1963-74

 

Wirtschaftliche Entwicklungen in Ost und West: Krise an der Ruhr

Photo: Zeche Consolidation in Gelsenkirchen, 1959
Flugblatt: Streikaufruf der IG Bergbau und Energie, 1966
Plakat: Mit Energie in die Zukunft, 1968

Die Ruhrkohle verliert seit 1958 ihre Bedeutung als wichtigster Energielieferant; billiges Erdöl ersetzt in vielen Bereichen die heimische Kohle. Die schwindende Wettbewerbsfähigkeit führt zu zahlreichen Zechenstillegungen und Entlassungen, die den sozialen Frieden gefährden. Die Rezession 1966 verschärft die Strukturkrise. Mit Großdemonstrationen protestieren die Bergleute gegen die existenzbedrohende Misere. Eine Neuordnung der Kohlepolitik erfolgt jedoch erst unter der Großen Koalition. Gesetzliche Maßnahmen und eine aktive Konjunkturpolitik tragen zur Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen bei.

Ende der 50er Jahre haben die Zechen des Ruhrgebiets erstmals Absatzschwierigkeiten. In den Wohnungen wird zunehmend Öl verbraucht, das weniger kostet und leichter zu handhaben ist. Die Absatznöte der heimischen Kohle werden durch billige Importe noch verschärft. Seit 1957 wird mehr Energie ein- als ausgeführt. Zwischen 1955 und 1966 sinkt die Zahl der im Bergbau Beschäftigten von 644.000 auf 398.000. Die Weigerung der Bundesregierung, die Strukturkrise mit einer durchgreifenden Neuordnung des Bergbaus zu lösen, verschärft die angespannte Lage an Rhein und Ruhr.

Die Ruhrkrise trägt wesentlich zum Vertrauensverlust der CDU und zum Sturz Ludwig Erhards bei. Erst unter der Großen Koalition werden Maßnahmen zur Konsolidierung des Ruhrbergbaus ergriffen. Das Kohlegesetz vom 15. Mai 1968 fördert die Unternehmenskonzentration und -rationalisierung, begünstigt neue Investitionen und reguliert die Förderkapazität. 23 Bergwerksunternehmen mit 85 Prozent der Förderung schließen sich am 27. November 1968 zur Ruhrkohle AG zusammen. Als Einheitsgesellschaft auf privatwirtschaftlicher Basis bildet sie den Rahmen für eine von Bundesregierung und Gewerkschaften mitgesteuerte Rationalisierung des Bergbaus in sozial verträglicher Form.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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