1949-55

 

Gegenwärtige Vergangenheit: Vertriebenenorganisationen

Dokument: Charta der deutschen Heimatvertriebenen, 1950
Wahlplakat: Gesamtdeutscher Block BHE, 1953
Ausweis: Für Vertriebene und Flüchtlinge, 1953

Nach Aufhebung des alliierten Koalitionsverbotes für Vertriebene Ende 1948 kommt es auf regionaler und Landesebene zu Zusammenschlüssen von Flüchtlingen und Vertriebenen. 1949 gründen diese zur Wahrnehmung ihrer wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen den Zentralverband der vertriebenen Deutschen (ZvD).
Zugleich organisieren sich die Vertriebenen zur Vertretung ihrer kulturellen und heimatpolitischen Belange entsprechend ihrer Herkunft in Landsmannschaften. 1949 verbinden sich diese zu den Vereinigten Ostdeutschen Landsmannschaften (VOL), die sich 1952 als Verband der Landsmannschaften (VdL) neu organisieren. 1957 erfolgt der Zusammenschluss von VdL und ZvD zum Bund der Vertriebenen, Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände (BdV), der rund 2,8 Millionen Mitglieder vertritt.

1950 wird in Stuttgart die Charta der Heimatvertriebenen verkündet, die Forderungen nach sozialer und wirtschaftlicher Gleichstellung enthält. Ausdrücklich verzichten die Vertriebenen auf Rache und Vergeltung, verteidigen jedoch ihr Recht auf Heimat. Ihre Nichtanerkennung der Nachkriegsgrenzen entspricht der offiziellen Bonner Politik.
In den 50er Jahren gehören bis zu einem Sechstel der Bundestagsabgeordneten den Vertriebenenverbänden an. 1953 gelingt dem Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) sogar der Sprung ins Parlament, im zweiten Kabinett Konrad Adenauers stellt die Vertriebenenpartei überdies zwei Minister. Gerade durch ihre parlamentarische Präsenz nehmen die Vertriebenen großen Einfluss auf die deutsche Außenpolitik.

Wesentliche wirtschaftliche und soziale Forderungen der Vertriebenenverbände werden erfüllt. Die Lastenausgleichsgesetzgebung trägt zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten bei, deren besonderer Rechtsstatus 1953 per Gesetz festgeschrieben wird.
Mit Bildung der Großen Koalition nimmt der Einfluss der Vertriebenen zusehends ab. Ihre Versuche, die sozial-liberale Neue Ostpolitik zu behindern, bleiben erfolglos.

Dokument Erklärung: Charta der deutschen Heimatvertriebenen, 1950

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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