1963-74 |
Wirtschaftliche Entwicklungen in Ost und West: Konjunkturschwäche |
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1965 zeigen sich erste konjunkturelle Schwächen, die vor allem durch nachlassende Investitionen im Bausektor bedingt sind. Erstmals gerät die Volkswirtschaft der Bundesrepublik in eine für damalige Verhältnisse bedrohlich erscheinende Rezession. Die schnell wachsende Zahl der Arbeitslosen zwischen Juli 1966 und Juni 1967 von 101.476 auf 400.773 ruft Erinnerungen an die Wirtschaftskrisen der 20er Jahre wach. Die abwartende, oftmals auf Appelle beschränkte Haltung der Bundesregierung wird den Erwartungen der Öffentlichkeit nicht gerecht. Die Krise entwickelt politische Sprengkraft. Die Rezession hat verschiedene Ursachen. Zwischen 1955 und 1966 haben sich die Bruttowochenverdienste der Arbeitnehmer mehr als verdoppelt. Bei abnehmender Auftragslage besitzt die Industrie somit immer weniger Investitionskapital. Die Lohnsteigerungen fördern überdies den Preisauftrieb. Unter der Verdrängung der heimischen Kohle durch den billigeren Energieträger Öl leidet nicht nur der Bergbau, sondern in direkter Folge auch die Stahlindustrie. Die Steigerung der Bundesausgaben kann nur mit Hilfe des Kapitalmarktes, das heißt durch eine wachsende Staatsverschuldung, ausgeglichen werden. So stehen weniger Mittel für Investitionen in die Industrie zur Verfügung, was vor allem das Baugewerbe und die Textilindustrie zu spüren bekommen. Die Auftragslage der Industrie verschlechtert sich zusehends. Gegenüber 1965 sinkt die Produktion von Verbrauchsgütern um ein Prozent, bei Investitionsgütern und im Baugewerbe werden 3,4 bzw. 5 Prozent weniger Absatz verzeichnet. Noch größere Verluste verbuchen Maschinenbau und Textilindustrie mit 10,9 bzw 15,5 Prozent geringerem Auftragsvolumen. Der Konjunkturabfall leitet die erste Rezessionsphase in der Geschichte der Bundesrepublik ein. Zu einer wirtschaftlichen Konsolidierung kommt es erst unter der Großen Koalition, die mit gezielten informellen (Konzertierte Aktion) und gesetzgeberischen Maßnahmen die Krise erfolgreich bekämpfen kann. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |