1949-55 |
Kulturelles Leben |
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Die Kultur der 50er Jahre scheut die direkte Auseinandersetzung mit gegenwärtiger Existenznot und unbewältigter Vergangenheit. Der allgemeine Wunsch der Wiederaufbaugeneration, wieder ein "normales" Leben zu führen, beeinflusst auch den Kulturbetrieb. In den Medien vollzieht sich langsam ein Wechsel vom tristen Schwarzweiß zu einer bunten Farbwelt. Das Literaturangebot in Ost und West ist auch ein Spiegel der jeweiligen gesellschaftlichen Werte und der Einbindung in gegensätzliche politische Bündnissysteme. Im Westen überwiegt ein Rückzug in die Innerlichkeit, im Osten entsteht eine staatlich geförderte sozialistische Aufbauliteratur. Reich bebilderte Illustrierte und Comics feiern im Westen ihren Siegeszug. Das Kino präsentiert vor allem anspruchslose Unterhaltungsfilme. Als Genre dominiert der "Heimatfilm", der das Bedürfnis des Publikums nach Flucht aus dem grauen Alltag in eine idyllische, unzerstörte Welt stillt. Daneben können sich aber auch gesellschaftskritische Filme oder Produktionen, die die nationalsozialistische Vergangenheit behandeln, beim Zuschauer behaupten. Ein breites Spektrum der jungen deutschen Gegenwartsliteratur von der Lyrik der Innerlichkeit bis zur zeitkritischen, engagierten Literatur umfasst im Westen die "Gruppe 47". Im Osten ist es vor allem Bertolt Brecht, dessen Werke zeitkritische Akzente setzen. Mit Beginn der 50er Jahre proklamiert die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) das Ziel, eine deutsche sozialistische Kultur zu schaffen, die sich ihrer politischen und gesellschaftlichen Aufgabe bewusst ist. Zu diesem Zweck versucht sie, für Kunst und Literatur verbindliche Normen festzuschreiben. Niedrige Buchpreise und weit verzweigte Bibliothekseinrichtungen dienen der Verbreitung des sozialistischen Lesestoffes. Im Westen sind es dagegen die neuartigen Taschenbücher, die der Literatur ein breites Lesepublikum verschaffen. Bei den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo erringt Deutschland die erste Goldmedaille nach dem Krieg. Wichtiger jedoch, nicht nur in sportlicher Hinsicht, ist der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern, der zur Stärkung des deutschen Selbstbewusstseins beiträgt. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |