1949-55

 

Wiederbewaffnung: Streit um die Streitkräfte

Plakat gegen die Wiederbewaffnung, 1951-1955
Plakat der SPD gegen die Wiederbewaffnung, um 1955
Flugblatt der Internationale der Kriegsdienstgegner, 1960er Jahre

Die Frage der Wiederbewaffnung löst in der Bundesrepublik zu Beginn der 50er Jahre eine mit großer Leidenschaft geführte Debatte aus. Der Protest von großen Teilen der Bevölkerung hat zahlreiche Wurzeln: persönliche, pazifistische und nationale. Doch auch nach der Gründung der Bundeswehr ist der Streit um die Streitkräfte nicht beendet. Die Absicht der Bundesregierung, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszurüsten, führt erneut zu heftigen Protesten.

In der "Paulskirchen-Bewegung" sammeln sich die Gegner der Adenauerschen Politik, in erster Linie die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und große Teile der evangelischen Kirche. Am 29. Januar 1955 kommen etwa 1.000 Personen des öffentlichen Lebens in der Frankfurter Paulskirche zusammen und verabschieden ein "Deutsches Manifest". Darin wird festgestellt: "Die Aufstellung deutscher Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland und in der Sowjetzone muss die Chancen auf Wiedervereinigung für unabsehbare Zeit auslöschen und die Spannung zwischen Ost und West verstärken."

Die Regierungskoalition unter Bundeskanzler Konrad Adenauer hält jedoch an der Wiederbewaffnung fest und verspricht Sicherheit vor kommunistischer Bedrohung. Damit entspricht sie auch den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung. Christlich Demokratische Union (CDU) und Christlich Soziale Union (CSU) erhalten bei der Bundestagswahl im September 1957 die absolute Mehrheit der Stimmen. Der Bundestagswahlkampf ist geprägt durch die Kontroverse um die Atombewaffnung.
Der Dienst in der Bundeswehr wird von den Bundesbürgern weitgehend akzeptiert. Von der im Grundgesetz verankerten Möglichkeit zur Kriegsdienstverweigerung machen in den ersten Jahren nur wenige Gebrauch.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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