1963-74 |
Wirtschaftliche Entwicklungen in Ost und West |
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Nach einer fast zwanzigjährigen Phase des wirtschaftlichen Wachstums ist die Bundesrepublik 1966/67 erstmals von einer größeren Rezession betroffen, die die Arbeitslosenzahlen hochschnellen lässt und in der Bevölkerung eine Krisenstimmung auslöst. Neue wirtschaftspolitische Konzepte die von der Großen Koalition umgesetzt werden, führen jedoch zu einer schnellen Konjunkturerholung. Im Osten veranlasst die SED nach dem Mauerbau umfangreiche Wirtschaftsreformen, um durch einen steigenden Lebensstandard die Bevölkerung für die DDR zu gewinnen. Die Furcht der Staatspartei vor einem Machtverlust führt 1970 zum Abbruch der Reformansätze. Bis Mitte der 60er Jahre floriert die bundesdeutsche Wirtschaft, wenn auch bei sinkenden Wachstumsraten. In vielen Branchen zeigt sich ein akuter Arbeitskräftemangel. Um Abhilfe zu schaffen, vereinbaren Bundesregierung und Industrie, im Ausland Arbeitskräfte anzuwerben. Nach Vertragsabschluss mit mehreren "Anwerbeländern" kommen mehr als zwei Millionen "Gastarbeiter", die nach längerem Aufenthalt häufig bleiben und ihre Familien nachholen. Noch vor der allgemeinen Rezession erlebt der Bergbau an der Ruhr wegen der Konkurrenz des billigeren Erdöls eine Strukturkrise, die Zechenstillegungen und Entlassungen in großem Ausmaß nach sich zieht. Die Bundesregierung unter Ludwig Erhard lehnt die notwendige grundsätzliche Neuordnung jedoch ab, erst die Große Koalition stellt mit dem Kohlegesetz von 1968 die Weichen für eine "Anpassung und Gesundung des deutschen Steinkohlebergbaus". Auch die vor allem durch den Rückgang von privaten und öffentlichen Investitionen verursachte Rezession kann erst durch eine aktive staatliche Wirtschaftssteuerung überwunden werden. Zur besseren Bekämpfung zukünftiger Konjunkturschwankungen wird 1967 das Stabilitätsgesetz erlassen. Die 1963 verkündeten Wirtschaftsreformen in der DDR führen erstmals Elemente des Wettbewerbs in die sozialistische Zentralplanwirtschaft ein. Es werden Leistungsanreize geschaffen, die zum Anstieg der Produktion führen sollen. Die einzelnen Betriebe erhalten größere Entscheidungsfreiheiten, das Wirtschaftssystem soll insgesamt flexibler werden. Tatsächlich löst das "Neue Ökonomische System der Planung und Leitung" einen Wachstumsschub aus, der den Lebensstandard deutlich ansteigen lässt. Die Angst vor einem politischen Führungsverlust aufgrund der wirtschaftlichen Reformansätze und die unbefriedigende Planerfüllung veranlassen die SED, zu einem stärkeren Zentralismus zurückzukehren. (ahw/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |