1963-74 |
Unruhige Jahre: Weg mit den alten Vorbildern |
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Die studentische Auflehnung gegen die bestehende Wertewelt
erstreckt sich auch auf den Bereich der
privaten Lebensgestaltung. Traditionelle Familienbindungen werden zunehmend in Frage gestellt und
alternative Formen des Zusammenlebens erprobt. Überkommene Erziehungsgrundsätze stehen in der
Kritik, weil sie die freie Entfaltung des Individuums verhindern. Als neue Form des Zusammenlebens entsteht die Wohngemeinschaft. 1967 wird in West-Berlin die sogenannte Kommune 1 gegründet, deren Mitglieder "kollektives Leben mit politischer Arbeit" verbinden und bürgerliche Abhängigkeitsverhältnisse in der Familie aufbrechen wollen. Zu den bekanntesten "Kommunarden" zählen Rainer Langhans (geb. 1940) und Fritz Teufel (geb. 1943), die mit provokanten öffentlichen Auftritten schockieren. Gegen bestehende familiäre Normen wendet sich auch das Konzept der antiautoritären Erziehung, das in Deutschland u.a. durch die Schriften des britischen Pädagogen A. S. Neill (1883-1973) populär wird. Seit 1968 entstehen vor allem in Berlin sogenannte Kinderläden, die diese Idee aufnehmen und sich so bewusst von Kindergärten abgrenzen. Die politische Protestbewegung beeinflusst den gesamten Lebensstil der jungen Generation. Rocksänger und - gruppen wie Joan Baez (geb. 1941), Bob Dylan (geb. 1941) oder The Doors werden mit ihren Protestliedern zu Idolen. Mit Hippie-Look und Minirock rebellieren die Jugendlichen gegen gesellschaftliche Normen und "Spießertum". Ihre Forderung nach freier Entfaltung von Sexualität erschüttert die Moralvorstellungen der Erwachsenen. Die Suche nach einem "alternativen Leben" verführt viele Jugendliche zu Experimenten mit Drogen, um mit ihrer Hilfe in eine Scheinwelt voll Phantasie und Liebe zu entfliehen. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |