1963-74

 

Sozial-liberale Koalition: Bundestagwahl 1969

Wahlplakat der CDU mit Kurt Georg Kiesinger, 1969
Wahlplakat der SPD mit Willy Brandt, 1969

Am 28. September 1969 ist Bundestagswahl: Schon im Vorfeld wird die Große Koalition aus CDU/CSU und Sozialdemokratischer Partei Deutschlands (SPD) brüchig. In den Umfragen liegen beide Parteien gleichauf. CDU/CSU stellen ihren Wahlkampf ganz auf die Person von Bundeskanzler Kiesinger ab. Die SPD kontert mit einer ganzen Mannschaft unter Führung von Willy Brandt. Unterstützt wird sie von vielen Prominenten aus Kunst und Kultur, die sich zur "Sozialdemokratischen Wählerinitiative" (SWI) zusammenschließen. Die Freie Demokratische Partei (FDP) setzt auf Reformen. Das neue Image der Partei bringt auch die geänderte Schreibweise F.D.P. zum Ausdruck. Da mit dem erstmaligen Einzug der NPD in den Bundestag gerechnet wird, ist alles offen.

Am 28. September geben von 38.677.235 wahlberechtigten Bundesbürgern 86,7 Prozent ihre Stimme ab. Die Hochrechnungen ergeben zunächst einen Wahlsieg der Union. Die NPD ist an der 5 Prozent-Hürde gescheitert. Die Liberalen erreichen nur noch 5,8 Prozent. Doch im Laufe des Abends kommt es schließlich zu einer knappen Mehrheit von SPD und F.D.P. Gegen Mitternacht tritt dann SPD- Kanzlerkandidat Brandt vor die Mikrofone und erklärt: "Ich habe die F.D.P. wissen lassen, dass wir zu Gesprächen mit ihr bereit sind. Dies ist der jetzt fällige Schritt von unserer Seite, über alles andere wird morgen zu reden sein."

Sehr bald verständigen sich SPD und F.D.P. auf die Bildung einer Regierungskoalition. Obwohl CDU und CSU die größte Fraktion im Bundestag bilden, müssen sie dadurch nach 20 Jahren Regierungsverantwortung zum ersten Mal in die Opposition. Am 21. Oktober 1969 wählt der Deutsche Bundestag Willy Brandt mit 251 gegen 235 Stimmen zum neuen Bundeskanzler. Seinem Kabinett gehören 11 SPD-Minister, 3 Minister von der F.D.P.und ein parteiloser an. Außenminister und Vizekanzler wird der Parteivorsitzende der F.D.P. Walter Scheel.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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