreichen die Arbeiter 1957 deutliche Verbesserungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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