1963-74

 

Unruhige Jahre: Jugendprogramm "DT 64"

Photo: Das Sonderstudio des Radiosenders "DT 64", 1964
Zeitschrift: Funk und Fernsehen der DDR, Liederblatt für DT 64, 1967
Photo: Redakteurinnen von Jugendstudio DT 64, 1974

Als Begleitwelle zu dem von der FDJ organisierten "Deutschlandtreffen der Jugend" 1964 strahlt der DDR- Rundfunk an den Pfingsttagen ein 99stündiges Sonderprogramm aus, das sich in Anlehnung an die Veranstaltung "Sonderstudio DT 64" nennt. Vier Tage und Nächte wird durchweg live moderiert, ein Spree-Boot fungiert als Schwimmender Ü-Wagen. Dichterlesungen mit Wolf Biermann und Sarah Kirsch werden übertragen und westliche Musik gespielt. An dem Treffen nehmen rund 500.000 Jugendliche aus der DDR und etwa 10.000 westdeutsche Jugendliche teil, die drei Tage lang ungehindert und offen miteinander diskutieren können.

Wegen des großen Erfolges beschließt die Jugendkommission nach dem Deutschlandtreffen die Fortführung von "DT 64". Seit dem 29. Juni 1964 ist es unter dem Namen "Jugendstudio DT 64" als ständiges Nachmittagsprogramm im Berliner Rundfunk zu hören. Der Sender versteht sich als Begleiter und Anwalt seiner jungen Hörer. Er berichtet kritisch und offen über Jugendliche und ihre Probleme und fördert Beatgruppen aus der DDR. Der SED missfällt der Inhalt des Programms. In seinem Bericht zur Jugendpolitik der DDR auf dem 11. ZK-Plenum im Dezember 1965 attackiert Erich Honecker den Sender heftig und wirft ihm vor, in seinem Musikprogramm einseitig die Beatmusik zu propagieren und Fragen der politischen Bildung zu vernachlässigen.

Nicht zuletzt wegen seiner großen Popularität wird "DT 64" nicht wie viele andere kritische Filme und Bücher nach dem Ende der Reformzeit verboten. Stattdessen versucht die SED, das Jugendstudio für eigene Ziele einzuspannen. 1986 entsteht durch Fusion mit "Hallo - das Jugendjournal" vom Sender "Stimme der DDR" das Vollprogramm "Jugendradio DT 64", das vor allem Rock- und Popmusik sendet. Nach der Wende 1989/90 führt der Verlust von zahlreichen Sendefrequenzen im Rahmen der Umgestaltung der ostdeutschen Medienlandschaft zu einer beispiellosen Hörermobilisierung, die das Jugendradio vor der Abschaltung bewahren soll. Trotz zahlreicher Proteste lehnt der Bundestag eine Unterstützung von "DT 64" jedoch ab. Seit 1993 wird es als MDR-Jugendwelle unter dem neuen Namen "MDR-Sputnik" fortgeführt.

Audio-Station Musik: Jugendprogramm DT 64 - Erkennungsmelodie, 1964
Dokument Liedtext: Friedenslied, Mai 1967

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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