1949-55

 

Zwei Staaten - zwei Wege: Westintegration

Photo: Bundeskanzler Adenauer unterzeichnet den Deutschlandvertrag, 1952
Photo: Der Amtssitz der Alliierten Hohen Kommission auf dem Petersberg bei Bonn, 1949
Wahlplakat der CDU zum Bundestagswahlkampf, 1953
Photo: Empfang Konrad Adenauers auf dem Moskauer Flughafen, 1955

Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland hat unter Konrad Adenauer von Anfang an eine klare Richtung. Ein dichtes Netz von Abkommen und Verträgen soll die Bundesrepublik als verläßlichen und unentbehrlichen Partner in die westliche Welt einbeziehen. Im Gegenzug soll Schritt für Schritt ihr Entscheidungsspielraum vergrößert und die Souveränität erreicht werden. Die Sicherung der Freiheit durch die Westintegration besitzt für Adenauer Vorrang vor der Wiedervereinigung.

Schon bald kann Adenauer erste Erfolge vorweisen: In Verhandlungen mit der Alliierten Hohen Kommission erreicht er schon Ende 1949 eine erste Revision des Besatzungsstatutes. Frankreich betrachtet jedoch das Erstarken Deutschlands mit Sorge und fürchtet den Abbau von Kontrollen. Als nach dem Ausbruch des Korea-Krieges die USA und Großbritannien auf einen deutschen Beitrag zur Verteidigung Europas drängen, schlägt die französische Regierung am 24. Oktober 1950 den Aufbau einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) vor. Dadurch hofft Frankreich, zumindest eine eigenständige deutsche Armee verhindern zu können. Bundeskanzler Adenauer reagiert positiv, er sieht in dem Vorschlag vor allem den Schlüssel zur deutschen Souveränität.

Die Pläne zu einem deutschen Wehrbeitrag führen in der Bundesrepublik zu heftigen Kontroversen. In vielen Städten kommt es zu leidenschaftlichen Demonstrationen. SPD und Gewerkschaften unterstützen den Protest. Die Mehrheit der Wähler billigt hingegen Adenauers Kurs. In der Bundestagswahl 1953 wird die CDU/CSU mit fast der Hälfte der Mandate erneut die stärkste Fraktion.

Der EVG-Plan scheitert jedoch im August 1954 am Widerstand der französischen Nationalversammlung. Die Integration der Bundesrepublik Deutschland in das westliche Militärbündnis muß nun auf anderem Wege erfolgen. Sie tritt stattdessen der NATO und der WEU bei und erhält im Gegenzug die Souveränität; das Besatzungsstatut erlischt. Diese Regelungen werden in den Pariser Verträgen festgeschrieben, die im Mai 1955 in Kraft treten.
Nachdem die Bundesrepublik Deutschland nun fest im westlichen Bündnis verankert ist, will Adenauer auch Beziehungen zur vierten Siegermacht, der Sowjetunion, aufnehmen. Auf Einladung der UdSSR begibt er sich im September 1955 auf Moskaureise.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

NachkriegsjahreGeteiltes DeutschlandDeutsche EinheitHomeLeMOImpressum