1949-55

 

Kulturelles Leben: Literaturhorizonte

Roman: Heinrich Böll "Und sagte kein einziges Wort", 1953
Roman: Eduard Claudius "Von Liebe soll man nicht nur sprechen", 1957

Das Literaturangebot im Westen weist in den 50er Jahren eine breite Palette unterschiedlicher Strömungen auf. Nach der Isolierung im "Dritten Reich" besteht ein großer Nachholbedarf an ausländischen Autoren. Daneben finden Dichter und Dramatiker der Vorkriegszeit großes Interesse. Als dominierende Tendenz lässt sich jedoch bei den meisten Autoren eine Flucht vor der politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit feststellen. Dies entspricht der politischen Abstinenz weiter Bevölkerungskreise.
Die Kahlschlag- und Trümmerliteratur der frühen Nachkriegsjahre, die Vergangenheitsbewältigung und Realitätsnähe mit konsequenter Reduktion der Sprache verknüpft, weicht zu Beginn der 50er Jahre einer Dichtung, die die zeitlosen Nöte der menschlichen Existenz thematisiert. Im Klima des Kalten Krieges huldigen viele Schriftsteller der Trennung von Kunst und Politik.

"Für uns sind Kunst und Literatur Waffen für den Sozialismus." Entsprechend dieser Leitidee startet die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) zu Beginn der 50er Jahre in der DDR ihren Kampf gegen den angeblichen "Formalismus" in Kunst und Literatur. Nach dem Vorbild der Sowjetunion verfügt sie als verbindliche künstlerische Schaffensmethode den "Sozialistischen Realismus". Durch "wahrheitsgetreue und historisch konkrete künstlerische Darstellung" soll die ostdeutsche Literatur dazu beitragen, die werktätigen Menschen im Geiste des Sozialismus ideologisch umzuformen und zu erziehen.

Zur Kontrolle und Umsetzung der kulturpolitischen Beschlüsse werden besondere Einrichtungen geschaffen wie das "Amt für Literatur und Verlagswesen" und die "Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten". Ihre Aufgaben gehen später auf das 1954 gegründete Ministerium für Kultur über, dem zunächst der Schriftsteller Johannes R. Becher vorsteht.

Audio-Station Rede: Johannes R. Becher zum Aufbau einer demokratischen Volkskultur in der DDR, 12.10.1954

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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