1963-74

 

Unruhige Jahre: Suche nach einer neuen Frauenrolle

Werbemittel: Die neue Lux, 1960er Jahre
Verpackung: Antibabybille "Anovlar", 1961
Gemälde: Fritz Köthe "March", 1970

In den 60er Jahren ist der Frauenalltag noch weitgehend von der traditionellen Arbeitsteilung bestimmt. Erst allmählich brechen Tabus auf, beginnt sich das Rollenverständnis von Frau und Mann zu wandeln. Wichtige Impulse für die wachsende Frauenemanzipation gibt die sich Anfang der 70er Jahre formierende Neue Frauenbewegung. Gesetzesreformen der sozial-liberalen Koalition erweitern die rechtliche Gleichstellung der Frau.
Die Werbung hingegen stellt das überlieferte Geschlechterverhältnis nicht in Frage. Sie verspricht der Hausfrau eine vereinfachte Haushaltsführung durch neue Produkte und zeigt die moderne Frau als junge und attraktive Zeitgenossin.

In den 60er und 70er Jahren eröffnen die Bildungsdiskussion und die Anti-Baby-Pille als Mittel der Familienplanung neue Wege für die Frauenemanzipation. Ausbildung und Beruf werden zu einem wichtigen Bestandteil weiblicher Lebensplanung, auch wenn die Berufswahl weiterhin geschlechtsspezifisch erfolgt. Die Einspruchsmöglichkeiten des Mannes gegen eine Berufstätigkeit der Ehefrau werden 1976 bei der Reform des Ehe- und Familienrechts aufgehoben. Die öffentlichen Leistungen zur besseren Vereinbarung von Familien- und Berufsleben und die Bereitschaft zu einer partnerschaftlichen Aufgabenverteilung im Haushalt bleiben jedoch stark begrenzt.

In der zweiten Hälfte der 60er Jahre nehmen trotz päpstlichen Verbots immer mehr Frauen die Anti-Baby-Pille. Sie macht eine Schwangerschaft planbar und trägt so auch zur sexuellen Revolution bei. Der Minirock wird zum Symbol der sexuellen Befreiung und Emanzipation der Frau. Die Modebranche macht aus der Provokation einen Trend und propagiert das superschlanke Modell "Twiggy" als Schönheitsideal. "Schöner und freier" sollen sich die Frauen fühlen. Mit der Enttabuisierung von Sexualität nehmen aber auch die Anzüglichkeiten in der Werbung fast schrankenlos zu. Viele Frauen fühlen sich durch die freizügigen Abbildungen in den Illustrierten diskriminiert und zum männlichen Lustobjekt reduziert.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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