1955-63

 

Wirtschaftswunder: Tourismus "Ausbruch aus dem Alltag"

Werbeplakat für italienische Urlaubsziele, 1951
Werbeplakat des FDGB-Feriendienstes, 1954
Werbeplakat: Touropa Fernexpress, 1954

Wachsender Wohlstand und abnehmende Arbeitszeit verändern langsam das Freizeitverhalten der Westdeutschen. Obwohl der Hang zur Häuslichkeit in den 50er Jahren noch dominiert, steigt die Nachfrage nach Ferienreisen ständig. 1960 verreist bereits ein Drittel der westdeutschen Bevölkerung. Der Urlaub wird zum Statussymbol. Viele Bundesbürger träumen von fernen Ländern. An der Spitze der Wunschskala steht ein Besuch der Riviera. Mitte der 50er Jahre reisen bereits 4,5 Millionen Deutsche nach Italien. Doch bis 1968 steuert der westdeutsche Tourist vorrangig inländische Urlaubsziele an.

Bereits in den 50er Jahren bemühen sich die Gewerkschaften um eine Ausweitung des Rechts auf Urlaub. 1963 tritt nach langen Diskussionen ein einheitliches Bundesurlaubsgesetz in Kraft, das 18 Werktage Mindesturlaub vorschreibt. Ein Jahr später wird in der Metallbranche erstmals der tarifliche Anspruch auf Urlaubsgeld durchgesetzt. Die DDR verankert bereits 1949 das allgemeine Recht auf Urlaub in der Verfassung und fördert das Erholungswesen "planmäßig". Betriebe und Freier Deutscher Gewerkschaftsbund errichten mit hohen Subventionen ein Netz von Ferienheimen.

In Westdeutschland sind "Gesellschaftsreisen" vor allem nach Oberbayern und an die Adria beliebt. Touristikpioniere wie Carl Degener (1900-1960) und Wilhelm Scharnow (geb.1897) bieten preiswerte Pauschalreisen für breite Bevölkerungsschichten an. Bis 1957 benutzt die Mehrheit der Urlaubsreisenden die Eisenbahn, erst in den 60er Jahren wird das Auto wichtigstes Reiseverkehrsmittel. Die wachsende Motorisierung begünstigt in beiden Teilen Deutschlands das Camping als neue, individuelle Reiseart. Viele DDR-Bürger, denen das kapitalistische Ausland verschlossen bleibt, entziehen sich auf dem Campingplatz dem staatlich gelenkten Urlaub.

[Kollektives Gedächtnis] Horst Bartsch: Begegnung in einem italienischen Dorf
[Kollektives Gedächtnis] Wolfgang Dietz: Italienurlaub
[Kollektives Gedächtnis] Hans und Luise Füllmann: Erinnerungen an eine Großglocknerfahrt

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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