1974-89

 

Neue politische Konstellationen: Bundespräsidentenwahl 1984

Photo: Bundespräsident Richard von Weizsäcker , um 1984
Wahlplakat: Mit uns gewinnt Berlin. Richard von Weizsäcker. CDU, 1979
Schallplatte: Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985

Am 23. Mai 1984 tritt in der Bonner Beethovenhalle die Bundesversammlung zusammen, um einen Nachfolger für den scheidenden Bundespräsidenten Karl Carstens zu wählen. Zur Wahl stehen der Kandidat der christlich-liberalen Regierungskoalition, Richard von Weizsäcker, und die von den Grünen vorgeschlagene Schriftstellerin Luise Rinser (1911-2002). Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) verzichtet auf einen eigenen Kandidaten. Der über die Parteigrenzen hinweg populäre von Weizsäcker wird schon im 1. Wahlgang mit großer Mehrheit gewählt. Die Gegenkandidatin Rinser erhält 68 von insgesamt 1028 Stimmen. Mit seiner Vereidigung vor dem Bundestag am 1. Juli 1984 tritt von Weizsäcker dann sein Amt als 6. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland an.

Richard von Weizsäcker wird 1920 in Stuttgart geboren. Sein Vater ist Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Berlin. 1938 wird von Weizsäcker zum Wehrdienst eingezogen und bleibt bis Kriegsende Soldat. Anschließend studiert er in Grenoble, Oxford und Göttingen Jura. Trotz seiner Tätigkeit als Industriemanager ist der engagierte Protestant über lange Jahre Präsident des evangelischen Kirchentages. 1969 zieht er für die Christlich Demokratische Union (CDU) in den Bundestag ein. Als Spitzenkandidat der Berliner CDU wird er 1981 zum Regierenden Bürgermeister gewählt. Tatkräftig und erfolgreich geht er dabei die vielfältigen Probleme der Stadt an.

Als Bundespräsident erwirbt sich von Weizsäcker rasch hohes Ansehen. Vor allem wird seine Fähigkeit zur Integration geschätzt. Besondere Beachtung findet im In- und Ausland seine Rede vor dem Deutschen Bundestag zum 40. Jahrestag der Kapitulation am 8. Mai 1985. Darin setzt er Zeichen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der NS-Vergangenheit. Aufgrund des Ansehens und der großen moralischen Autorität, die von Weizsäcker dem Amt verleiht, ist er 1989 der einzige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.

Audio-Station Rede: Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, 8.5.1985
Dokument Rede: Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, 8.5.1985

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