1949
1950
1951
1952
1953
1954
1955

1949-55

 

Jahre des Aufbaus in Ost und West

Photo: Vereidigung Bundeskanzler Adenauers, 1949
Wahlplakat: Wohlstand für alle durch die Soziale Marktwirtschaft, 1957
Photo: 1. Parteikonferenz der SED, 1949
Plakat zum ersten Fünfjahrplan, 1950
Filmplakat: Grün ist die Heide, 1951

Im Spannungsfeld des Kalten Krieges entstehen 1949 die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik. Die Teilung vertieft sich durch die verschiedenen Wege, die beide deutschen Staaten ab 1949 einschlagen, noch weiter. Bis 1955 ist dann ihre jeweilige Einbindung in den westlichen Machtblock mit den USA bzw. den östlichen Machtblock mit der Sowjetunion an der Spitze abgeschlossen. Mit Unterstützung der beiden Weltmächte kommt es bis Mitte der 50er Jahre zur Wiederbewaffnung beider deutscher Staaten. 1956 werden mit der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee zwei deutsche Armeen gegründet.

Nach der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 bilden Christlich Demokratische Union (CDU) und Christlich Soziale Union (CSU) zusammen mit der Freien Demokratischen Partei (FDP) und der Deutschen Partei (DP) die Regierungskoalition. Am 15. September wird Konrad Adenauer vom Bundestag zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er wird zur politischen Leitfigur der 50er Jahre. Die von ihm angestrebte feste Integration der Bundesrepublik in das Bündnissystem des Westens und die Politik der europäischen Integration findet trotz der damit verbundenen Wiederbewaffnung die Zustimmung der Wähler. Auch die von Adenauer vorangetriebene Wiedergutmachung für die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen wird von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert.

Zur Stabilität der parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland trägt auch der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung bei. Die Soziale Marktwirtschaft setzt in Verbindung mit der Währungsreform und dem Marshallplan Kräfte für einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg frei, der schon Mitte der 50er Jahre als "Wirtschaftswunder" bezeichnet wird. Der "Vater des Wirtschaftswunders", Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, ist daher neben Adenauer die zweite Symbolfigur der 50er Jahre. Der wirtschaftliche Erfolg erleichtert auch die soziale Eingliederung der Vertriebenen.

Nach dem Text der Verfassung, die am 7. 0ktober 1949 von der provosorischen Volkskammer in Kraft gesetzt wird, ist die DDR ein bürgerlich-parlamentarischer Staat. In der Realität gestaltet die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) unter Generalsekretär Walter Ulbricht die DDR jedoch nach dem Vorbild der Sowjetunion um. 1952 wird auf der 2. Parteikonferenz der SED der "Aufbau des Sozialismus" beschlossen. Damit verbunden ist auch "die Verschärfung des Klassenkampfes". Die Verfolgung politisch Andersdenkender ist Aufgabe des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die Ära Ulbricht dauert bis zu seiner Ablösung durch Erich Honecker 1971.

Durch die umfangreichen Demontagen der UdSSR, die Ineffektivität der Planwirtschaft und die anhaltende Fluchtbewegung nach Westen vollzieht sich der Wiederaufbau in der DDR langsamer als im Westen. Der 1. Fünfjahrplan wird 1955 mit erheblichen Planrückständen abgeschlossen. Die Wirtschaftsprobleme der DDR treten aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs in der Bundesrepublik besonders deutlich zutage und veranlassen viele DDR-Bürger zur Flucht in den Westen.

Die unterschiedlichen politischen Gegebenheiten in der Bundesrepublik und in der DDR spiegeln sich auch in Kunst und Kultur wieder. Die SED propagiert eine sozialistische, deutsche Kultur. In der Bundesrepublik wird der westliche Lebensstil zunehmend populärer. Gemeinsam ist den Deutschen über die Grenzen hinweg jedoch die Sehnsucht, dem Alltag wenigsten für einige Stunden zu entfliehen. Der Besuch des Kinos gehört daher in Ost und West zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der 50er Jahre.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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