1974-89 |
Bürgerbewegungen: Alternative Bewegung |
|
![]() ![]() |
In vielen westlichen Industriestaaten entstehen in den 70er Jahren Gruppierungen von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die statt der herrschenden Gesellschaftsstrukturen selbstbestimmte, alternative Lebensentwürfe bevorzugen. Zusammenfassend werden diese Gruppen als alternative Bewegung bezeichnet. Nach den theorielastigen Diskussionen der Studentenbewegung in den 60er Jahren hat die alternative Bewegung weitgehend die Lust an Theorien und Konzepten verloren. Vor der Möglichkeit zur Veränderung der Gesellschaft hat sie resigniert. Die alternativen Gruppen befürworten stattdessen Selbstverwirklichung und basisdemokratische Entscheidungsprozesse. Die alternative Bewegung steht der modernen, von Produktion und Konsum beherrschten Industriegesellschaft insgesamt skeptisch gegenüber. Von tiefem Misstrauen geprägt ist auch ihre Haltung zum politischen System der parlamentarischen Demokratie, das allein durch die Parteien dominiert wird. Traditionelle Hierarchien werden abgelehnt. In der Bundesrepublik ist die alternative Bewegung eng mit der Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung sowie den Bürgerinitiativen verknüpft. Auch die Hausbesetzerszene, die ab Ende der 70er Jahre in West-Berlin und anderen Großstädten entsteht, gehört dazu. An den Rändern der alternativen Bewegung sind allerdings auch Aussteiger und gewaltbereite Autonome zu finden. Alternative Lebensformen werden aber nicht nur im privaten und kulturellen Sektor erprobt, sondern auch auf den wirtschaftlichen Bereich übertragen. Zahlreiche alternative Handwerksbetriebe, Druckereien, Buchläden, Gaststätten und zumeist auf ökologische Produktion ausgerichtete Bauernhöfe entstehen, die häufig in genossenschaftlicher Form betrieben werden. (ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |